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Schönian, Valerie: Halleluja

Franziskus und Feminismus

Halleluja / © Piper

Halleluja / © Piper

Die Berliner Journalistin Valerie Schönian lässt sich auf ein besonderes Experiment ein: Sie, die junge, linke Feministin, die sich gar nicht sicher ist, ob Gott überhaupt existiert, lernt ein Jahr lang den Alltag des katholischen Priesters Franziskus von Boeselager kennen. Zwei Wochen pro Monat zieht sie von Berlin-Mitte in das westfälische Dorf Münster-Roxel, direkt neben Pfarrhaus und Kirche, und tauscht sich dabei rege mit ihm aus.
Von alltäglichen Fragen wie: Wie oft betet ein Priester am Tag? Wie sieht sein typischer Tagesablauf aus? Und gucken Geistliche eigentlich auch Netflix? bis hin zu typischen Streitpunkten wie der Stellung der Frau in der katholischen Kirche, der Verheiratung von Geschiedenen oder Homosexuellen, dem Zölibat und warum Gott so viel Leid und Unglück zulassen kann, reicht das Themenspektrum.
Dabei prallen moderne liberale, feministische Ansichten und konservativer Katholizismus häufig aufeinander, was zu heftigen Diskussionen und Unverständnis auf beiden Seiten führt. Aber es kommt auch regelmäßig zu Aha-Momenten, bei denen vorher strittige Meinungen plötzlich doch ganz einleuchtend erscheinen.

Valerie begleitet Franziskus zu Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, zur Krankenkommunion, zum Weltjugendtag, zu Gottesdiensten an Weihnachten und Ostern und zur täglichen Andacht in seine private Kapelle. Dabei kommt sie der katholischen Kirche und ihren Gläubigen sehr nahe.
Die gegenseitige Wertschätzung und der Wille, miteinander klarzukommen, überwinden schließlich die Glaubens-Gräben und es entsteht eine aufrichtige Freundschaft zwischen Priester und Journalistin.

Ein wichtiges, berührendes Buch für Gläubige und Atheisten, Katholiken und Protestanten, Christen und Moslems und alle, die bereit sind, über ihren eigenen Tellerrand zu blicken.
Denn die zentrale Aussage ist: Ganz egal, was man selbst glaubt oder nicht glaubt oder wie verrückt einem die Ansichten des jeweils Anderen vorkommen mögen - das Wichtigste ist, sich gegenseitig zuzuhören, zu respektieren, abweichende Meinungen zu tolerieren und Verständnis füreinander zu entwickeln. In der heutigen Zeit vielleicht bedeutsamer als je zuvor …

Am Ende tut es dem Leser fast leid, Valerie und Franziskus zu verlassen, und man hofft, dass die entstandene Freundschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen Menschen dauerhaft bestehen bleibt.
 

 

Schönian, Valerie:
Halleluja : wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen / Valerie Schönian. - Orig.-Ausg. - München : Piper, 2018. - 367 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-492-06099-8   kt. : EUR 16,00

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