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Die Lyrikerin Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020

Der Georg-Büchner-Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland und wird am 31.10.2020 in Darmstadt verliehen.

Georg-Büchner-Preisträgerin Elke Erb / © gezett

Georg-Büchner-Preisträgerin Elke Erb / © gezett

Vielleicht ist das 30. Jahr der Deutschen Einheit mit ein Anlass, der erfolgreichen Lyrikerin der ehemaligen DDR, Elke Erb, den Georg-Büchner-Preis zu verleihen. Aber sicher nicht der einzige.

„Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt ... Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchst lebendige Erkenntnisform“, so lautet die Begründung der Jury.

Geboren wurde Elke Erb 1938 in Scherbach (Eifel). Ihr Vater, der Literaturhistoriker Ewald Erb, holte seine Familie 1949 in die DDR nach, wo er bereits seit 1947 an der Hallenser Universität tätig war, zunächst wuchsen die Kinder zwei Jahre in einem Heim auf.  
Nach der Oberschule in Halle studierte Elke Erb dort von 1959 bis 1963 Germanistik, Slawistik und Pädagogik. Es folgte das Lehrerexamen, von 1963 bis 1965 arbeitete sie als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag. Seit 1966 ist die Schriftstellerin freiberuflich tätig und veröffentlicht Kurzprosa, Lyrik, prozessuale Texte, Übersetzungen (vorwiegend aus dem Russischen), Nachdichtungen, Herausgaben etc.
Anfang der 80er Jahre nahm sie Kontakt zur unabhängigen Friedensbewegung auf. Ihre Arbeit an einer Anthologie „inoffizieller Literatur“ und ihr Eintreten für Bürgerrechtler hatten die Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst zur Folge. Unmittelbar nach 1989 wurde Elke Erb zu einer Kritikerin der Wendezeit.

Elke Erbs erste Buchveröffentlichungen waren „Gutachten, Poesie und Prosa“ (1975) und „Der Faden der Geduld“ (1978).
In dem 1988 mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichneten Band "Kastanienallee" (erschienen 1987) entwickelte Erb ein für die deutsche Gegenwartsdichtung völlig neues Verfahren der Selbstkommentierung. Bei dieser Methode des prozessualen Schreibens, die als ihr Markenzeichen gilt, versah sie jedes Gedicht mit einem Kommentar, der wiederum als poetischer Text angelegt war.

Zu ihrem experimentellen literarischen Ansatz sagte Elke Erb 1978 in einem Gespräch mit Christa Wolf: „Ich bin außerhalb der Form. Und das ist eine Chance und ein Risiko. Die Menschheit geht mit mir ein Risiko ein, ich diene als Risiko.“

Nach der Wiedervereinigung veröffentlichte Elke Erb 1991 den Prosatext „Winkelzüge oder Nicht vermutete, aufschlussreiche Verhältnisse“, 1995 politische, autobiographische und poetologische Reflexionen in dem Band „Der wilde Forst, der tiefe Wald. Auskünfte in Prosa“ sowie zahlreiche Gedichtbände.

Die Lyrikerin Erb hat, vor allem seit den 90er Jahren, zahlreiche Auszeichnungen erhalten, z.B. 2011 den Preis der Literaturhäuser und im gleichen Jahr den Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung sowie 2019 das Bundesverdienstkreuz.

Die 82-jährige Autorin mit der bemerkenswerten innerdeutschen Biografie hat ihren Stoff regelrecht erlebt. Sie schöpft aus dem großen Fundus ihrer Tagebücher. Ihr schriftstellerisches Werk beeinflusste mehrere Generationen von Dichter*innen in Ost und West. Sie wird heute vor allem von den 30-, 40-, auch 50-Jährigen intensiv gelesen.

Mit Elke Erb hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt  seit 1951 die elfte Frau für die renommierte Auszeichnung ausgewählt. Erb folgt als Büchnerpreisträgerin dem Schweizer Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss.

Georg-Büchner-Preis:
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis seit 1951 an herausragende Schriftsteller*innen. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichung wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt finanziert und gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.
Vergeben wird der Georg-Büchner-Preis an Schriftsteller*innen, die in deutscher Sprache schreiben und die „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“ sowie „an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“.

Die Verleihung ist für den 31. Oktober 2020 in Darmstadt geplant.

Weitere Informationen zum Georg-Büchner-Preis und bisherige Preisträger

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