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Studie: Begegnung und Zusammenhalt - Wo und wie Zivilgesellschaft wirken kann

Wie spricht man Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Überzeugungen an Alltagsorten - also auch in Bibliotheken - an?

© BSB - H.-R. Schulz

© BSB - H.-R. Schulz

Kontext der Studie

In dieser Publikation wird untersucht, an welchen Alltagsorten sich Menschen mit verschiedenen Hintergründen, Werten und Überzeugungen begegnen und wie sie dort für zivilgesellschaftliche Ansprache zugänglich sind.

Zunächst haben die Verantwortlichen der Studie mit zahlreichen Akteuren, Institutionen und Einrichtungen gesprochen, die sich mit dem Thema Begegnung befassen, um mehr über deren Selbstverständnis zu erfahren. Diese Gespräche waren die Basis für eine Befragung von über 2 000 Personen, die in die Studie „Begegnung und Zusammenhalt: Wo und wie Zivilgesellschaft wirken kann“, eingeflossen ist. Die qualitativen Fokusgruppen im Januar 2021 und die quantitative Online-Panel-Erhebung im März 2021 wurde in Zusammenarbeit mit dem renommierten Meinungsforschungsinstitut KANTAR durchgeführt. Das Projekt wird durch die Stiftung Mercator gefördert.
 
Das Projektteam wollte besser verstehen, wie es gelingen kann, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen einzubinden – und nicht nur ohnehin für Begegnung und Ansprache offene Menschen.

Einige Ergebnisse

Es müsse Begegnung derart gelingen, dass gesellschaftliche Trennlinien überwunden werden – unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Perspektiven auf Gesellschaft sollten zusammengebracht werden,  das war eine zentrale Erkenntnis.

Folgende gesellschaftliche Typen haben sich herauskristallisiert: die Offenen, die Involvierten, die Etablierten, die Pragmatischen, die Enttäuschten und die Wütenden.

Besonderes Augenmerk liege auf dem identifizierten unsichtbaren Drittel (die Pragmatischen und Enttäuschten), das in der Regel schlechter für gesellschaftspolitische Arbeit erreichbar sei und sich neuen Dingen und anderen Menschen gegenüber eher reserviert verhalte. Möchte man diese Menschen in Kontakt mit anderen bringen, mache es Sinn, eine Rahmensituation mit Gemeinsamkeiten zu schaffen, zum Beispiel über Hobbies oder beliebte Gesprächsthemen.

Es wird empfohlen, sich auf Orte zu konzentrieren, die bestimmte Bedingungen erfüllen:

  • Zunächst sei es wichtig, dass die Orte nicht neue „Blasen“ erzeugten, so dass Menschen mit unterschiedlicher Wertebasis tatsächlich denselben und nicht nur den gleichen Ort besuchen. Gerade solche Orte seien spannend, bei denen Selektionskriterien eine geringere Rolle spielen, die wirklich typübergreifend genutzt werden
  • Darüber hinaus seien vor allem diejenigen Orte vielversprechend, an denen Menschen Zeit haben und an denen sie entspannt sind
  • Auch geringe (finanzielle) Hürden für den Besuch eines bestimmten Ortes sowie dessen Zugänglichkeit und Lebensnähe seien wichtig

Neben dem Wo sei es von zentraler Bedeutung, auch das Wie genauer zu betrachten. Viele Menschen würden von Formaten, die den Austausch mit anderen Meinungen zum Gegenstand haben und Lust auf Neues wecken, angesprochen. Für andere Menschen gelte jedoch genau das Gegenteil.
Es gebe auch Menschen, die kommunikativ nicht erreicht werden oder kein Interesse an Begegnung haben. Für gesellschaftliche Verständigung und Abbau von Vorurteilen sei es dennoch wichtig, auch deren Perspektiven sichtbar zu machen bzw. ihnen die Perspektiven anderer Menschen näher zu bringen, etwa über (soziale) Medien.

Bei der Planung von zivilgesellschaftlichen Angeboten sei es daher zentral, sich zu überlegen, wen man erreichen möchte, sich gegebenenfalls von eigenen Vorstellungen und Interessen zu lösen und gezielt vorzugehen.

Für Bibliotheken gibt es laut Ergebnissen der Studie durchaus noch Entwicklungsbedarf. Dies zeigen die unterschiedlichen Prozentsätze, wie oft verschiedene Orte mindestens einmal im Monat besucht werden, auf:

Bibliotheken 11%, Garten und Baumärkte 49%, Cafés und Konditoreien 54%, Einkaufszentren 64% und Supermärkte 88%.

Das Forschungsteam freut sich, mit den Daten Hilfestellung und Anstoß zu geben und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie Betreibern von Alltagsorten Hinweise zu liefern, wo, wie und mit welchen neuen Formaten Kontaktaufnahme und Begegnung gelingen und die eigene „Filterblase“ überwunden werden kann.

Inhaltsverzeichnis

1.    Einleitung: Warum Begegnung? Und warum gerade jetzt?
2.    Bestandsaufnahme: Wie gut gelingt gesellschaftlicher Austausch?
3.    Das Potenzial von Alltagsorten für gesellschaftliche Begegnung
4.    Offenheit der gesellschaftlichen Typen für Begegnung
5.    Gesprächspräferenzen und Diskussionsfreude in der Bevölkerung
6.    Was sich Menschen von Formaten wünschen
7.    Ansätze, um Gemeinsamkeiten stärker zu betonen
8.    Fazit und Empfehlungen


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