Angestoßen durch die schlechten Ergebnisse deutscher Kinder in der PISA-Studie und der sich anschließenden Diskussion, wie diesem Missstand zu begegnen sei, hat sich in den letzten Jahren eine altersmäßige Verlagerung in den Ansätzen zur Leseförderung ergeben. So besteht heute weitgehend Konsens, dass Leseförderung bereits systematisch im Kleinkind- und Kindergartenalter beginnen sollte und die bislang außerhalb des Elternhauses praktizierte Leseförderung, die Schule, Bibliothek und andere Einrichtungen anbieten, viel zu spät einsetzt. An diese Erkenntnis knüpft "Lesestart" - die bundesweite Kampagne zur frühen Sprach- und Leseförderung an, die von Stiftung Lesen seit 2008 organisiert wird und bei der Kleinkinder bzw. deren Eltern im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U6 ein Lesestart-Set erhalten.
Aktuelle Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, wie wichtig das Vorlesen und der selbstverständliche Umgang mit Büchern für die frühkindliche Bildung und die späteren Lesefähigkeiten sind. Das Potenzial der frühkindlichen Leseförderung umfasst wichtige Bereiche wie die Entwicklung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und des Vorstellungsvermögens, Stärkung der sozialen Kompetenzen, Wahrnehmung von Lebensbereichen außerhalb der eigenen unmittelbaren Erfahrungswelt. Werden diese Fähigkeiten nicht gefördert, bleiben Entwicklungschancen ungenützt.
In der praktischen Bibliotheksarbeit setzt allmählich ein Bewusstseinswandel ein, hin zu der Erkenntnis, dass öffentliche Bibliotheken stärker, systematischer und aktiver zur frühkindlichen Leseförderung beitragen können. Dies setzt eine Analyse der eigenen Möglichkeiten voraus und die anschließende Ausarbeitung von Konzepten zur Zusammenarbeit mit Kindergärten und Kindertagesstätten. Gerade in Zeiten, in denen der Anteil leseferner Elternhäuser zunimmt, wird die Verantwortung der übrigen Institutionen in diesem Bereich immer größer und damit auch die Herausforderung, dieser Tatsache entsprechend Rechnung zu tragen. Bibliotheken sollten die erste Adresse sein, um allen Verantwortlichen die Bedeutung des Vorlesens und Erzählens für die frühkindliche Bildung zu vermitteln und mit gezielten Angeboten für Kindergärten, Kindertagesstätten, Erzieherinnen und Eltern allen Kindern den Zugang zu Büchern zu ermöglichen.
"Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen" - Die Lese-Initiative für Deutschland
"Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen" - Die Lese-Initiative für Deutschland
(Informationen zum Projekt auf Oebibonline)
"Lesestart" in Bayern - Freistaat Bayern fördert die Kampagne "Lesestart"
(Meldung auf Oebibonline vom 28.05.2008)
Übersicht bekannter "Lesestart-Projekte"
Start ins Lesen (Aktion der Fachstelle Stuttgart)
Landshut, Stadtbücherei
Veranstaltungsreihe im „Lesezelt“ für die Jüngsten (Bibliotheksnachricht auf OeBiB.de vom 11.05.2011)
Ein Jahr "Bücherbabies" in der Stadtbücherei Würzburg In der "literarischen Krabbelgruppe" treffen sich Eltern und Großeltern mit ihren Kleinkindern von 0 - 3 Jahren zum Singen, Spielen und Erfahrungsaustausch (ÖBiB 5/2005)
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