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    Nachrichten aus Bibliotheken

    10.05.16

    Unter Null - Die künstliche Kälte: eine szenische Lesung mit Live-Musik von Master Mint

    Flucht aus dem Spinnenkopf

    s.o.

    Biedermann und die Brandstifter

    s.o. samt Moderatorinnen

    Clockwork Orange

    s.o.

    Ensemble

    Fiasko - Vorbereitung der Resurrektion

    Fiasko - der Eingefrorene erwacht

    Another Brick in the Wall
    Fotos Stadtbibliothek Röthenbach

    Die diesjährige szenische Lesung der Stadtbibliothek Röthenbach beschäftigte sich mit den vielfältigen Aspekten einer „kalten“ Welt, wobei die Darsteller in die Rollen von literarischen Figuren schlüpften. Es ging dabei um die künstliche Kälte in Wissenschaft, Technik, Gesellschaft, Kultur und in den zwischenmenschlichen und familiären Beziehungen.

    Etwa drei Stunden lang führten die beiden Moderatorinnen Sarah Hopf und Simone Frank das Publikum informativ, charmant und unterhaltsam durch den Abend, wobei beide immer wieder einführend und kommentierend in die Handlung eingriffen oder die Akteure interviewten.

    Als Eingangsszene zum Schauspiel der verlorenen Seelen wählte Bibliotheksleiter Konrad Kopp Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Dabei handelt es sich um ein Stück, das uns vor Augen führt, wie Gutmütigkeit und Angst in Tod und Verderben münden können und wie brennbar die Welt doch ist.
    In „Flucht aus dem Spinnenkopf“ beschreibt George Saunders medizinische Experimente an Strafgefangenen. Diese haben das Ziel, Pillen zu entwickeln, die Gefühle erzeugen und somit eine emotionale Kontrollierbarkeit ermöglichen.
    In den Geschichten von Dirk Bernemann, erschienen unter dem Titel „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“, geht es zumeist um Menschen, die an allem zu verzweifeln scheinen. Zunächst zufällige Ereignisse werden dann zu einem oft erstaunlichen Ganzen zusammengeführt.

    Der zweite Teil der Veranstaltung wurde durch die szenische Darstellung des Songs über Bandenwesen „The Butcher and Fast Eddy“ von Rose Tattoo eingeleitet, dies war gleichzeitig auch die Überleitung zu Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange“. Dabei geht es um eine deprimierende Utopie einer entmenschlichten Gesellschaft, worin die Frage gestellt wird, ob der Mensch von Geburt an böse sein kann oder ob er erst entsprechend konditioniert wird.
    Der 1986 erschienene Roman „Fiasko“ von Stanislaw Lem spielt im zweiten Teil in einer futuristischen Welt etwa um 2115. Die in Physik, Raumfahrt und Medizin weit fortgeschrittene Menschheit ist nun in der Lage, vitrifizierte Menschen wieder zu erwecken. Dabei wird auch sehr anschaulich beschrieben, welche technischen, ethischen und moralischen Fragen und Probleme bei einer Resurrektion auftauchen können.

    Der abschließende Beitrag fragte danach, wie eine Welt aussehen könnte, in der die menschlichen Werte endgültig aufgegeben sind. Ninni Holmqvist beschreibt in „Die Entbehrlichen“ eine Gesellschaft, die ihre “produktivsten Mitglieder“, das sind alle Frauen unter 50 und alle Männer unter 60 Jahren, bevorzugt. Alle älteren Menschen, die keine Kinder haben, gelten als entbehrlich und müssen ihren Körper für psychologische Tests und Organentnahmen für die „Benötigten“ zur Verfügung stellen.

    Das Konzept und die Inszenierung dieser szenischen Lesung waren gekennzeichnet durch eine geschickte Komposition von Lesung, projizierten Bildern, Kostümen und vor allem durch die fulminant aufspielende sechsköpfige Live-Band „Master Mint“. Diese schlug mit thematisch ausgewählten Songs eine Brücke zwischen den einzelnen Stücken. Die teilweise mit vierstimmigem Gesang dargebotenen Songs wurden immer wieder mit tosendem Applaus bedacht und bezogen sich dabei direkt auf die entsprechenden Szenen wie etwa „Es brennt“ von Thees Uhlmann (Biedermann), „Psychobabble“ von Alan Parsons (Spinnenkopf) oder „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen (Clockwork Orange) und „Leben ist tödlich“, ebenfalls von den Toten Hosen (Fiasko). Der musikalische Höhepunkt war dann allerdings das Stück, das sich gegen alle wendet, die willkürliche Kontrolle über andere haben und dies auch ausnutzen: „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd. Begleitet vom Unterstufenchor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wurde der Song komplett, also alle drei Teile, präsentiert. Symbolhaft für Grausamkeit, Krieg, Vereinsamung und soziale Kälte steht das 1979 erschienene Doppelalbum „The Wall“ von Pink Floyd.

    Das von Bibliotheksleiter Konrad Kopp zusammengestellte 14-köpfige Team agierte sehr professionell und zeigte dabei großes persönliches Engagement und enorm viel Spielfreude. Es war ein gelungener Abend mit hochmotivierten Beteiligten.

    Bibliothek:Stadtbibliothek Röthenbach an der Pegnitz
    Anschrift:Geschwister-Scholl-Platz 1
    90552 Röthenbach an der Pegnitz
    Tel.:09 11 / 5 70 71 87
    Fax: 09 11 / 5 70 20 73
    E-Mail:bibliothek@roethenbach.org
    Ansprechpartner:Konrad Kopp
    Internet:Homepage der Stadtbibliothek


    Von: Konrad Kopp

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    Röthenbach an der Pegnitz, Stadtbibliothek

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