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Burgkirchner Erzählcafé: 30 Jahre Mauerfall 1989 bis 2019

Das bewährte Erzählcafé-Team mit Bibliotheksleiter Thomas Geigenberger konnte in der zweistündigen Abendveranstaltung Mitte Oktober viele aufschlussreiche Informationen wie auch persönliche Schicksale in Erfahrung bringen.

Erzählcafé Organisationsteam / © Gemeindebibliothek Burgkirchen

Das erfolgreiche Organisationsteam des "Burgkirchner Erzählcafés" nach der "30 Jahre Mauerfall"-Veranstaltung (v. l.): Bibliotheksleiter Thomas Geigenberger, "Erzählcafé"-Moderator Franz Eckl, Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich, Presse-Mitarbeiterin Rosi Spielhofer und Wolfgang Böhm von der Sudetendeutschen Landsmannschaft / © Gemeindebibliothek Burgkirchen

Angesichts der 30-jährigen Wiederkehr des Falls der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze im November 1989 thematisierte die Gemeindebibliothek im Rahmen des „Burgkirchner Erzählcafés“ dieses epochale Ereignis. Der „Berliner Mauerfall“ vor 30 Jahren hatte auch Auswirkungen auf die Industriegemeinde Burgkirchen im südöstlichen Oberbayern: viele Neubürger*innen von ‚drüben‘ siedelten sich in der 10 000-Einwohner-Ortschaft an; jahrzehntelang voneinander getrennte Familien fanden wieder zusammen. Das bewährte "Erzählcafé"-Team mit Bibliotheksleiter Thomas Geigenberger, Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich, Wolfgang Böhm von der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Moderator Franz Eckl von den Ehemaligen des Werkes Gendorf konnten in der zweistündigen Abendveranstaltung Mitte Oktober viele aufschlussreiche Informationen wie auch persönliche Schicksale in Erfahrung bringen.

Besonders interessant waren die Eindrücke diesseits und jenseits der deutsch-deutschen Grenze im Vergleich. Diskussionswürdig waren u.a. die Aussagen ehemaliger DDR-Bewohner*innen über ihre damaligen Zukunftsängste mit dem plötzlichen Ende des zwar ungerechten, aber vertrauten Systems – teils zu Recht, denn viele Ostdeutsche verloren mit der neugewonnenen Freiheit ihre sicher geglaubten Arbeitsstellen. Aber auch Schilderungen ehemaliger Westdeutscher über Gängelung und Drangsalierungen an den deutsch-deutschen Grenzen kamen zur Sprache. Mitunter flossen Tränen bei den Erfahrungsberichten, einerseits von den DDR-Bürger*innen wegen der Schikanen, die sie im täglichen Leben erdulden mussten, andererseits bei den Westdeutschen, die sich bei den seltenen Familienbesuchen im Osten mit einem menschenverachtenden Regime konfrontiert sahen. Dennoch gab es immer wieder humorvolle Anekdoten – so etwa bei den Erzählungen über kleine Schmuggeleien oder den Versuchen, die strengen DDR-Besuchsauflagen trickreich zu umgehen.

Am Ende der Veranstaltung informierte der Hobby-Künstler Karl Hofschaller zusammen mit dem Ausstellungs-Beauftragten Wolfgang Landsberger über ein geplantes Kunst- und Informationsprojekt, welches u.a. einen symbolischen Mauerdurchbruch mittels aufgestapelter Holzpaletten vor dem Burgkirchner Bürgerzentrum beinhalten wird. Die dazugehörige umfangreiche Plakat-Ausstellung vom Münchner Institut für Zeitgeschichte soll anschließend noch in der Gemeindebibliothek zu sehen sein.

Das „Erzählcafé“ ist eine beliebte Veranstaltungsreihe der Burgkirchner Bibliothek in Kooperation mit örtlichen Seniorenverbänden, bei der Zeitzeugen ihre Erlebnisse und Erfahrungen von erinnerungswürdigen Begebenheiten früherer Jahrzehnte miteinander austauschen. Die seit über fünf Jahren existierende Veranstaltungsreihe wird etwa alle 4 Monate in der gemütlichen Atmosphäre des Bücherei-Lesecafés abgehalten und jeweils von ca. 40 Besucher*innen pro Treffen frequentiert. Neben allgemeinen Themen wie „Schulgeschichten“ oder „Weihnachten feiern in früheren Zeiten“ kommen auch ortsspezifische Aspekte wie „Migrantenschicksale einst und jetzt“ oder „Feiern in Burgkirchen“ zur Sprache.

 

Homepage der Gemeindebibliothek Burgkirchen

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