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Mit fairem Kaffee und fairen Produkten in der Bibliothek weltweite Verantwortung übernehmen

Egal ob selbstständig oder als Einrichtung einer Fair-Trade-Town können Bibliotheken nachhaltige Getränke u.a. anbieten.

© Gemeindebücherei Gröbenzell

© Gemeindebücherei Gröbenzell

© Gemeinde Neubiberg

© Gemeinde Neubiberg

© Gemeindebibliothek Ismaning

© Gemeindebibliothek Ismaning

© United Nations - www.un.org/sustainabledevelopment

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Fair-Trade-Town

Es gibt viele Möglichkeiten zur Agenda 2030 beizutragen. Ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist es, im eigenen Lesecafé Fairtrade-Kaffee und andere faire Produkte anzubieten. Besonders naheliegend ist dies, wenn sich die Kommune selbst als Fairtrade-Stadt oder -Kommune ausweist und die Bibliothek sich in ihren Angeboten daran ausrichtet. Der Weg zur Fairtrade-Town ist ein Prozess, der von Bürger*innen angestoßen werden kann. Bewerben können sich u.a. Städte, Gemeinden, Landkreise. Fünf Kriterien müssen dafür erfüllt werden.
Empfehlenswert ist es, sich aktive Partner ins Boot zu holen. Der Titel wird für zwei Jahre vergeben und kann danach verlängert werden. Mittlerweile gibt es knapp 800 Fairtrade-Towns in Deutschland.

Bibliotheken in Fairtrade-Towns

Waren, die das Fairtrade-Siegel tragen, entsprechen strengen Vorgaben im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich. Mit dem Vertrieb fair gehandelter Produkte wird somit gesellschaftliche Verantwortung übernommen und Engagement für Nachhaltigkeit und weltweiten Frieden gezeigt. Das Beispiel Kaffee – der häufig auch in Bibliotheken angeboten wird - macht dies anschaulich. Nach den USA ist Deutschland der zweitgrößte Importeur von Kaffee. Jede*r, die/der Kaffee konsumiert, kann also Einfluss auf die Arbeits- und Lebensumstände vieler Menschen nehmen, so informiert die Gemeinde Ismaning auf ihrer Website.
Die Gemeinde Ismaning ist seit Juli 2021 offiziell als Fairtrade-Gemeinde in Deutschland ausgezeichnet. Das hat natürlich die Bibliothek dazu veranlasst, einen Großteil der angebotenen Produkte im Automaten des Lesecafés auf Fairtrade umzustellen.
Neben der zertifizierten Kaffeebohne als Basis für Espresso, Cappuccino und Latte macchiato hat das Bibliotheksteam verschiedene fair hergestellte Schwarz- und Früchteteesorten ins Angebot aufgenommen.
Ziel der Kampagne Fairtrade-Town ist es, den nachhaltigen Handel auf kommunaler Ebene voranzubringen und Personen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu vernetzen. So ist es nur konsequent, dass in Ismaning jeden ersten Donnerstag im Monat der Eine-Welt-Handel einen Verkaufsstand vor dem Haupteingang der Bibliothek aufstellt.

Im September 2021 wurde in der Gemeinde Burgkirchen a.d. Alz der bestehende Status der fairen Kommune erneuert. Als kooperierende Einrichtung bietet die Bibliothek die Möglichkeit der Selbstbedienung mit heißen Fairtrade-Getränken (Kaffee, Tee) an.

Die Stadt Feuchtwangen befindet sich gerade im Bewerbungsprozess. Dort wurden in der Vergangenheit manchmal bei Veranstaltungen oder Aktionen Kaffee und andere Produkte von der GEPA angeboten, wobei örtlichen Gruppen den Bezug organisiert haben. Der Kaffee im Lesecafé ist grundsätzlich fair gehandelt und kommt aus dem örtlichen Bioladen.

Im April 2021 wurde bestätigt, dass Gröbenzell Fairtrade-Gemeinde bleibt. Die dortige Bibliothek arbeitet nach einem umfassenden Konzept einer Grünen Bibliothek und bietet natürlich auch die entsprechenden Produkte an. Dies sieht im einzelnen so aus: statt Tassimo-Kapseln, die viel umweltunfreundliches Verpackungsmaterial produzieren, werden ganze Bohnen in Bio- und Fair-Trade-Qualität sowohl für Mitarbeitende als auch für das öffentliche Lesecafé gekauft. Statt kleine, einzeln verpackte Kaffeesahnen zu kaufen, wird Milch in der Literverpackung bzw. Kaffeesahne im Glas besorgt.
Für das nachhaltige Konzept insgesamt bekam Gröbenzell den Sonderpreis des Bayerischen Bibliothekspreises 2021.

Eine weitere Bibliothek in einer Fairtrade-Kommune ist die Gemeindebibliothek Karlstein. Dort werden fair gehandelter Kaffee und Tee angeboten. Die Produkte können im ganz normalen Einzelhandel erworben werden. Der Zucker stammt aus dem einheimischen Zuckerrübenanbau. Auch fair gehandelter Orangen-Saft wurde bereits im örtlichen Eine-Welt-Laden für Veranstaltungen gekauft.

Seit 2012 bereits ist Neubiberg zertifizierte Fairtrade-Gemeinde. Unter dem Motto "bio-fair-regional" hat diese sich vorgenommen, die Ziele des fairen Handels kontinuierlich voranzubringen.
Es gibt auch eine Fairtrade- Beauftragte, die sich um alle damit zusammenhängenden Fragen kümmert. In dieses Gesamtkonzept eingebettet ist die Initiative der Gemeindebibliothek in Neubiberg. Ende Mai wurde dort das neue Lesecafé eröffnet, in dem man gemütlich schmökern oder Zeitungen lesen und nebenbei eine Tasse Fairtrade-Kaffee trinken kann. Zum besonderen Anlass gab es sogar eine Tasse umsonst und die Fairtrade-Beauftragte hat kleine Schokoladentäfelchen (Naps) besorgt. Darüber hinaus sind auch der Kakao und der angebotene Tee fairtrade zertifiziert.

Würzburg hat bereits als 64. Stadt den Status Fairtrade-Town erhalten. Dort werden die Warmgetränke und der Automat von der Firma Karl bereitgestellt und es besteht eine Produktklausel, d.h. Bindung an deren Produkte. Der Kaffee und Espresso sind bio bzw. fairtrade. Kakao und Milchpulver sollen in absehbarer Zeit umgestellt werden, diesbezüglich wird gerade ein Angebot eingeholt. Intern trinkt das Team der Stadtbücherei Kaffee aus Tansania, der im 1. Weltladen gekauft wird.

Die Fachstelle für katholische Büchereiarbeit KBF in Würzburg hat in der Austauschbücherei einen  Kaffee-Automaten aufgestellt und bezieht den Fairtrade-Kaffee über WÜPAKA - Würzburger Partnerkaffee (www.wuepaka.de). Der Preis richtet sich nach der Abnahmemenge.

Nahe bei Würzburg ist die kleine Gemeinde Rottendorf (5 600 Einwohner) Fairtrade-Kommune. Die Bücherei im Wasserschloss Rottendorf kauft den Kaffee einerseits im Weltladen, andererseits werden - um regionale Nachhaltigkeit zu gewährleisten - Anbieter vor Ort berücksichtigt.

Ein Blick über die Grenze ins Nachbarland Baden-Württemberg zeigt, dass in der Fairtrade-Stadt Sigmaringen die Bibliothek ebenfalls involviert ist. Im Zuge der Zertifizierung wurde der Kaffeeausschank in allen städtischen Einrichtungen umgestellt. Die Bibliothek least den Kaffeeautomaten bei der Firma Gerhardt (Jakob Gerhardt Automatische Verkaufsanlagen GmbH, Nürtingen) und bezieht dort auch das Verbrauchsmaterial. Mindestanforderung war das Angebot von fairem Kaffee. Das Team hat zeitgleich auf Fairtrade-Kakao umgestellt. Es war vom Träger gewünscht, dass auch dieses etwas teurerere Getränk angeboten wird. Zusätzlich gibt es Tee-Beutel und Zucker. Diese Produkte werden im örtlichen Eine-Welt-Laden, einem gut sortierten Supermarkt oder online über GEPA erworben. Dort werden ebenso Schokoladentäfelchen, die das Team an Weihnachten und Ostern an die Kund*innen verteilt, bezogen. Eine weitere Bezugsquelle ist www.memo.de.
Wenn man sich für Fairtrade-Produkte entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass dies natürlich höhere Kosten generiert, so die dortige Erfahrung. Die Bibliothek in Sigmaringen sieht sich diesbezüglich in einer Vorbildfunktion. Die Preise für die Kund*innen wurden bisher nicht angehoben.

Eigene Initiativen

Sollte sich Ihre Bibliothek in einer Stadt ohne Fairtrade-Auszeichnung befinden, so können Sie sich natürlich trotzdem engagieren. Denn der Weg zum Ziel kann auch andersherum laufen: das Bibliotheksteam bietet proaktiv nachhaltige Produkte an und schafft ein Bewusstsein in der Bevölkerung. So kann die Bibliothek Anstoß dazu geben, dass sich jemand engagiert und den Bewerbungsprozess zur Fairtrade-Kommune initiiert.
In diesem Sinne bezieht das Team der Gemeindebücherei Grasbrunn die Zutaten für den Kaffeevollautomaten zum einen beim Fairhandelshaus Bayern und zum zweiten bei der GEPA direkt für all jene Produkte, die in Bayern nicht angeboten werden. Das Zauberwort heißt "Außer-Haus-Verkauf". Unter diesem Begriff bekommt man alles für den Automaten. Bei der GEPA gibt es zudem Kakao, der mit „Vending“ (Verkauf von Waren aus einem Automaten) firmiert. Außerdem unterstützen die Mitarbeitenden den Eine-Welt-Laden, der – wie der Name schon sagt - seinen Erlös in die Arbeit von Projekten in der „Einen Welt“ steckt. Insgesamt sind die Erfahrungen der Bibliothek mit den fairen Produkten gut.
Weitere Informationen zum Engagement der Gemeindebücherei sind im Web-Opac und in einem Agenda 2030- Jahresbericht zu finden.
Grasbrunn ist zwar keine Fairtrade-Gemeinde, dennoch koordiniert eine Mitarbeiterin in der Verwaltung Themen rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Die Gemeindebibliothek Krailling bietet unabhängig von der Kommune GEPA- und somit Fairtrade-Kaffee an. Dies ist ein erster Schritt und das Nachhaltigkeitskonzept soll weiter ausgebaut werden. Das Angebot ist noch ganz frisch, weil eine neue Maschine angeschafft werden musste. Der Kaffee wird direkt von der Lieferfirma bezogen, die für die Bibliothek auf den "normalen" Preis 10% Rabatt gewährt.

Ebenso wird in Mühldorf am Inn aus eigener Initiative der Automat mit fairem Kaffee befüllt. Früher wurde dieser über eine Amnesty-Gruppe bezogen, jetzt im örtlichen Weltladen. Hinzukommen schöne und haltbare Büchereitaschen aus Bio-Baumwolle. Die neue "Auflage" wird sogar mit Recycling-Anteil hergestellt sein.


Sicher gibt es noch zahlreiche Beispiele mit nachhaltigen Aktivitäten von Bibliotheken, egal ob selbstständig oder gemeinsam mit der Stadt organisiert.
Bibliotheken, die faire Waren anbieten, tragen maßgeblich zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen bei. Als Multiplikatoren leisten sie einen wichtigen Beitrag vor Ort und machen sich für den Frieden weltweit stark. Packen Sie es an und übernehmen Sie Verantwortung für die Zukunft!

Weitere Informationen:

www.fairtrade-towns.de
www.fairtrade-deutschland.de
Fairtrade-Town (PDF, Flyer)
Fairtrade und die SDGs
Fairhandelshaus Bayern

Alle Best Practice Beispiele finden Sie gesammelt in der Kategorie „Agenda 2030 / Bibliotheken in Bayern“

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