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Vorlesestudie 2020 vorgestellt - erstmalig Eltern im Fokus, die ihren Kindern selten oder nie vorlesen

49 Prozent der Eltern sagen, dass ihnen Vorlesen keinen Spaß macht. Die Vorlesestudie 2020 eruiert die Gründe.

© Stiftung Lesen

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Selbst in Zeiten der Pandemie kann in der Familie unkompliziert vorgelesen werden. Vielleicht steht deshalb diese Zielgruppe im  Fokus?

Schon im Frühjahr war die Beschäftigung mit Kindern zu Hause ein wichtiges Thema, im Winter werden Eltern wieder gefordert sein, sich Freizeitbeschäftigungen für Kinder in den eigenen vier Wänden einfallen zu lassen. Vorlesen ist da an erster Stelle zu nennen.

Warum lesen so viele Eltern ihren Kindern selten oder nie vor?

Die Zeit fehlt
Die Hälfte der Eltern gibt an, dass es im Haushalt anderes zu tun gibt und sie zu müde zum Vorlesen sind, es mangelt an Zeit und dem Willen, es zu tun. Außerdem denken 48 Prozent der befragten Eltern, dass ihren Kindern in anderen Einrichtungen wie der Kita schon genug vorgelesen wird.

„Vorlesen ist für viele der Befragten eine zusätzliche Belastung in ihrem Alltag. Dabei lässt es sich mit anderen Freizeitaktivitäten wie etwa Basteln gut verbinden, das wollen wir noch mehr zeigen. Schon fünf Minuten Vorlesen sind besser als nichts“, hält Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe dagegen. Geeignet seien Selbstmachideen in Kindermagazinen, vor allem Vorschläge und Ideen, die Vorleseanreize mit Bastelmaterialien kombinieren.

Kein Vorlesestoff
Auch mangelt es in vielen Haushalten an Vorlesestoff. 68 Prozent der befragten Haushalte geben an, dass ihre Kinder maximal zehn Bücher besitzen, 57 Prozent der befragten Eltern fänden es gut, wenn ihre Kinder regelmäßig Bücher geschenkt bekämen.

 „Vorlesestoff sollte im Alltag überall verfügbar sein – attraktiv, unkompliziert, niedrigschwellig und in möglichst vielen Sprachen. Das erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern häufiger vorlesen“, so Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn AG und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung.

Besonders gut geeignet seien frei zugängliche Geschichten, Buchgeschenke, aber auch Vorlesegeschichten zum Mitnehmen in Kitas, Arztpraxen, Apotheken und ähnlichen Orten.
Fast die Hälfte der befragten Eltern würde es zudem begrüßen, wenn man Bücher und Geschichten kostenlos in einer App lesen oder vorlesen könnte.

► Hier wäre zu ergänzen: In der Bibliothek finden Eltern mit ihren Kindern immer wieder neuen Vorlesestoff zu unterschiedlichen Themen. Eine abwechslungsreiche und attraktive Auswahl oder die Möglichkeit, sich bekannte Bücher öfter auszuleihen, sind die beste Voraussetzung für das Vorlesen (zu Hause). Zudem werden durch die inspirierende Atmosphäre und die Vielfalt der Medien Spaß am Vorlesen geweckt.

Auch fänden es lt. Studie 2020 57% der Eltern mit einer anderen Muttersprache gut, „wenn in Büchereien und Buchhandlungen immer auch Bücher und Filme in ihrer Muttersprache vorhanden wären“.

Wenig Spaß und keine Übung
49 Prozent der Eltern sagen, dass es ihnen keinen Spaß macht und sie deswegen wenig vorlesen. Dies ist eine alarmierende Botschaft.

Immerhin aber erklären 50 Prozent der Eltern, die selten oder nie vorlesen: „Ich würde gerne mehr vorlesen, aber irgendwie wird da nichts draus.“
In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Vorstellungen zu betrachten, die Eltern mit Vorlesen verbinden: Die Eltern glauben, schauspielern und ihre Kinder zum geduldigen Zuhören anhalten zu müssen. 44 Prozent der befragten Eltern sagen, dass ihr Kind zu unruhig sei, 31 Prozent geben an, dass ihr Kind selbst gar nicht vorgelesen bekommen möchte.
Zum letzten Punkt: Die Vorlesestudie 2016 hat gezeigt, dass 91 Prozent der Kinder in Deutschland es lieben, wenn ihnen vorgelesen wird und sie sich wünschen, dass dies noch viel öfter geschieht.

Überholte Vorstellungen vom Vorlesen gilt es zu korrigieren. Eltern sollen vermittelt bekommen, dass Vorlesen sowohl ihnen wie auch den Kindern Spaß macht.

Dazu sagt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen: „Die Hälfte [der Eltern] hat in der eigenen Kindheit zu Hause keine Vorleseerfahrungen gemacht. Es fehlt das Vertrauen, dass Vorlesen jederzeit und überall ohne Übung möglich ist. Das wollen, das müssen wir ändern ...“

Die Vorlesestudie 2020, die seit 2007 jährlich veröffentlicht wird, wurde am 28.10.2020 in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt. Sie ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 20. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.
Die Präsentation war von einer Diskussion begleitet, wie Vorlesen denjenigen Familien nahegebracht werden kann, in denen es bislang nicht oder nur wenig stattfindet.

Das Untersuchungs-Design: 2020 hat iconkids & youth München im Mai und Juni 528 Eltern von Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahren (358 Mütter, 170 Väter), die maximal einmal pro Woche vorlesen, persönlich-mündlich befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Gruppe der selten und nie vorlesenden Eltern bundesweit.

Weitere Informationen und Anmeldung zum Bundesweiten Vorlesetag:
www.vorlesetag.de

Pressemitteilung und Download der Vorlese-Studie 2020 (Stiftung Lesen)

 

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