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41. Erlanger Poetenfest – Bilanz der zweiten Ausgabe unter Pandemie-Bedingungen

Soviel zeichnete sich deutlich ab: die Literaturlandschaft spiegelt die gesellschaftlichen Realitäten wider und ist diverser denn je zuvor.

Erlanger Poetenfest / © Simone Voggenreiter, 2021

Erlanger Poetenfest / © Simone Voggenreiter, 2021

Am Abend des 29. Augusts endete das 41. Erlanger Poetenfest, das zum zweiten Mal als Sonderausgabe dem Infektionsschutz Rechnung trug und nicht als Großereignis im Erlanger Schlossgarten, sondern in über 140 über das ganze Stadtgebiet verteilten Einzelveranstaltungen für ein begrenztes Publikum organisiert wurde. Wie schon im vergangenen Jahr fand der weit überwiegende Teil der Veranstaltungen unter freiem Himmel ohne Ausweichmöglichkeit in Innenräume statt. Unerschütterlich trotzten die rund 8 000 Besucherinnen und Besucher sowie die Autorinnen und Autoren dem herbstlichen Wetter. Selbst der Dauerregen am Sonntagnachmittag führte zu keinen Veranstaltungsabbrüchen. Lediglich einige Abendveranstaltungen wurden nach innen verlegt.

Rund 100 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizistinnen und Publizisten, Künstlerinnen und Künstler waren nach Erlangen kommen. Im Mittelpunkt stand traditionell der Lesereigen „Literatur aktuell“, unter anderem mit Shida Bazyar, Nava Ebrahimi, Jenny Erpenbeck, Dana Grigorcea, Joshua Groß, Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Jo Lendle, Sharon Dodua Otoo, Sasha Marianna Salzmann, Mithu Sanyal, Ferdinand Schmalz, Elke Schmitter, Nadine Schneider und Antje Rávik Strubel. Die Gäste lasen in der Regel zwei Mal an unterschiedlichen Orten und sprachen mit jeweils unterschiedlichen Moderatorinnen und Moderatoren über ihre neuen Bücher. Thematisch aufgegriffen oder flankiert wurden die literarischen Veranstaltungen von einer dreitägigen Gesprächsreihe, in der sich unter anderem Bascha Mika, Marcus Pindur und Theresa von Saldern auch vor dem aktuellen Hintergrund der Ereignisse in Afghanistan mit feministischer Außen- und Sicherheitspolitik beschäftigten, Hatice Akyün und Mithu Sanyal über Identitätspolitik sprachen, Christoph Butterwegge und Daniela Dröscher die Klassengesellschaft thematisierten und Elisa Hoven und Georg M. Oswald die Macht der Verfassungsrichter beleuchteten.

Ob sich Demokratie und Debattenkultur in der Krise befinden, fragten, natürlich auch anlässlich der Pandemieerfahrungen der letzten Monate, Eric Hattke und Karsten Schubert. Das Thema Wissen stand im Fokus von zwei Diskussionsrunden: Wikipedia und Citizen Science wurden von Philipp Schrögel und Ziko van Dijk diskutiert, während sich Jörg Phil Friedrich, Armin Nassehi und Peter Trawny mit der Relevanz der Wahrheit auseinandersetzen, wobei das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik in der Corona-Krise eine zentrale Rolle spielte. Über den Kapitalismus und seine globalen Auswirkungen sprach der aus Genf live zugeschaltete Jean Ziegler, Arno Frank und Sharon Dodua Otoo lasen und sprachen über „Klasse und Kampf“.

Zum Auftakt des 41. Erlanger Poetenfest wurde der Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung an Orsolya Kalász und Monika Rinck verliehen, zum siebzehnten Mal fand die Erlanger Übersetzerwerkstatt statt, der Bayerische Rundfunk sendete die „Bayern 2-Nacht der Poesie“ und das Büchermagazin „Diwan“ live aus Erlangen. An drei Abenden wurden Graphic Novels gelesen, unter anderem von der Max und Moritz-Preisträgerin Anke Feuchtenberger, Volker Schlöndorff stellte seinen Directors Cut der Blechtrommel vor und zahlreiche Veranstaltungen richteten sich an Kinder und Familien. Eine umfangreiche Ausstellung im Erlanger Stadtmuseum widmet sich noch bis zum 19. September dem zeichnerischen Werk Oskar Pastiors – aus diesem Anlass waren unter anderem auch Michael Lentz, Oswald Egger und Ernest Wichner zum Poetenfest gekommen.

An zahlreichen Orten und Plätzen der Erlanger Innenstadt waren Performances und Installationen zu sehen. Da das ebenfalls durch das Kulturamt der Stadt Erlangen organisierte internationale figuren.theater.festival in diesem Mai lediglich online stattfinden konnte, wurden zahlreiche Projekte zum Poetenfest nachgeholt. Die Zusammenführung der beiden Festivals führte zu überraschenden Begegnungen. So konnte trotz der Infektionsschutzmaßnahmen ein Wochenende lang Festivalatmosphäre entstehen.

Die Moderatorinnen und Moderatoren des 41. Erlanger Poetenfests waren Verena Auffermann, Maike Albath, Martina Boette-Sonner, Michael Braun, Nana Brink, Herbert Heinzelmann, Anne-Dore Krohn, Dirk Kruse, Andrea Kuhn, Adrian La Salvia, Hajo Steinert, Lars von Törne, Florian Felix Weyh und Cornelia Zetzsche.

Das 41. Erlanger Poetenfest hat ein weiteres Mal beweisen können, dass seine Qualität nicht nur in der unvergleichlichen Atmosphäre der langen Lesenachmittage im idyllischen Schlossgarten liegt, sondern dass die Texte, die Gäste und die Themen stark und wichtig genug sind, auch in weniger ereignishaften Formaten die Menschen zu interessieren und zu begeistern. Natürlich hofft das veranstaltende Kulturamt der Stadt Erlangen darauf, im nächsten Jahr wieder zu seinen populären Formaten zurückkehren zu können. Aber das Poetenfest wird womöglich nicht das gleiche sein wie zuvor. Soviel zeichnete sich in diesem Jahr besonders deutlich ab: die Literaturlandschaft spiegelt verstärkt die gesellschaftlichen Realitäten wider und ist daher diverser denn je zuvor. Natürlich wird das auch das Erlanger Poetenfest verändern.

Das 42. Erlanger Poetenfest wird vom 25. bis 28. August 2022 stattfinden.

Hauptsponsor des 41. Erlanger Poetenfests: Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach. Medienpartner: Erlanger Nachrichten und Bayern 2. Das Erlanger Poetenfest wird aus Mitteln der Literaturförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst unterstützt.

Veranstalter
Stadt Erlangen – Kulturamt
Abteilung Festivals und Programme
Gebbertstraße 1, 91052 Erlangen – Deutschland
Tel. +49 (0)9131 86-1408
E-Mail: info@poetenfest-erlangen.de
Website: www.poetenfest-erlangen.de

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