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Medientipp: „Zeitungsreise”

Nürnberger Nachrichten als Spiegel der Zeit

Zeitungsreise / © Verlag Nürnberger Presse

Zeitungsreise / © Verlag Nürnberger Presse

Nachdem die Nationalsozialisten alle Zeitungen gleichgeschaltet hatten, erschien nach dem Ende der NS-Diktatur und nur wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges am 11. Oktober 1945 die erste Ausgabe der „Nürnberger Nachrichten“. Der Verleger Joseph E. Drexel, selbst Verfolgter der Nazidiktatur und Überlebender des Konzentrationslagers, hatte von der amerikanischen Militärregierung eine der ersten Lizenzen für den Druck einer Zeitung erhalten. Eine freie Presse, die die Mächtigen kontrolliert, statt ihnen bedingungslos zu huldigen, sollte den Aufbau der Demokratie stärken.

Das 75-jährige Jubiläum hat der Verlag Nürnberger Presse, in dem neben den „Nürnberger Nachrichten“ mit seinen zahlreichen Regionalausgaben mit der „Nürnberger Zeitung“ auch die zweite Nürnberger Tageszeitung erscheint, zum Anlass genommen, einen Prachtband herauszugeben, der nicht nur die verlegerischen und journalistischen Leistungen angemessen würdigt, sondern auch ein hochinteressantes Stück Zeitgeschichte dokumentiert.

Der großformatige Band berichtet in chronologischer Reihenfolge über jedes der vergangenen 75 Jahre:  Vorangestellt wird jeweils eine Einordnung der wichtigsten Entwicklungen in diesem Jahr, die dann auch mit Hilfe von drei im Original nachgedruckten Titelseiten von ausgewählten Zeitungsausgaben des betreffenden Jahres  authentisch dokumentiert werden. Dominieren dort die aus Sicht der damaligen Redaktion brisanten Inhalte, werden in der Einführung auch ausgewählte Daten von markanten Ereignissen in der Region Nürnberg, in Deutschland und der Welt aufgelistet.

So kann der zum Zeitungsjubiläum erschienene Band auch selbst Auskunft geben, welche Jubiläen in der nächsten Zeit anstehen:
Ereignisse, die sich etwa 2021 zum 25., 50., oder 75. Mal jähren, verraten die ausgewählten Titelblätter aus den Jahren 1946, 1971 oder 1996.
Die Titelseiten von 1946 beherrschten etwa die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse und deren Urteile, ebenso die Bayerische Verfassung.
1948 waren es beispielsweise die Währungsreform mit der Einführung der D-Mark, die inzwischen ja auch schon wieder Geschichte ist, die Wahl des ersten Bayerischen Landtags oder der Literatur-Nobelpreis für Herrmann Hesse.

So manche werden sich an die beliebten Chronik-Bände erinnert fühlen, nicht nur vom beachtlichen Gewicht und dem großen Format (fast DIN A3) her. Beides ist nicht wirklich von Vorteil für die Ausleihe. Aber ähnlich wie diese wird der Band, ordentlich in der Bibliothek präsentiert, viele Besucher*innen zum Blättern verführen - wenn sie sich dort wieder aufhalten und wohlfühlen dürfen.

Sehr zu empfehlen für alle Bibliotheken im Verbreitungsgebiet der „Nürnberger Nachrichten“ und ihrer regionalen Ableger, also vor allem in Mittelfranken und Teilen Oberfrankens - auch und erst recht, wenn sie ihren Lesern keine Tageszeitung anbieten können.

Zu beziehen ist die Zeitungsreise u.a. über den Bücherdienst des Bibliotheksverband Mittel- und Oberfranken e. V. und den Zeitungsshop der Nürnberger Nachrichten.
 

Zeitungsreise
: 1945-2020 : 75 Jahre Nürnberger Nachrichten / mit Texten von Hans-Peter Kastenhuber & Hartmut Voigt. - Nürnberg : Verlag Nürnberger Presse, 2019. - 320 ungezählte Seiten : Illustrationen ; 41 cm
ISBN 978-3-931683-47-4   Festeinband : EUR 44,90

 

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