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    Nachrichten aus Bibliotheken

    09.08.16

    Bibliothek und Integration – ein geglücktes Konzept

    Flüchtlinge in Rödental, an der Theke: Gabriele Vogel

    Blick in die Heinrich-Schaumberger-Bibliothek Rödental

    Kinderbereich

    Blick in die Bibliothek
    (Fotos Gabriele Vogel)

    Gestaltung: Design- und Kommunikationsbüro Sägenvier/Österreichischer Bibliotheksverband

    Viele Gemeinden engagieren sich in unterschiedlicher Form für Flüchtlinge und Asylbewerber. Oft spielen auch Bibliotheken dabei eine wichtige Rolle.
    Einen ungewöhnlichen Weg bei der Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen hat die Stadt Rödental beschritten.  

    Dort besteht die besondere Situation, dass die Bibliotheksmitarbeiterin Gabriele Vogel zugleich auch als Diplom-Sozialpädagogin ausgebildet ist. Diese wurde anteilsmäßig von der Bibliotheksarbeit freigestellt. Nun steht sie für alle Arbeiten, die mit der Integration der Neubürger zusammenhängen, zur Verfügung. Zusätzlich zur personellen Unterstützung steht auch Raum bereit: die Stadtbücherei fungiert als offizielle Anlaufstelle für alle Asylbewerber und Flüchtlinge, die in Rödental ankommen. 

    Günstig für diese Zusatzaufgabe ist die Lage der Bibliothek. Sie befindet sich im Untergeschoss des Rathauses und verfügt über einen separaten Eingang. Die Büros des Ordnungsamtes, das auch für die Bücherei zuständig ist, liegen nur ein Stockwerk höher – diese räumliche Nähe ermöglicht bürokratiefreies Arbeiten. Zudem decken die Öffnungszeiten der Bibliothek in Kombination mit den Rathaus-Öffnungszeiten nahezu den gesamten Zeitraum von 7.30 – 18.00 Uhr ab, so dass immer eine feste Ansprechperson für Flüchtlinge und Helfer bereitsteht. 

    Schon Ende 2014 erkannte die Stadt Rödental, dass eine Koordinationsstelle die Integration der Neubürger erheblich erleichtern würde. Zu diesem Zeitpunkt war die Aufgabenstellung noch im Werden begriffen, ebenso konnte man sich noch nicht vorstellen, welches Ausmaß die Integration der Flüchtlinge annehmen würde. Ausgangsposition war, dass Erster Bürgermeister Steiner einen Runden Tisch zum Thema einberief. Hierfür fanden sich Vertreter der Rödentaler Vereine, Kirchen, Organisationen und interessierte Privatpersonen ein … der Grundstock für die erfolgreiche Integrationsarbeit der Stadt war gelegt.  

    Die Helfer der ersten Stunde stammen vom besagten Runden Tisch. Als diese mit ihren Anliegen in die Bücherei kamen, zeigten auch die anwesenden Leser für die Möglichkeit des Helfens Interesse.
    Häufig unterstützen die in Bibliotheken gut repräsentierten Individualisten, die nicht in Vereinen o.ä. aktiv sind, die Integration von Flüchtlingen. In der Bibliothek kann man diese Zielgruppe besonders gut ansprechen. Oft besteht sogar bereits im Vorfeld ein persönlicher Kontakt zur Integrationsbeauftragten. 

    Die Strategie des Landkreises Coburg war es von Anfang an, die Asylbewerber und Flüchtlinge (v.a. aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Äthiopien, Ehem. Russische Föderation, Mazedonien) dezentral unterzubringen. Dies bedeutet konkret, dass die meisten Familien oder Gruppen in separaten Wohnungen im Stadtzentrum verteilt wohnen. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass die Integration leichter gelingt. Als kleiner Nachteil stellt sich dar, dass die einzelnen Familien nicht gesamt, sondern jeweils einzeln angesprochen werden müssen.  

    Wie funktioniert das Miteinander von Integration und Bibliotheksalltag in der Praxis?
    In Rödental hat sich eine Art „Komm-Struktur" für die Asylbewerber entwickelt. Für verschiedene Belange - wenn etwa auf Briefe reagiert werden muss - ist die Bücherei erste Anlaufstelle.

    Flüchtlinge mit ihren Anliegen stehen gemeinsam mit den Lesern in einer Reihe. Vor allem schnell zu erledigende Anfragen beider Gruppen können direkt abgewickelt werden. Bereits beim Anstehen kommt es zu ersten Kontakten zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Neubürgern. Nicht selten ergibt sich sogar die direkte Lösung von Problemen, wenn beispielsweise der Wunsch nach einem Fahrrad von Lesern spontan mit „Ich hab‘ noch eines, das ich abgeben kann" erfüllt wird. Andererseits sind Flüchtlinge häufig ebenso schnell bereit, Hilfestellung zu geben, etwa beim Schieben von Rollstühlen.
    Dieses erste Aufeinander-Zugehen in Alltagsfragen ermöglicht bereits einen Perspektivenwechsel.

    Einige Bücher wurden speziell für Flüchtlinge angeschafft, deren dominierende Sprache arabisch ist. Dazu zählen in erster Linie Lehrbücher und Wörterbücher, teils mit CD zum Lernen der deutschen Sprache. Damit diese abgehört werden können, gab es einen Spendenaufruf: Mitbürger stifteten CD-Player und sprachlernwillige Familien dürfen die "Leih"-Geräte benutzen. 

    Sehr willkommen sind auch die Buchgeschenke für den Flohmarkt. Hier suchen sich die Ehrenamtlichen je nach Bedarf Bücher zur Sprachunterstützung für „ihre Familie" aus.

    Da die Flüchtlinge dezentral untergebracht sind, können diese die Bibliothek ganz "normal" benutzen wie andere Bürger auch. Vor allem einige Mütter haben sich bereits als Leser angemeldet und sich als zuverlässig erwiesen. Erfahrung ist, dass die Bücher auf alle Fälle wieder abgegeben werden, egal welche Phase des Asylverfahrens aktuell durchlaufen wird.  

    Die Kombination Bücherei und Integration, insbesondere die Schnittstelle im personellen und räumlichen Bereich, ist ein außerordentlicher Glücksfall. Wechselseitig ist mehr Toleranz und Verständnis zwischen Bürgern und Flüchtlingen / Asylbewerbern entstanden.

    Weitere Informationen:
    Interkulturelle Bibliotheksarbeit auf OeBiB.de

     

    Bibliothek:Stadtbücherei Rödental
    Anschrift:Bürgerplatz 1
    96472 Rödental
    Tel.:0 95 63 / 96 36
    Fax: 0 95 63 / 96 69
    E-Mail:buecherei@roedental.de
    Ansprechpartner:Gabriele Vogel
    Internet:Homepage der Stadtbücherei



    Von: Gabriele Vogel, Sabine Teigelkämper

    Mehr Bibliotheksnachrichten über:
    Rödental, Heinrich-Schaumberger-Bibliothek

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