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10. Mai - Jahrestag der Bücherverbrennung 1933

Gerade Bibliotheken sind aufgerufen, durch gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an das Geschehen zu erinnern.

Michael Stacheder bei einer Lesung / © Stadtbücherei Bad Aibling

Michael Stacheder bei einer Lesung / © Stadtbücherei Bad Aibling

Vorgeschichte

Am 10. Mai 1933, wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurden Bücher von politisch und rassisch unerwünschten Schriftstellern und Wissenschaftlern in fast allen deutschen Universitätsstädten verbrannt. Darunter waren u.a. Werke von Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Arnold und Stefan Zweig.

Grundlage für die Auswahl der zu verbrennenden Werke bildeten so genannte „Schwarze Listen“ des Bibliothekars Wolfgang Herrmann, nach denen Student*innen und andere Hochschulangehörige „verbrennungswürdige“ Literatur in Universitätsbibliotheken, Leihbüchereien und Buchhandlungen für die Verbrennungen aussonderten.

Dabei hätten gerade die Studierenden, Professoren (und Bibliothekare) Heinrich Heines Mahnung kennen sollen: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Dieses Zitat aus dem Drama Almansor, das Heine schon 1821 geschrieben hat, wurde auf unfassbare Weise Realität.

(Dabei bezieht sich das Zitat nicht auf die vier Jahre zuvor durchgeführte Bücherverbrennung während des Wartburgfestes 1817, sondern auf eine Verbrennung des Korans kurz nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter 1499/1500).

Mögliche Aktivitäten

Die bundesweite Aktion „Bücher aus dem Feuer” greift das Gedenken an die Bücherverbrennung auf.

Gerade Bibliotheken sind aufgerufen, durch gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zum Sinn und Zweck des Gedenktages an das Geschehen zu erinnern. Aktionen mit geeigneten Vorleser*innen und ein Büchertisch sind sinnvoll, um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Ziel ist, dass möglichst viele Partner sich beteiligen, insbesondere auch Schulen oder Volkshochschulen.

Alljährlich sind Vortragende aufgerufen, an diesem Tag aus Büchern zu lesen, die 1933 durch die Nazis ein Opfer der Flammen wurden. Die Initiative „Bücher aus dem Feuer” ist an keinen Ort gebunden. Sie kann auf öffentlichen Plätzen und in jeder lokalen Institution, bevorzugt natürlich in Bibliotheken, stattfinden. Während der Corona-Pandemie wurden verschiedentlich auch Online-Aktionen angeboten.

Virtuelle Dauerausstellung zum Gedenktag

Seit dem 12. April 2022 wird die weltweit einmalige, in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragene Sammlung von Georg P. Salzmann (1929-2013) aus Gräfelfing bei München, in einer Online-Ausstellung der UB Augsburg vorgestellt. Seit Juli 2009 ist sie in deren Besitz und steht allen Forschenden, Lehrenden und Lernenden zur Verfügung.

Die  virtuelle Dauerausstellung führt an ausgewählten Beispielen in die Werke der Sammlung und Schicksale der verfemten Autor*innen ein. Neben anschaulichen Buchexponaten finden die Besucher*innen Hintergrundwissen über die NS-Bücherverbrennungen 1933 und die deutschsprachige Exil-Literatur.
 

Weitere Informationen:

buecherlesung.de

Bücherverbrennung 1933 - Lesungen aus verbrannten Büchern an bayerischen Volkshochschulen und Bibliotheken
(Textbeispiele, Veranstaltungsformate, Literaturliste)

Bücherverbrennung auf OeBiB.de

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