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    Bibliotheksporträts

    Kreisbibliothek Kronach - Alles fließt

    Außenfasade
    Thekenansicht
    Sachmedien
    Präsentationsregal
    Kinderbibliothek
    Selbstbuchung

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    Eine energetische Fassadenrenovierung des 1977 fertiggestellten Schulzentrums – das war das ursprüngliche Ziel des Landkreises Kronach in Oberfranken. Doch noch während der Ausführung zog ein Wassereinbruch immer größere Folgearbeiten nach sich. Ein Glücksfall für die dort ansässige Kreisbibliothek: Die teilweise Generalsanierung ermöglichte ihr ab 2013 eine grundlegende Neugestaltung.
     
    Durch die Renovierung erhielt die Kreisbücherei zum ersten Mal einen Standort in der Innenstadt. Das Ausweichquartier in einer ehemaligen Drogeriemarktfiliale machte die Einrichtung nun einem ganz neuen Publikum aus Anwohnern, Einkaufenden und Berufstätigen bekannt. Doch der längere Weg lohnt sich wieder. Mit Abschluss der Bau- und Einrichtungsmaßnahmen ist die Kreisbibliothek im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert angekommen, wie der Leiter, Diplom-Historiker Rudolf Pfadenhauer, zu Recht konstatiert.

    Obwohl sich von der Brutto-Grundfläche keine Änderungen ergeben haben, dürfen sich Besucherinnen und Besucher, die noch das alte Raumprogramm kennen, die Augen reiben: Diplom-Ingenieurin Sabine Porzel vom Architekturbüro spindler+ hat die Bibliothek völlig umgekrempelt. Neue Fensterflächen wurden eingesetzt, der Innenhof vergrößert, Räumlichkeiten anders proportioniert. Licht und Luft für alle Bereiche, lautete die neue Devise.
    Der Umbau der Eingangszone, die Zusammenlegung der Sanitärräume und die Auflösung des kaum noch genutzten Vorführraumes der Kreisbildstelle brachten zusammen mit der Deckenstrahlheizung einen Raumgewinn, der höchst effektiv in die Verbesserung der Aufenthalts- und Servicequalität floss.

    In erster Linie ist hier der neue Vortragssaal mit interaktiver Präsentationswand sowie integrierten Induktionsschleifen für Hörgeräteträger zu nennen. Zusätzlich erhielt dieser einen kleinen Theken- und Bewirtungsbereich, so dass er im regulären Bibliotheksbetrieb auch als Lesecafé genutzt werden kann. Darüber freuen sich mit Sicherheit nicht nur die Jugendlichen der vier umliegenden Schulen, sondern auch lokale Vereine, wie zum Beispiel die Bezirksgruppe Kronach des Colloquium Historicum Wirsbergense e. V. – dem größten Geschichtsverein Frankens.

    Einen neuen Stellenwert genießt auch die vergrößerte Kinderbibliothek. Eine gebogene Regalwand schirmt diese nach außen ab, ein begehbares Spielschiff im Inneren lädt gleichzeitig zum Entdecken ein. Lese-Ecken und Ruhezonen in allen Bereichen bieten viel Platz zum Schmökern und für „User“ stehen nun deutlich mehr Arbeits- und Rechercheplätze sowie ein frisch installierter W-LAN-Zugang zur Verfügung. Apropos Zugang: Über einen neuen Galeriebereich, der sowohl von der Bibliothek wie auch von den Schulen genutzt werden kann, erfolgt nun ein fließender Übergang zu den Unterrichtsräumen.

    Raumqualität misst sich stets jedoch auch an der Atmosphäre, die eine Bibliothek ausstrahlt. Und hier ist der Spagat zwischen Arbeits- und Freizeitcharakter, zwischen Anregung und Erholung besonders überzeugend gelungen.

    Beim Farbkonzept sorgt das überwiegende Weiß der Einrichtung zusammen mit dem Dunkelbraun des Vinyl-Bodens für eine neutrale Grundlage. Akzente schaffen zugleich ein subtiles Orientierungssystem: Bewegliche Teile der Fassade, wie Türen oder Fenster, sind in einem kräftigen Rot gehalten. Ein leuchtendes Grün kennzeichnet kommunikative Zonen, wie zum Beispiel Sitzbänke oder die Thekenanlage. Die Kinderbibliothek erhielt einen Flockvelour-Belag in freundlichem Orange-Gelb, die Erwachsenenbereiche dagegen einen in lebendigem Blau. Die Wandfläche der Präsentationszone, die vielfältig genutzt werden kann, zeigt dagegen eine stilisierte exotische Landschaft in allen diesen Tönen.

    Eine Konstante ist jedoch geblieben: die dominierende freistehende Thekenanlage für bis zu vier Mitarbeitende im Zentrum des Publikumsbereiches. Von ihr gehen die Regale nun radial in Richtung des Innenhofs und der Einzelarbeitsplätze aus. Linkerhand des Haupteingangs befinden sich die Zeitschriftenabteilung und die Gruppenarbeitsplätze. Die Multimedia-Sektion leitet dann zur Kinderbibliothek über. Bei der Möblierung griff das Architekturbüro auf das bewährte Regalsystem Uniflex der Fa. Schulz zurück.

    Der besondere Pfiff kam jedoch durch zahlreiche Eigenentwicklungen, wie Sitzgelegenheiten, die sich harmonisch in die Regal-Landschaft einfügen, oder Regalstirnseiten, die den leichten Austausch illustrierender Poster zulassen.

    Eine weitere bedeutende Neuerung ist die Einführung der RFID-Technik. Zwei Terminals beschleunigen die Ausleihe, eine Station im Vorraum der Bibliothek ermöglicht die Rückbuchung von Medien auch außerhalb der Öffnungszeiten. Das Bibliotheksteam wird dabei von der Mediensicherung und einer Dreifachsortieranlage unterstützt.

    Zusammen mit der erneuerten Website, dem interaktiven Internetkatalog OPEN des Bibliothekssystemherstellers OCLC und dem Portal für E-Medien, das die Kreisbibliothek ab dem 1. Dezember 2014 im Rahmen des E-Medien-Verbundes Franken-Onleihe anbietet, ist die Bibliothek nun auch in der stets im Fluss befindlichen digitalen Welt zuhause.

    Leistungskennzahlen von Kreisbibliotheken sind aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben und Strukturen immer sehr schwierig zu analysieren und noch schwieriger zu vergleichen. Bedingt durch den beschränkten Raum des Ausweichquartiers und die Umstellung auf das RFID-System wurde der Medienbestand in den letzten Jahren deutlich verschlankt. Die Medienausleihe vor Ort blieb dennoch seit 2005 mit rund 100.000 Vorgängen pro Jahr weitgehend konstant. Die attraktive Neugestaltung der ortsfesten Kreisbibliothek sowie die neuen Dienstleistungen der virtuellen Kreisbibliothek lassen jedenfalls einen deutlichen Anstieg der Kunden- und Ausleihzahlen erwarten. Auch die Kreisbildstelle bleibt in kleineren Räumlichkeiten erhalten. Die Aufgabe der Leseförderung bedarf jedoch noch weiterer Kooperationspartner und gänzlich offen ist die Zukunft des einstigen Renommierobjekts Bücherbus. An neuen Aufgaben und Zielen mangelt es also nicht; die Zeit fließt, die Entwicklung geht weiter.

    Matthias Kluge

     

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