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Stadtbibliothek Erlangen: Befragungsprojekt mit der HdM Stuttgart

Ziel des Projektes war es, die Wünsche der Erlangener an ihre Bibliothek, deren Interessen sowie Meinungen zum Service zu erfahren.

Befragung einer Passantin im Erlanger Schlossgarten / © Stadtbibliothek Erlangen

Befragung einer Passantin im Erlanger Schlossgarten / © Stadtbibliothek Erlangen

Es ist eine Win-Win-Situation, wenn sich Bibliotheken und Hochschulen für gemeinsame Projekte zusammenfinden. Die Bibliothek erhält eine wissenschaftliche Analyse, die Studierenden können sich in der Praxis erproben. So geschehen in Erlangen. Unter der Leitung von Prof. Sebastian Mundt führten Studierende der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) eine Befragung für die Erlanger Stadtbibliothek durch.

Ausgangslage

Ansatzpunkt war die Prämisse, dass die Bibliothek Lebensbegleiterin für die Menschen vor Ort sein soll. Vorangegangen war, ebenfalls im Jahr 2018, eine Bürgerbefragung: Die Erlanger Stadtbibliothek aus Sicht der Bevölkerung 2018 (PDF). Diese sollte ergänzt und vertieft werden. Ziel des Projektteams war es, mehr Erkenntnisse über die Wünsche der Erlangener an ihre Bibliothek und deren Freizeitinteressen zu gewinnen sowie differenzierte Meinungen zum Service der Stadtbibliothek einzuholen.  
Außerdem sollten die Nichtnutzer*innen als Zielgruppe berücksichtigt werden. Diese werden bei Umfragen oft vernachlässigt, weil der Erhebungsaufwand zu groß ist.

Erhebungsdesign und Durchführung

Am 9. und 10. November 2018 stellten sich zwölf Studierende des Studiengangs Informationswissenschaften an der HDM mit Tablets an verschiedene Orte der Erlanger Innenstadt. Es gelang, 151 Menschen, darunter 65 Nichtnutzer*innen, zu gewinnen, die einen mobilen Fragebogen ausfüllten. Bei der Ansprache der Personen berücksichtigten die Studierenden die Kriterien Geschlecht, Altersgruppe und Migrationshintergrund, um eine möglichst ausgewogene demographische Verteilung der Rückmeldungen zu bekommen.
Ergänzend haben 487 Besucher*innen der Stadtbibliothek in einem fünfmonatigen Zeitraum den Fragebogen in Papierform ausgefüllt.
Die Gesamtheit der ausgewerteten Fragebögen betrug somit 638.

Kulturelle Freizeitbeschäftigungen

Das Lesen von gedruckten Büchern liegt bei allen Altersgruppen auf Platz 1 der „kulturellen“ Freizeitbeschäftigungen. Kulturveranstaltungen werden im Schnitt monatlich oder selten besucht. „Filme im Internet anschauen“, „Gesellschaftsspiele spielen“, „Gaming“ und „Malen/Basteln/Musizieren“: All das gehört eher zum Alltag der jüngeren und mittleren Generation. „Aktiv das Internet mitgestalten“, etwa eine Website oder ein Blog pflegen: Das machen sowohl junge als auch ältere Menschen ausgesprochen selten.

Was bewegt die  Nichtnutzer*innen der Bibliothek?

Die Top-3-Gründe für die Nichtnutzung der Bibliothek sind:

  1. Ich nutze Medien (Literatur, Musik, Filme usw.) vor allem über das Internet.
  2. Ich kaufe Medien lieber selbst oder leihe sie von anderen.
  3. Die Bibliothek ist für mich schwierig zu erreichen. Als Hintergrundinfo: 35 Prozent der mobil Befragten waren Auswärtige.

Zu hohe Gebühren und nicht passende Öffnungszeiten spielen in Erlangen dagegen kaum eine Rolle bei der Entscheidung, die Bibliothek nicht zu nutzen.

Zusammenfassend hatten die Studierenden herausgefunden, dass die Gründe für die Nichtnutzung nicht vom Angebot und der Zugänglichkeit der Stadtbibliothek Erlangen abhängig waren, sondern persönliche Interessen dafür maßgeblich sind. Menschen, die kaum lesen und sich nicht für das Kulturleben interessieren, besuchen in der Regel auch nicht die Bibliothek.

Eine mögliche Maßnahme, Nichtnutzer*innen für die Bibliothek zu interessieren, wäre ein attraktives Musik- und Film-Streaming-Angebot, jüngere Zielgruppen könnten mit dem Ausbau von Gaming zum Besuch animiert werden. Das Bibliotheksteam versucht hier zumindest Nischen zu besetzen, beispielsweise mit der Naxos Music Library für Klassikfans, ein Angebot, das im April 2020 neu eingeführt wurde.

Erwartungen an die Bibliothek und deren Nutzen

Die Befragten haben hohe Erwartungen an die Bibliothek, was die Zwecke „am Kulturleben teilnehmen“, „sinnvolle Beschäftigung für Kinder“, „Kreativ-Interessen verwirklichen“ sowie „Medienkompetenz erwerben“ angeht. Besonders hoch bewerten die Befragten den Nutzen der Bibliothek im Hinblick auf Freizeitgestaltung, Kinderbeschäftigung sowie individuelle Bildung. Die größte Diskrepanz zwischen Erwartung und Nutzen lässt sich beim Thema „Medienkompetenz erwerben“ feststellen. Daraus folgt: In der „Medienkompetenzförderung“ möchten wir unsere Expertise ausbauen, um mit vielfältigen und hochwertigen Angeboten stärkeren Nutzen zu stiften.

Serviceprofil: Stärken und Schwächen

Die besonderen Stärken sind der Standort der Bibliothek, die Kinderfreundlichkeit, die Qualität der Beratung, die Barrierefreiheit und das Medienangebot. Eher schwach – auch im Vergleich mit anderen Großstädten – wurden die Öffnungszeiten bewertet.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Die Ergebnisse der Umfrage sollen im Rahmen der Möglichkeiten für die zukünftige Ausrichtung der Bibliothek berücksichtigt werden.

Weitere Informationen:
Blog der Stadtbibliothek Erlangen (Marlene Neumann)
 

 

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