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    Bibliotheksporträts

    Stadtbücherei Höchstadt an der Aisch
    Aufstieg in höhere Sphären

    Logo Kulturfabrik
    Außenansicht
    EG: Mediencafé
    1. OG: Internetcafé
    2. OG: Raumübersicht

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    Die Gründung der ersten öffentlichen Bibliothek in Höchstadt an der Aisch geht auf die amerikanische Militärregierung zurück: 1948 entstand im Landratsamt eine Kreisbücherei. Standen den Lesern 1951 immerhin 744 Bücher zur Verfügung, so wuchs das Angebot kontinuierlich. 1964 erfolgte der erste Umzug in das damalige Finanzamt (und heutige Rathaus) der Stadt, nach der Errichtung des Schulzentrums 1968 zog auch die Bücherei in die Kellerräume des neuen Gymnasiums. Als die Stadt die Kreis- und Jugendbücherei im Jahr 2000 als kommunale Bibliothek übernahm, bestand ein Raummangel, der nicht zu übersehen war: 160 Quadratmeter für einen damaligen Ist-Bestand von knapp 20.000 Medieneinheiten.

    2006 ergriff die Stadt die Gelegenheit, Nägel mit Köpfen zu machen: Die Übernahme der ehemaligen Schuh-Fabrik Manz-Fortuna bot die Chance, nicht nur ein Industriedenkmal zu erhalten und das Gebiet südlich der Altstadt aufzuwerten, sondern auch mit einem groß angelegten Kulturzentrum einen überörtlichen Anziehungspunkt zu schaffen.

    Als die Stadtbücherei Höchstadt am 13. Oktober 2009 offiziell eingeweiht wurde, konnte der Erste Bürgermeister Gerald Brehm zu Recht sagen, dass die Bibliothek – nicht nur räumlich - „aus den Kellerlöchern des Gymnasiums“ in höhere Sphären aufgestiegen sei.

    Das neue Domizil in der Bahnhofstraße 9 ist durchaus eindrucksvoll; die frühere Schuhfabrik Manz-Fortuna und vormalige Pinselmanufaktur, ein denkmalgeschützter Backsteinbau, wurde durch die Stadt Höchstadt an der Aisch für rund 8 Millionen Euro zu einem Kulturzentrum ausgebaut. Auch wenn die Stadtbücherei damit nicht gänzlich zentral liegt - die Nähe zum Gewerbegebiet und zu einem Seniorenzentrum, die Lage an der Bundesstraße 470 mit dem benachbarten Großparkplatz in der Aischaue sowie die Überlandbus-Haltestelle direkt neben dem Gebäude bieten eine wesentlich bessere Ausgangssituation als die vorherige Lage.

    Neben den Räumlichkeiten der Stadtbücherei beherbergt die Kulturfabrik auch die örtliche Volkshochschule, die Musikschule, das Jugendzentrum und einige Institutionen mehr. Möglicherweise kann auch das ehemalige Kesselhaus im Innenhof erhalten werden: Planungen siedeln dort Sport- und weitere Freizeiteinrichtungen für ein generationenübergreifendes Publikum an. Als zentraler Bestandteil der „Fortuna Kulturfabrik“ hat die Stadtbücherei tatsächlich höhere Sphären erreicht – ein derartig umfassender Ansatz kulturellen Lebens ist bislang in Mittelfranken in dieser Größenordnung noch nicht verwirklicht worden.

    Viel Wert wurde vom Architekten Fritz Wiesneth auf den Erhalt der historischen Details gelegt. So wurden zum Beispiel die Rahmen der alten Sprossenfenster restauriert. Um dennoch eine günstige Wärmebilanz zu erzielen, jedoch mit modernen Fensterrahmen hinterblendet. Stilgerecht weist der Fußboden mit seinem Industrieestrich auf die vormalige Nutzung hin, sein roter Farbton ist dagegen dem modernen Zeitgeschmack geschuldet. Eine weitere Reminiszenz an die industrielle Vergangenheit sind die Regalstirnseiten, die nach einer Idee des Architekten in einer Streckgitter-Ausführung gefertigt wurden – ein Novum auch für den Bibliotheksausstatter Schulz.

    Das Erbe der industriellen Ära brachte jedoch auch einige Nachteile mit sich. Das Problem der unzureichenden Punktbelastbarkeit des Bodens konnte zwar mit nahezu unsichtbaren Lastverteilungsschienen unter den Medienregalen gelöst werden, an eine durchgehend flexible Aufstellung war damit jedoch nicht mehr zu denken. Der weitgehende Erhalt der ursprünglichen Räumlichkeiten innerhalb des Gebäudes führte zu einer insgesamt etwas zerklüfteten Raumsituation und war letztendlich auch der Grund für die durchaus wörtlich zu verstehenden „höheren Sphären“: die Stadtbücherei ist innerhalb der Kulturfabrik nun auf drei behindertengerecht erschlossenen Stockwerken vertreten.

    Die Hauptebene findet sich im zweiten Obergeschoss, hier teilen sich die Volkshochschule und die Stadtbibliothek die rund 500 Quadratmeter Fläche. Rechterhand der behindertengerechten Haupterschließung befindet sich der Bibliotheksraum mit der größten durchgehend freien Fläche, einer umlaufenden dreiseitigen Fensterfront und einer lichten Höhe von 4,5 Metern. Er beinhaltet dicht gedrängt den Sachmedienbestand für Erwachsene, die Belletristik, den Kinderbereich und die Verbuchungs- und Informationszentrale (die Theke wurde eigens vom Architekten entworfen) mit einem abgetrennten kleinen Büroraum. Von Treppenhaus und Aufzug erreicht man linkerhand über einen Gang, in dem sich auch eine Teeküche befindet, den Seminarraum; beide werden auch von der Volkshochschule genutzt. Dieser Kursraum bietet einer ganzen Schulklasse den benötigten Arbeitsplatz, hier findet sich auch das „Schülerzentrum“ mit multimedialen Nachschlagewerken, Schülerhilfen sowie weiterführender Literatur zu Berufswahl und Ausbildung.

    Der erste Stock, sowohl vom Hauptgeschoss wie auch vom Erdgeschoss mit einer zusätzlichen bibliotheksinternen Treppe verbunden, ist ganz der Jugend gewidmet, denn dieser beherbergt auch das Jugendzentrum. In den Räumen der Stadtbücherei locken neben Romanen und Sachbüchern auch Hörbücher, Comics, Brett- und Computer-Spiele sowie vier PC-Arbeitsplätze mit Internet-Anschluss. Dieser großzügig möblierte Raum trägt die vielleicht beim ersten Hören etwas verwirrende Bezeichnung „Internetcafé“, gehört jedoch zum ebenfalls der Bibliothek angeschlossenen Mediencafé, das ein Stockwerk tiefer die Besucher erwartet.

    Das gastronomische Herz des gesamten Komplexes ist sozialer Treffpunkt, Veranstaltungsort, Ausstellungsbereich sowie das Zeitungs- und Zeitschriftencafé der Stadtbücherei in Einem. Betrieben wird es von der "Laufer Mühle", einer soziotherapeutischen Einrichtung, die vor allem sozial benachteiligten und ehemals suchtkranken Menschen eine Wiedereingliederung ermöglicht.

    Vielleicht noch nicht in die ganz hohen Sphären, aber immerhin deutlich nach oben sprangen die Neuanmeldungen nach der Wiedereröffnung - seit ihrer inoffiziellen Inbetriebnahme im Juli 2009 registrierte die Stadtbücherei bereits über 200 neue Kunden. Auch auf die Veranstaltungsarbeit wirkten sich die neuen Räumlichkeiten schnell positiv aus; denn irgendwo findet sich nun für Geister (bei den Lese-, Spiel- und Bastelnachmittagen für Kinder) und Griot (afrikanischer Geschichtenerzähler und Musiker) immer ein Plätzchen in der Bibliothek.

    So wichtig die Bibliothek als erfahrbarer Ort auch bleibt, so wichtig die lokale Vernetzung ist, so wichtig wird es auch, die Kunden dort abzuholen, wo diese zuhause sind. Mit einer Website innerhalb des kommunalen Internetauftritts, einem eigenen interaktiven Katalog und als Teilnehmer des Regionalverbundes frankenfindus hat sich die Stadtbücherei Höchstadt an der Aisch auch in den höheren Sphären der digitalen Welt eine Wirkstätte geschaffen. 

     

    Matthias Kluge

     

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