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Wieder eine Überraschung - Der Literaturnobelpreis 2021 geht an Abdulrazak Gurnah

"für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus" und der Situation von Flüchtlingen ...

Afterlives, der neueste Titel des Literaturnobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah / © Bloomsbury

Afterlives, der neueste Titel des Literaturnobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah / © Bloomsbury

Am Donnerstag, 7.10.2021 um 13 Uhr öffnete sich in der Schwedischen Akademie in Stockholm die weiße Flügeltür, wie jedes Jahr. Der mit Spannung erwartete Ständige Sekretär Mats Malm trat vor das Mikrofon und gab den Nobelpreisträger für Literatur 2021 bekannt.

Keiner der hoch gehandelten Kandidaten ist es geworden, weder Annie Ernaux, noch Haruki Murakami oder Margaret Atwood - die Favoriten der Wettanbieter sind leer ausgegangen. Das hatte man sich fast schon gedacht, dass die Wahl wieder zu einer Überraschung wird. Selbst der Preisträger selbst hielt die Auszeichnung für einen "Streich".

Abdulrazak Gurnah hat das Rennen gemacht. Der Literaturnobelpreis wird ihm verliehen "für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals" von Flüchtlingen im Zwiespalt von "Kulturen und Kontinenten", so die Begründung der Jury. Seine Themen würden um Menschen kreisen, die eine Balance zwischen ihrer alten und neuen Existenz finden müssen und mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Dies veranlasse sie entweder zu Resignation oder motiviere dazu, die eigene Lebensgeschichte neu zu bewerten.

Ähnlich wie im letzten Jahr Louise Glück ist der in Großbritannien lebende Preisträger in Deutschland eher unbekannt. Derzeit sind auf Deutsch keine Titel des tansanischen Autors lieferbar. Auf Deutsch sind von Gurnah fünf Titel erschienen: "Das verlorene Paradies" (1986 - gilt als sein bekanntester Roman), "Donnernde Stille" (2000), "Ferne Gestade" (2002), "Schwarz auf weiß" (2004), "Die Abtrünnigen" (2006). Außerdem hat der Autor Kurzgeschichten publiziert.
In seinem neuesten Roman "Afterlives" (2020, engl.) behandelt er u.a. die deutsche Kolonialvergangenheit in Ostafrika.

Abdulrazak Gurnah startete mit 21 Jahren seine schriftstellerische Laufbahn und verfasst seine Bücher auf Englisch, auch wenn Suaheli seine Muttersprache ist. Gurnah wurde 1948 im britischen Protektorat Sansibar im Indischen Ozean geboren. Nachdem er in Sansibar nach der Unabhängigkeit zur verfolgten muslimisch-arabischen Minderheit zählte, kam Gurnah 1968 als Flüchtling nach England. Diese biografische Erfahrung dürfte ihn geprägt haben, so dass die Themen Flucht und Vertreibung für ihn zentral geworden sind. Abdulrazak Gurnah unterrichtete seit 1985 bis zu seinem Ruhestand an der University of Kent in Canterbury Englisch und postkoloniale Literaturen. Er wurde zweimalig für den renommierten Booker-Prize nominiert.

Der Nobelpreis für Literatur, seit 1901 vergeben, gilt als wichtigste literarische Auszeichnung weltweit und ist in diesem Jahr wieder mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980 000 Euro) dotiert. Die Auszeichnung erstreckt sich auf das gesamte Schaffen eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin, soll nach Alfred Nobels Wunsch an ein "in idealer Weise herausragendes Werk" vergeben werden. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.

Offizielle Website zum Nobelpreis für Literatur

Biografie – Wikipedia

Abdulrazak Gurnah - 3 Bücher bei Perlentaucher

Alle Nobelpreisträger bis 2020

Literaturnobelpreis 2020 an Louise Glück (OeBiB)

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