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    Bibliotheksporträts

    Stadtbibliothek Erlangen 
    Ein Bürgerpalais für Bildung und Kultur

    Palais Stutterheim
    Lesebrücken
    Innenhof
    Jugendbibliothek
    Dachterrasse
    Romane
    Lesesaal
    Fotos: Klaus Dahm, Matthias Kluge,
    Stadtbibliothek Erlangen

    Größere Bilder in der Bildergalerie!

    Fünfmal änderte die städtische Bibliothek ihren Namen, fünfmal hat die Bücherei ihren Sitz und viermal ihren Träger gewechselt. 1841 entstand die erste öffentliche Bibliothek in Erlangen gestiftet von der „Loge Libanon zu den Drey Cedern“, einer Bayreuther Loge, die im Sinne der Aufklärung zur Bildung und zur Reifung von Geist und Gemüt beitragen wollte. Die 1872 gegründete Volksbibliothek war demgegenüber eine Anstalt, die die Bildung für die heranwachsende städtische Industriearbeiterschaft fördern wollte.
    100 Jahre später 1972 zieht die Stadtbücherei in das Palais Stutterheim, das nach der Generalsanierung der Stadtbibliothek Raum bietet für einen Bestand von nunmehr 160.000 Bänden.

    Die Stadtbibliothek Erlangen als zentrale Institution zur Medien- und Informationsversorgung steht allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung.
    Aus diesem Leitsatz heraus hat die Stadtbibliothek Ziele formuliert, von denen folgende von zentraler Bedeutung und wegweisend für die Gestaltung der verschiedenen Bereiche sind:

    • Das Lesen als eine wesentliche Kulturtechnik für Alle garantieren
    • Die Begegnung von Literatur und Kunst ermöglichen
    • Als Treffpunkt Raum für Kommunikation zu bieten
    • Ort der Sammlung, Ruhe und wohltuender Konzentration zu sein

    Die wechselvolle Geschichte des Palais mit den einbezogenen - ebenfalls denkmalgeschützten - Gebäuden der ehemaligen Post und Polizei zeigt sich bereits im Innenhof. Mit seiner transparenten Überdachung bildet er den zentralen Mittelpunkt des gesamten Komplexes. Lesebrücken ermöglichen den barrierefreien Zugang in alle Richtungen. Die in Stahl und Glas ausgeführten Lesebalkone erlauben nicht nur einen interessanten Blickwinkel auf die historische Innenfassade, sondern auch den Blick in die Vergangenheit: Eine transparente Montage gemahnt daran, dass in diesem Innenhof auch die Erlanger Juden vor ihrem Abtransport in die Konzentrationslager zusammengetrieben wurden.

    Über eine Wendeltreppe erreicht man die Gewölberäume des Untergeschosses, die das Kunstpalais, die ehemalige Städtische Galerie, nutzt. Dieser neue Ort für internationale zeitgenössische Kunst in Erlangen bietet mit dem Innenhof die Chance, Literatur und Kunst mit einander zu verbinden. Im Alltagsgeschehen vorrangig aber ist die Nutzung als Bibliothekscafé mit Tageszeitungen und Zeitschriften.

    Die Stadtbibliothek Erlangen setzt für die wichtigste Funktion der Bibliothek, den Ausleihbetrieb, die Verbuchung der Medien ein modernes Verbuchungssystem (RFID) ein. Jährlich werden an dieser Stelle 850.000 Medien im Jahr entliehen und auch wieder zurückgegeben. Der Besucher der Bibliothek kann sich entscheiden, ob er das Selbstverbuchungsterminal für seinen Ausleihvorgang nutzen will oder ob er das Personal am „Postschalter“ bemüht. Die Rückgabe der Medien erfolgt während der Öffnungszeiten traditionell an der Theke.

    Der hohe Rang der Leseförderung macht sich deutlich an der räumlichen Situation der Kinderbibliothek im Erdgeschoss direkt im Anschluss an den Innenhof. In Rot, verschiedenen Grüntönen und Gelb ist der halbrunde „Zirkus“ gehalten, der Zentrum und Thema der Kinderbücherei darstellt. Mit der eingerichteten Arena wurde ein Platz geschaffen für die Arbeit mit Gruppen, für Vorlesestunden und Lesungen. Jährlich besuchen 150 Kindergartengruppen und Schulklassen die Kinderbibliothek. Mit 250.000 Entleihungen ist die Kinder- und Jugendbibliothek eine der meistgenutzten Einrichtungen dieser Art in der Bundesrepublik.

    Aus der Erkenntnis, dass Jugendliche Bibliotheken stärker nutzen, wenn ihnen ein eigener Bereich gewidmet ist, ist die Jugendbibliothek im ersten Stock getrennt von den Kindern untergebracht. Von ihrem mit bunten Sitzsäcken und den in Terrakotta / Weiß gehaltenen Regalen ausgestatteten Raum haben die Jugendlichen auch direkten Zugang zu einer eigenen Dachterrasse.
    Ebenfalls im ersten Stock offeriert die Stadtbibliothek 60.000 Bücher aus allen Wissensgebieten vom Ratgeber bis zur Fachliteratur, thematisch nach Sachgruppen geordnet. Das Bildungsangebot wird ergänzt durch 15 Internetarbeitsplätze, an denen die Angebote des WorldWideWeb für selbstbestimmtes Lernen, zur Kommunikation oder zur Information genutzt werden können.

    Der zweite Stock enthält die Belletristik-Abteilung mit 25.000 Romanen und Erzählungen, den Medienbereich und die Musikbibliothek. Im barocken Palais sollte keine Pendelleuchte den Stuckdecken Konkurrenz machen, so die Intention der Architekten. Daher gibt es neben vereinzelten Lichtstelen nur indirektes Licht. Dieses ist auf und in den massiven Kastenregalen aus Eiche mit schwarzen Holzfachböden versteckt. Die daraus resultierende Höhe und Unflexibilität der Regale im gesamten ersten und zweiten Stock, die wegen der Menge der unterzubringenden Medien große Stückzahl und die daraus resultierende Aufstellung lassen leicht den Eindruck eines vorbildlich sortierten Bücherlagers aufkommen.

    Architektonisch ist der ehemalige Ratssaal ein Höhepunkt. Dieser erscheint nach der Renovierung in leuchtendem Weiß und beherbergt die Romane und die Sondergruppen der Schönen Literatur wie Krimis, Sciencefiction, Fantasy, Klassiker, Lyrik und Märchen. Hier ist ein Schwerpunkt auf gemütliche Anleseplätze gelegt worden, die einen entspannten Umgang mit Literatur ermöglichen. Wiederum ist die Regalaufstellung streng in Bezug zu den Raum- und Fensterachsen, was keine Schmökerecke zwischen den Regalen zulässt.
    Über 3.000 DVDs, Musik-CDs und Hörbücher aller Gattungen ebenso wie CD-ROMs zu allen Sachgebieten stehen hier für den Nutzer bereit. Mit 12.000 Bänden Notenliteratur für Musikausübende und andere Interessenten ist die Musikabteilung der Stadtbibliothek eine respektable Fundgrube. Die Werke des Erlanger Komponisten Werner Heider sind hier vollständig zu finden. So ergibt sich ein Spektrum, das von klassischer Musik bis zur U-Musik alles abdeckt. Neben den Musikalien wird hier auch die Musikliteratur (3.000 Bände) präsentiert.

    Der Lesesaal im zweiten Obergeschoss stand von jeher für Trauungen und festliche Veranstaltungen zur Verfügung und kann heute zusammen mit den beiden Foyerräumen angemietet und getrennt von der Bibliothek genutzt werden. Die barocken Farben des Treppenhauses wurden auf die Stuckdecke des Bürgersaals übertragen, wodurch zusammen mit dem Eichenboden eine harmonische Einheit entsteht.

    Ganz oben im Dach befinden sich die Verwaltungsräume, von denen aus das Geschehen in der Zentrale und des Bücherbusses, der die Schulen und Stadtteile mit Medien versorgt, dirigiert wird.

    Mit diesem, direkt am historischen Marktplatz gelegenen Gebäudekomplex, hat die Stadt Erlangen die Chance ergriffen, alt und neu, Kontemplation und Kommunikation, Stadtbibliothek und Kunstpalais zu verbinden. Die außerordentlich hohe Nutzung der Stadtbibliothek, die dem Bildungsniveau der Stadt zu verdanken ist, führte bereits in der Vergangenheit jährlich 300.000 Menschen in das Haus. Unter diesem Aspekt ist die Bibliothek auch städteplanerisch bedeutsam, zieht sie doch erhebliche Besucherströme an und belebt den nördlichen Teil der Innenstadt. 

    Barbara Delcker-Wirth

     

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