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Eine der ganz großen Kinder- und Jugendbuchautorinnen, Gudrun Pausewang, ist tot

Im Alter von 91 Jahren verstarb die bekannte Kinder-und Jugendbuchautorin Gudrun Pausewang am 23. Januar 2020 in der Nähe von Bamberg. Dr. Anuschka Albertz, Verlegerin von Ravensburger, dem Hausverlag von Gudrun Pausewang, bezeichnete sie als „…eine der größten Autorinnen für Kinder und Jugendliche, einen Freigeist und eine Abenteurerin. Ihre von Überzeugung und Engagement geprägten Bücher haben viele aufgerüttelt und zum Nachdenken motiviert.“

Gudrun Pausewang / © Ravensburger Verlag; Anna Meuer

Gudrun Pausewang / © Ravensburger Verlag; Anna Meuer

Gudrun Pausewang hat zeitlebens daran geglaubt, etwas in der Gesellschaft verändern zu können. Sie setzte sich unermüdlich dafür ein, Kinder und Jugendliche zum Mitdenken anzuregen und zur Zivilcourage zu ermutigen. Aus ihrem Engagement für politische Aufklärung, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz entstanden ihre wichtigsten Werke. Für das Anti-Atomkraft-Buch „Die Wolke“ erhielt sie 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ihre Bücher sind bis heute viel gelesene Werke und haben an Aktualität nicht verloren.

Seit 1958 hat Gudrun Pausewang ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Überzeugungen in über 100 Büchern für Erwachsene, Jugendliche und Kinder verarbeitet. Ein weiteres wichtiges Thema war auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Dritten Reich. Ihre Werke wurden in 25 Sprachen übersetzt. Neben ihren engagierten Jugendbüchern umfasst ihr Lebenswerk auch Kinderbücher, wie die wunderbar widerspenstigen, fantasievollen Geschichten vom Räuber Grapsch.

Auszeichnungen

Ein besonderer Moment für Gudrun Pausewang war 2017 die Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Lebenswerk im Rahmen des Deutschen Jugendliteraturpreises. Es war die letzte große Würdigung für eine Frau, die ihr ganzes Leben für ihre Überzeugung einstand.

Neben dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 erhielt sie in früheren Jahren zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den Buxtehuder Bullen für „Die Not der Familie Caldera“ (1977), den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Die Wolke“ (1988) und den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für „Die letzten Kinder von Schewenborn“ (1984). 1999 erhielt Gudrun Pausewang das Bundesverdienstkreuz. Für ihr Lebenswerk erhielt die Autorin 2009 den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. in Volkach.

Vita

Gudrun Pausewang wurde 1928 als ältestes von sechs Geschwistern in Wichstadtl (Ostböhmen) geboren. 1943 fiel ihr Vater in Russland, die Mutter floh nach Kriegsende allein mit den sechs Kindern in den Westen. Nach dem Studium war Gudrun Pausewang fünf Jahre lang in Deutschland als Lehrerin tätig, bevor sie 1956 für sieben Jahre nach Chile und Venezuela in den Auslandsschuldienst wechselte. In diesem Zeitraum bereiste sie Süd- und Nordamerika. 1963 kehrte sie nach Deutschland zurück und unterrichtete für vier Jahre in Mainz-Kastel. Ein fünfjähriger Aufenthalt in Kolumbien schloss sich an, bevor sie sich, zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, endgültig wieder in Deutschland niederließ. Bis 1989 lehrte sie an einer hessischen Grundschule. Im Ruhestand beendete sie ihr Germanistikstudium und promovierte 1998 an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Bis zuletzt bewahrte sie sich ihren wachen Blick auf die Welt.

Ihre wichtigsten Werke

Die Wolke (Junge Erwachsene)
Die letzten Kinder von Schewenborn (ab 12 Jahren)
Das Tor zum Garten der Zambranos (ab 12 Jahren)
Das große Buch vom Räuber Grapsch
So war es, als ich klein war (ab 10 Jahren)
Die Not der Familie Caldera (ab 12 Jahren)
Auf einem langen Weg (ab 11 Jahren)
Noch lange danach (Junge Erwachsene)
Der einhändige Briefträger (Junge Erwachsene)

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