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Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021

Der Stiftungsrat hat die engagierte Autorin und Filmemacherin aus Simbabwe ausgewählt.

Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga ist Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021 / © Mateusz Żaboklicki (via Börsenverein des Dt. Buchhandels)

Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga ist Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021 / © Mateusz Żaboklicki (via Börsenverein des Dt. Buchhandels)

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Die Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe verbindet in ihrem künstlerischen Werk ein einzigartiges Erzählen mit einem universellen Blick und ist deshalb nicht nur eine der wichtigsten Künstlerinnen ihres Landes, sondern auch eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur … Ihre Botschaften richten sich erfolgreich an ein breites Publikum sowohl in Simbabwe als auch in den Nachbarländern. Begleitet wird ihr künstlerisches Schaffen von dem jahrelangen Engagement, die Kultur in ihrem Land zu fördern – und diese insbesondere für Frauen zu öffnen.
Gleichzeitig kämpft sie für Freiheitsrechte und politische Veränderungen in Simbabwe ...“

Tsitsi Dangarembga wurde am 14. Februar 1959 in Mutoko im damaligen Rhodesien (heute Simbabwe) geboren und gehört zu den wichtigsten Schriftsteller*innen, Dramatiker*innen und Filmemacher*innen ihres Landes. An der University of Zimbabwe studierte sie in den 1980er Jahren Psychologie und schrieb ihre ersten Theaterstücke. 1988 erschien ihr Debüt-Roman „Nervous Conditions“ als erster Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie. 2006 wurde der zweite Teil, „The Book of Not“ veröffentlicht, 2018 folgte „This Mournable Body“. Die drei international erfolgreichen Bücher erzählen vom Aufwachsen und Leben einer nach Selbstbestimmung strebenden Frau in Simbabwe. Dabei zeigt sie soziale und moralische Konflikte auf, die weit über den regionalen Bezug hinausgehen. Sie spricht  globale Gerechtigkeitsfragen an und veranschaulicht die komplexen Unterdrückungsmechanismen von Gender, Kolonialismus und Rassismus.
„Nervous Conditions“ (dt. „Aufbrechen“, 2019) wurde 1989 mit dem Commonwealth Writers’ Prize ausgezeichnet und 2018 von der BBC in die Liste der 100 wichtigsten Bücher aufgenommen, die die Welt geprägt haben.

„This Mournable Body“ (erscheint im September 2021 unter dem Titel „Überleben“ auf Deutsch) wurde 2020 auf die Shortlist des Booker Prize gesetzt.

In den 1990er Jahren wandte sich Tsitsi Dangarembga dem Medium Film zu. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin studierte sie von 1989 bis 1996 Filmregie. 1992 gründete sie die Filmproduktionsfirma Nyerai Films in Harare (Hauptstadt Simbabwes), die sie bis heute leitet. Außerdem schreibt sie Drehbücher und führt Regie bei Spiel- und Dokumentarfilmen.
In ihren Filmen thematisiert sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen.

Im Jahr 2000 kehrte sie endgültig in ihre Heimat Simbabwe zurück. Als Initiatorin des African Women Filmmakers Hub und Gründungsdirektorin des Institute of Creative Arts for Progress in Africa stärkt sie die nachhaltige Kreativwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent und fördert insbesondere Frauen.

Tsitsi Dangarembga engagiert sich seit vielen Jahren als Aktivistin für feministische Anliegen und politische Veränderung in Simbabwe. Nachdem sie im Juli 2020 zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demonstration aufrief, wurde sie für kurze Zeit inhaftiert und auf Bewährung wieder freigelassen. 2021 erhielt sie den PEN Pinter Prize sowie den PEN International Award for Freedom of Expression, mit dem Autor*innen ausgezeichnet werden, die trotz Verfolgung ihr Schreiben fortführen.

Die Preisträgerin freut sich über die Auszeichung: „Der Friedenspreis ist eine große Ehre für mich. Mich beeindruckt es sehr, dass der Deutsche Buchhandel so einen Preis hat, das gefällt mir. Es zeigt, dass [dieser] sich sehr der Wirkung bewusst ist, die das Schreiben und Geschichtenerzählen auf die Gesellschaft und ihre Transformation ausüben. Gleichzeitig wirft es eine Perspektive auf mein Land und die Welt, was Anerkennung verdient … Ohne die deutsche Erfahrung wäre ich nicht die Person und Künstlerin geworden, die ich heute bin. Die transformative Kraft ist ein Teil der deutschen DNA …“

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 verliehen. Er ist mit 25.000 Euro dotiert, das Preisgeld wird von den Verlegern und Buchhändlern aufgebracht. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat ausgewählt, der sich aus drei Mitgliedern aus dem Börsenvereinsvorstand sowie sechs hinzugewählten Mitgliedern zusammensetzt. Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins und zugleich Vorsitzende des Stiftungsrats, hatte die Entscheidung bekannt gegeben.

2020 war der indische Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden.

Wegen der Corona-Pandemie konnte er nicht nach Frankfurt reisen. 2021 soll die Verleihung des Friedenspreises am Sonntag, 24. Oktober 2021, unter den zu diesem Zeitpunkt geltenden Gesundheitsbestimmungen in der Frankfurter Paulskirche stattfinden und wird live um 11 Uhr im ZDF übertragen.

Weitere Informationen zur Preisträgerin mit Biblio- und Filmografie

Interview mit Tsitsi Dangarembga

 

 

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