20. Preis der Leipziger Buchmesse 2024 – Barbi Marković, Tom Holert und Ki-Hyang Lee

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt herausragende dt.-sprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen.

Von links: Ki-Hyang Lee, Tom Holert und Barbi Marković / © Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter

Von links: Ki-Hyang Lee, Tom Holert und Barbi Marković / © Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter

© Preis der Leipziger Buchmesse

© Preis der Leipziger Buchmesse

Am 21. März 2024 ab 16 Uhr wurde es wieder spannend – wer wird mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet? Das 20-jährige Jubiläum verlieh der Festveranstaltung in der Glashalle auf dem Leipziger Messegelände zudem eine ganz besondere Note.

Die folgenden Siegerinnen und Sieger wurden gekürt:

Kategorie Belletristik

Barbi Marković | „Minihorror“ | Residenz Verlag

Zur Begründung der Jury:

Rasant, seriell und pop-affin – so ist Barbi Markovićs neues Buch, das man wie im Rausch ohne Unterbrechung an einem Stück lesen will … Barbi Markovic erzählt hinreißend komisch und bitterernst von unserer Gegenwart: hinten die Kriegsverbrechen, vorne der Klimawandel, dazwischen die Banalität unseres tagtäglichen Lebens. In „Minihorror“ enttarnt Barbi Marković … den Horror im Alltag, den Grusel vor der eigenen Familie. Dabei wird der Mensch im Spätkapitalismus notgedrungen zur Witzfigur.

Die Autorin:

Barbi Marković, geboren 1980 in Belgrad, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erhielt Marković viel Beachtung für „Ausgehen“ (Suhrkamp), eine Übertragung der Thomas-Bernhard-Erzählung „Gehen“ in die Belgrader Clubszene. 2016 erschien der Roman „Superheldinnen“ beim Residenz Verlag, für den sie den Literaturpreis Alpha, den Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises sowie 2019 den Priessnitz-Preis erhielt. Es folgten zahlreiche Kurzgeschichten, Theaterstücke und Hörspiele. 2023 erhielt Barbi Marković den Kunstpreis Berlin für Literatur.

Kategorie Sachbuch/Essayistik

Tom Holert | „ca. 1972” Gewalt – Identität – Methode | Spector Books

Zur Begründung der Jury:

Tom Holert widmet sich dem Zeit-Raum „ca. 1972“ und seinen politischen und ästhetischen Avantgarden. Sein überbordender Text-Bild-Essay stellt Gewalt, Ökologie und Identität in einen aufregenden methodischen Zusammenhang …

Der Autor:

Tom Holert, geboren 1962 in Hamburg, hat Kunstgeschichte studiert, für Zeitschriften gearbeitet (Texte zur Kunst, Spex), an Hochschulen gelehrt und Ausstellungen organisiert. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter „Fliehkraft: Gesellschaft in Bewegung – von Migranten und Touristen“ (2006, beide bei Kiepenheuer & Witsch) und „Politics of Learning, Politics of Space. Architecture and the Education Shock of the 1960s and 1970s” (De Gruyter, 2021).

Kategorie Übersetzung

Ki-Hyang Lee | Bora Chung: „Der Fluch des Hasen“ | CulturBooks

Zur Begründung der Jury:

In der pointierten und leicht neben die Norm gesetzten Sprache, die die gesellschaftskritisch versierte Koreanerin Ki-Hyang Lee den Texten von Bora Chung verleiht, haben sie eine zitternde Offenheit für das Neue und Unerwartete …  Übersetzen bedeutet dabei auch, von beweglichen Standpunkten aus zu denken: Was ist nah und was fern, was selbstverständlich und was fremd … Dass wir den Reichtum der südkoreanischen Gegenwartsliteratur erleben können, ist ein großer Verdienst von Ki-Hyang Lees unermüdlicher Arbeit.

Die Autorin:

Ki-Hyang Lee, geboren 1967 in Seoul, studierte Germanistik, Pädagogik und Japanologie in Seoul, Würzburg und München. Sie lebt in München, arbeitet dort als Dozentin an der Universität und ist Übersetzerin und Verlegerin des Märchenwald Verlags. Zu ihren zahlreichen Übersetzungen zählen Han Kangs „Die Vegetarierin“ (Aufbau, 2017), Cho Nam-Joos „Kim Jiyoung, geboren 1982“ (Kiepenheuer & Wietsch, 2021) oder Kim Hye-Jins „Die Tochter“ (Hanser, 2022), dazu übersetzte sie verschiedene asiatische Autorinnen und Autoren.

Nominierungen 2024

Bis Anfang Oktober konnten Verlage ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse weitergeben. Insgesamt 486 Werke aus 177 Verlagen kamen zusammen und bescherten der siebenköpfigen Jury viel Arbeit bei der Auswahl der Nominierungen.

Belletristik

Anke Feuchtenberger: „Genossin Kuckuck“ (Reprodukt)
Wolf Haas: „Eigentum“ (Hanser Verlag)
Inga Machel: „Auf den Gleisen“ (Rowohlt Buchverlag)
Barbi Marković: „Minihorror“ (Residenz Verlag)
Dana Vowinckel: „Gewässer im Ziplock“ (Suhrkamp Verlag)

Sachbuch/Essayistik

Jens Beckert: „Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht“ (Suhrkamp Verlag)
Christina Clemm: „Gegen Frauenhass“ (Hanser Berlin)
Tom Holert: „ca. 1972” Gewalt – Identität – Methode (Spector Books)
Christina Morina: „Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er-Jahren“ (Siedler Verlag, 27.09.2023)
Christiane Collorio (Hrsg.); Ines Geipel (Hrsg.); Ulrich Herbert (Hrsg.); Michael Krüger (Hrsg.); Hans Sarkowicz (Hrsg.): „Jahrhundertstimmen 1945-2000 – Deutsche Geschichte in über 400 Originalaufnahmen. Jahrhundertstimmen II“ (Der Hörverlag)

Übersetzung

Ki-Hyang Lee übersetzte aus dem Koreanischen: „Der Fluch des Hasen“ von Bora Chung (CulturBooks)
Klaus Detlef Olof übersetzte aus dem Slowenischen „18 Kilometer bis Ljubljana“ von Goran Vojnović (Folio Verlag)
Lisa Palmes übersetzte aus dem Polnischen: „Bitternis“ von Joanna Bator (Suhrkamp Verlag)
Jennie Seitz übersetzte aus dem Russischen: „Nimm meinen Schmerz. Geschichten aus dem Krieg“ von Katerina Gordeeva (Droemer HC)
Ron Winkler übersetzte aus dem Englischen: „Angefangen mit San Francisco. Gedichte“ von Lawrence Ferlinghetti (Schöffling & Co.)
 

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner ist das Literarische Colloquium Berlin, Medienpartner sind das Kundenmagazin buchjournal, Deutschlandfunk Kultur und die WELT AM SONNTAG.
 

Weitere Informationen:

Website zum Preis der Leipziger Buchmesse

Ausführliche Informationen zu den Preisträgern

Zu den Nominierungen 2024

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