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    Nachrichten aus Bibliotheken

    14.05.13

    Verbrannt, aber nicht vergessen – oder doch?

    BM Peter Stichler, Martha Maucher,
    Angelika Waltinger, Rolf Ebert,
    Sarah Braunreuter, Gunter Schunk,
    Peter Schäbler

    Feuersprüche: Rolf Ebert beim Vor-
    tragen mit Musikbegleitung von
    Peter Schäbler
    (Fotos Matthias Ernst)

    Am 10. Mai 1933 fand in vielen deutschen Universitätsstädten die von den Nationalsozialisten initiierte Bücherverbrennung statt. Es wurden die Bücher von 131 Autoren öffentlich verbrannt, so auch auf dem Residenzplatz in Würzburg. Aus diesem Anlass veranstaltete die Höchberger Gemeindebibliothek einen Gedenkabend mit Werken der damals verbotenen Künstler.

    In seinen Grußworten würdigte Bürgermeister Peter Stichler die Gedemütigten und erkor die Veranstaltung zu einem deutlichen Zeichen für Demokratie und Toleranz. Gut 100 Menschen waren gekommen, sei es aus Neugier, sei es aus Verantwortungsbewusstsein, sei es aus Wissen. Bibliotheksleiterin Martha Maucher hatte eine reiche und abwechslungsreiche Auswahl an Autoren getroffen.

    Auszüge aus ihren Werken, vorgetragen von Angelika Waltinger, Sarah Braunreuter, Rolf Ebert und Gunter Schunk, wechselten sich mit Lebensläufen, historischen Begebenheiten und musikalischer Untermalung durch die Gitarrenmusik von Peter Schäbler ab. So wirkten Wort und Musik in der Bibliothek und ließen eine außergewöhnliche Stimmung entstehen. Sie schwankte zwischen tiefer Trauer und Betroffenheit bis hin zu fröhlichem Lachen.

    Dies zeigte auch die Vielfalt der Literatur, die von den Nationalsozialisten als undeutsch verdammt worden war. Mit den ersten Feuersprüchen des nationaldeutschen Studentenbundes: ich übergebe den Flammen die Werke von... zog echtes Gänsehautgefühl im Dachgeschoss der Bibliothek ein. Mit dazu trug sicher auch die Vortragsweise von Gunter Schunk und Rolf Ebert bei, die von leiser Gitarrenmusik begleitet wurde.

    Gelesen wurden Werke von Erich Kästner, der als einziger bei der Verbrennung am heutigen Bebelplatz in Berlin persönlich anwesend war und auch danach in Deutschland blieb, von Heinrich Walfisch, der in einem französischen Internierungslager inhaftiert war und dort das autobiografische Werk „wir haben in Gurs Theater gespielt“ verfasste und von Kurt Tucholsky, der im schwedischen Exil an der Trennung zur Heimat zerbrach. Auf dem Programm standen auch Bertolt Brecht, der seine bekanntesten Werke im Exil schrieb, Oskar Maria Graf, eigentlich nicht auf der Vernichtungsliste stehend, aber durch seine öffentlichen Bekenntnisse zu Pazifismus und Frieden zu der zweifelhaften Ehre einer Sonderverbrennung seiner Werke kam, Mascha Kaléko, heute als wichtigste Lyrikerin des 20. Jahrhunderts verehrt und Hans Sahl, der nach der Rückkehr aus dem Exil in Deutschland nie mehr Fuß fassen konnte. Leonhard Frank, jedem Würzburger eigentlich ein Begriff, Heinrich Vogeler, der nach Russland floh und nach dem Einmarsch der deutschen Armee in Russland nach Kasachstan zwangsumgesiedelt wurde, wo er 1942 verstarb, Stefan Zweig, der in seiner Exilheimat Brasilien Selbstmord aus Depressivität verübte, und Franz Werfel, der trotz aller Niedergeschlagenheit fröhliche und Mut machende Gedichte verfasste, rückten ebenfalls in den Focus. 

    Damit wurde nur ein kleiner Teil der verbotenen Schriftsteller abgedeckt, doch Martha Maucher empfand diesen Gedenktag auch als einen Grund der Freude, denn durch die Veranstaltungen werden die Werke der vergessenen oder noch bekannten Künstler wieder neu entdeckt. Sie seien auch heute noch hochaktuell und gehören zu Deutschland einfach dazu. Mit einem Gedicht von Mascha Kaléko und dem enthaltenen Schlusssatz „ich freue mich, dass ich mich freue“ gab es noch ein versöhnliches Ende dieser Gedenkveranstaltung gegen das Vergessen.

    Flyer zur Veranstaltung

    Bibliothek:Bibliothek Markt Höchberg
    Anschrift:Martin-Wilhelm-Str. 2
    97204 Höchberg
    Tel.:09 31 / 40 90 65
    E-Mail:bibliothek@hoechberg.de
    Ansprechpartner:Martha Maucher
    E-Mail:martha.maucher@hoechberg.de
    Internet:Homepage der Marktbibliothek

     



    Von: Matthias Ernst, Main-Post v. 12.5.2013

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    Höchberg, Bibliothek Markt

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