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Agenda 2030 in bayerischen Bibliotheken: "Bibliothek der Dinge" – wie setzt man das praktisch um? Ein Erfahrungsbericht aus Ebern

Für die Zielgruppe "Familien und Kinder" wurden bisher 61 Gegenstände gekauft, fotografiert, katalogisiert und eingearbeitet.

Wand zur "Bibliothek der Dinge" in Ebern / © Helmut Will

Wand zur "Bibliothek der Dinge" in Ebern / © Helmut Will

 © United Nations - www.un.org/sustainabledevelopment

© United Nations - www.un.org/sustainabledevelopment

Die Stadtbücherei Ebern hatte sich im Februar 2021 für eine Förderung durch die kommunale Baunach-Allianz e.V. mit dem Projekt „Bibliothek der Dinge“ beworben. Die Förderung wurde Anfang März genehmigt. Durch das Regionalbudget vom Amt für Ländliche Entwicklung konnten die Gesamtkosten von 2.800 € mit 1.874,74 € gefördert werden. Ende September 2021 wurde das neue Angebot öffentlich vorgestellt.

Vorbereitung

Zwecks Planung des Projektes wurde Kontakt mit anderen Bibliotheken in Deutschland, die Gegenstände verleihen, aufgenommen (z.B. Würzburg, Wermelskirchen, Güstrow, Kempten). Inspiriert durch die anderen Büchereien und Brainstormings im Team entstand eine lange Liste mit möglichen Gegenständen. Elektrisches Werkzeug wurde – nach Rücksprache mit dem Bauhofleiter- nicht in die Liste aufgenommen, da die sichere Funktionsfähigkeit in der Bibliothek nicht geprüft und gewährleistet werden kann. Das Haftungsrisiko wäre hier für die Kommune zu groß. Außerdem hat im ländlichen Raum rund um Ebern vermutlich jeder Haushalt genug eigenes Werkzeug.

Nachdem die Haupt-Zielgruppe der Stadtbücherei Ebern Familien sind, wurden viele Dinge für Kinder angeschafft. Insgesamt wurden bisher 61 Gegenstände gekauft, fotografiert, katalogisiert und für den Verleih eingearbeitet.

Bestellt wurde auf Rechnung beim ortsansässigen Buchhandel, mytoys, Betzold Schulbedarf und Amazon. Bis Ende Juni mussten alle benötigten Dinge in Auftrag gegeben sein.

Das Büchereiteam hatte sich zwecks Präsentation für eine Wand (4 x 2 m) mit Magnettapete und schwarzer Tafelfarbe entschieden, die mit Tafelkreide im Comic-Stil gestaltet wurde. Fotos der Gegenstände sollten an der Wand als Vertreter präsentiert werden.

Außerdem wurde beschlossen, dass die Gegenstände im Keller gelagert werden.

Für die Vertreter und den Online-Katalog mussten alle Gegenstände fotografiert werden. Da die Stadtbücherei Ebern viel mit Farben arbeitet, legten die Mitarbeitenden Farben für die einzelnen Themenkreise fest.

Gliederung und Beschriftung

Das Büchereiteam gliederte die Gegenstände in folgende Bereiche: Technik, Outdoor, Gesundheit, Lernen, Für Kinder und Party.

Die Vertreter wurden mit den entsprechenden farbigen Rahmen versehen. Auf der Rückseite der Vertreter steht: Inhalt, Preis, die Mediennummer, Ding-Nr. und weitere Hinweise wie z.B. „xx Batterien werden benötigt“ oder „nicht spülmaschinengeeignet“. Von jedem Vertreter wurde auch eine Kopie mit dem Button „entliehen“ angefertigt, damit für die Kunden erkennbar ist, dass es den Gegenstand in der Bücherei gibt und sie ihn vorbestellen können.

Die Dinge sind mit genauer Beschreibung und Fotos im Findus-Onlinekatalog unter Stadtbücherei Ebern, Mediensuche (findus-internet-opac.de) zu finden und es wurde extra eine eigene Kategorie „Gegenstände“ im Online-Katalog neu angelegt.

Nutzungsregelung

Wenn ein Büchereikunde einen Gegenstand ausleihen möchte, bringt er den Vertreter an die Ausleihtheke und unterschreibt eine Extra-Benutzungsordnung für die Dinge, die die Bücherei von der Haftung befreit und Schadensersatz bei Beschädigung regelt. Eine Kopie der Nutzungsordnung wird dem Kunden mitgegeben.

Die ausgefüllte und unterschriebene Benutzungsordnung für die "Bibliothek der Dinge" wird in der Bücherei aufbewahrt. Zusätzlich wird im Leserkonto ein Hinweis erfasst, so dass der Kunde nur einmal für die Ausleihe von Gegenständen unterschreiben muss.

Die Entleihung der Gegenstände ist in der Stadtbücherei Ebern nur für Personen ab 18 Jahren möglich. Hierfür wurde im Katalog für alle Gegenstände das Feld FSK 18 genutzt. Die Leihfrist beträgt 14 Tage mit der Möglichkeit einer Verlängerung.

Verpackung

Die ausleihfertige Verpackung war zum Teil eine Herausforderung. Wo stabile Kartons als Umverpackung vorhanden waren, wurden diese foliiert und im Kartondeckel die Inhaltsangabe eingeklebt. Bei sperrigen Gegenständen, die wasserfest sind, wurden im ortsansässigen Stoffladen maßgefertigte Stofftaschen genäht, die kochbar sind. Für regenempfindliche Dinge wie Handpuppen z.B. schaffte das Bibliotheksteam robuste Plastik-Tragetaschen mit Schulterriemen an.

Damit die Kunden auch wissen, was zu dem entliehen Gegenstand dazugehört und wieder zurückgegeben werden muss, sind Papierstreifen mit Foto, Inhaltsbeschreibung, Pflegehinweisen, Gegenstandsnummer und Barcode laminiert und mit Kabelbindern an den Taschen befestigt.

Die Wand als zentrales Element

Für die Gestaltung der Wand hatte die Bibliotheksleiterin Andrea Bols vom Baumhaus-Verlag die Erlaubnis, einen Greg-Aufsteller aus dem Buchhandel zu vergrößern und als Wallprint für die Wand der Bibliothek der Dinge zu nutzen.

Geplant ist, dass die Wand als „Verleih-Pinnwand“ genutzt werden soll. Es sollen also auch ortsansässige Firmen ihr Verleihangebot präsentieren können. Ebenso können Vereine Gegenstände zum Verleih anbieten.

Die Bürger sollen also letztlich mit einen Blick auf die Wand sehen können: Was kann ich wo in der Nähe ausleihen?

Weitere Informationen:

Bibliothek der Dinge (OeBiB)

Rubrik Agenda 2030 (OeBiB)

Biblio2030

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