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    Bibliotheksporträts

    Stadtbücherei im alten Postamt eröffnet 
    In Lindau geht die Post ab
     

    Raumwirkung
    Wintergarten
    Lesecafé
    Sachbücher
    Kinderecke
    Bilderbücher
    Lesetische

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    Lindau hatte es bisher schwer, sich unter den Bodenseestädten wie Friedrichshafen, Meersburg und Konstanz in Sachen Bibliothek zu behaupten. Fristete die dortige Stadtbücherei doch über Jahre hinweg ein sehr beengtes, jede Weiterentwicklung hemmendes Dasein im Obergeschoss eines historischen Gebäudes auf der Insel. Seit Februar 2008 hat sich dies grundlegend geändert.

    Die bayerische Bodenseestadt verfügt nun über eine neu gestaltete, äußerst attraktive Bibliothek in bester Insellage, die ihren Bestand von ca. 30.000 Medien auf 960 qm präsentiert. Die Bibliothek setzt Maßstäbe nicht nur hinsichtlich Gestaltung und Technik – sie bietet mit ihrem Wintergarten unmittelbar neben der Gleisanlage des Bahnhofs ein Ambiente mit Aufenthaltsqualität, das wohl in dieser Form einmalig ist. Nahezu die gesamte Einrichtung der Bibliothek wurde individuell gefertigt und angepasst.

    Das denkmalgeschützte Postgebäude vom Anfang des 19. Jahrhunderts befindet sich nahe der Fußgängerzone unmittelbar am Bahnhof Lindau/Insel. Ein Teil dieses Gebäudes wurde von einem Investor im Innenbereich sehr sparsam umgebaut und renoviert. Dieser Teilbereich ist von der Stadt angemietet worden und beherbergt nun die Stadtbücherei und das Stadtarchiv. Die Bücherei befindet sich in der ehemaligen Posthalle und dem angrenzenden Wintergarten im Erdgeschoss und mehreren verschachtelten, unterschiedlich großen Räumen im Obergeschoss. Die beiden Ebenen werden durch Treppe und Aufzug erschlossen.

    Während das Erdgeschoss durch Halle und Wintergarten, der in den unmittelbaren Gleisbereich des Bahnhofes hineinragt, große Herausforderung an die Planung und Einrichtung stellte, ließen im Obergeschoss die Räume durch eine eher einfache Struktur wenig Spielraum für architektonische Experimente, doch die komplizierte Verschachtelung stellte recht schwierige Anforderungen an die Aufstellung der Regale.

    Für die architektonische Umsetzung des vorgegebenen, klar definierten Konzepts der Bibliothek wurden Innenarchitekten und Designer der wichtigsten Einrichtungsfirmen bereits in der Umbauphase eingeladen, um die Räume kennenzulernen und Vorschläge für eine Einrichtungsplanung zu konzipieren. Die dezidierten Vorstellungen der Bibliothek „alle Regale Holz in geschlossener Bauweise, unterschiedlich farbig behandelt, Fachböden Metall, sonstige Möbel in Holz-/Stahlkombination, Sondermöbel nach räumlichen/funktionalen Erfordernissen" waren zwar ausgefeilt, gut und nachvollziehbar, aber gestalterisch nicht leicht umzusetzen. Aus diesem Konflikt entwickelte sich ein eher ungewöhnlicher Dialog zwischen Bibliothek und Gestaltern und letztendlich daraus resultierende Einrichtungspläne. Auf Grundlage dieser Pläne wurde die Ausschreibung erstellt. Eine Besonderheit hier war, dass für bestimmte Bereiche wie „Verbuchungstheke, Garderobe, Taschen, Sondermöbel, Zeitschriften etc." nach genau festgelegten Kriterien wie Maße/Material ein Wettbewerb gefordert wurde. Alle Bieter hatten für diese Positionen Designvorschläge in Form von Skizzen, Zeichnungen etc. einzureichen. Die anschließende Auftragsvergabe, die primär nach preislichen, aber auch gestalterischen Kriterien erfolgte, erzielte in ihrer Realisierung die nun sichtbaren Ergebnisse: eine Regalaufstellung von raffinierter Einfachheit, die Sichtachsen erzeugt und damit sofort alle Räume sinnlich in ihren Proportionen erfassbar macht.

    So wird bereits beim Betreten der Bücherei der Blick in den angrenzenden Wintergarten gelenkt. Als besonderes optisches Bonbon sieht man dort die haltenden bzw. an- und abfahrenden Züge. Um die Höhe der alten Posthalle zu unterstreichen, steht direkt neben der Theke ein 3,50 m hohes Wandregal mit Leiterführung. Die Verbuchungstheke in Stehhöhe, außen mit Klarlack behandelten, vorher angerosteten Blechen verkleidet, wirkt monolithisch und hat ihr Pendant in den ebenso verkleideten Taschen- und Garderobenschränken. Im Wintergarten sind alle Brüstungsregale mit oberen Schrägböden zur Sichtpräsentation der Bücher ausgebildet. Sitzbänke und Zeitschriftenpräsentation scheinbar frei schwebend an der „Außenfassade des Postgebäudes" befestigt, nicht anbiedernd, sondern in ihrer Modernität und Funktionalität das alte Gebäude unterstreichend. Eine kleine Besonderheit im Wintergarten, die den meisten Besuchern nicht auffällt, ist ein 2,20 m hohes Wandregal, das zwischen anderen Regalen steht, sich aufklappen lässt und eine dahinter liegende „Geheimtür" freigibt.

    Im Obergeschoss fällt als Erstes auf, mit welche Selbstverständlichkeit und Klarheit sich die Regale und Sondermöbel in die vorhandenen Räume einfügen. Die bescheidene, jedoch auch mutige Gestaltung ist selbstbewusst, alle Räume sind hell und übersichtlich, die Dimensionen ablesbar. Die Internetplätze nur aufliegend auf den Rechnerboxen scheinen zu schweben. Die Platten, gelagert auf fast unsichtbaren U-Stählen, haben riesige Spannweiten. Ebenso die Fensterarbeitsplätze, die teilweise länger als 2,50 m sind, den zurückgesetzten Wänden individuell angepasst wurden, aber auch ohne Stützfüße auskommen. Dadurch, dass die Tragwerke des 4 m langen Lese- und Arbeitstisches im Lexikabereich identisch mit den Tragwerken der Garderobe im Erdgeschoss sind, dass Theke, Taschenschränke, Sondermöbel etc. analog zu den Regalen auch durchgehende Sockelleisten aufweisen, ist eine gestalterische Einheit erreicht worden, die sehr überzeugt, jedoch nur dem geschulten Beobachter auffallen wird.

    Sofort ins Auge fällt, dass außer den Regalen und Sitzmöbeln alle anderen Einrichtungsgegenstände nur für diese Bücherei, diesen Platz und diese Funktion entworfen und produziert wurden. Programmmöbel zu liefern, wäre hier einfacher gewesen, doch hätten diese bei weitem nicht die gleiche überzeugende funktionale und ästhetische Wirkung erzielt. Die Anordnung der Einrichtung und die Gestaltung der Möbel werden unterstrichen durch die Farbgebung innerhalb der gesamten Bücherei. Alle freistehenden Regale sind nach, auch räumlich definierten, Funktionsbereichen unterschiedlich farbig behandelt: Kinder melonengelb, Jugend türkisblau, Erwachsene brillantblau, Romane tomatenrot.

    Um diese unterschiedlichen Farbbereiche optisch wieder zu binden und zu beruhigen, sind sämtliche Wandregale in allen Bereichen und Stockwerken farbig in einem hellen Braunton gehalten. Die Farbgebung resultiert nicht nur aus einem ästhetischen Konzept, sie beinhaltet auch ein übergeordnetes Informationssystem, das dem Benutzer die Suche nach bestimmter Literatur erleichtert. Bereits auf der großen Informationstafel im Erdgeschoss werden alle Bereiche mit der dazugehörigen Farbkodierung aufgelistet. Die Orientierung innerhalb der Bücherei ist aus diesem Grund sehr einfach: z. B. Kinder gelb, Romane rot etc. Im Gegensatz zu den unterschiedlichen Farben des Regalsystems sind alle Arbeitsmöbel, also Tische, OPACs, Internet etc., in hellem Birkenholz gehalten. Die dazugehörigen Stahlgestelle haben wiederum die Farbe der Stahlfachböden, auch hier also eine optische Verbindung analog der Wandregale und eine klare Funktionserkennung anhand der Materialien.

    Werner Welz

     

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