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    Bibliotheksporträts

    Stadtbücherei Schweinfurt:
    Modernes Portal für Wissen und Bildung

     

    Eingangsbereich
    Zehntscheune
    Kinderbibliothek
    Sachbuchabteilung

    Größere Bilder in der Bildergalerie!

    Das älteste Gebäude der Stadt Schweinfurt, die ehemalige Zehntscheune des früheren Zisterzienzerklosters aus dem Jahre 1431, hat eine neue, publikumswirksame Nutzung erfahren. Nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren übergab Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser am 3. Mai 2007 das Gebäudeensemble „Ebracher Hof“ den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Schweinfurt zur Nutzung als neues Domizil für die Stadtbücherei.

    Die anerkannte Bildungs- und Kultureinrichtung Stadtbücherei zog im Jahr 1979 in einer Randlage zur Innenstadt in das Hochhaus „Centrum am Marienbach“ ein. Sie belegte dort den 6. Stock, der einerseits faszinierende Ausblicke über die Stadt bot, andererseits nur über Aufzüge erreichbar war. Vor mehr als 20 Jahren erweiterte sich die Stadtbücherei innerhalb des Centrums und gestaltete aus dem stillgelegten Schwimmbad eine Kinder- und Jugendbücherei, die damals durchaus modellhaften Charakter besaß. Allerdings stieß die Unterbringung im Hochhaus nach einiger Zeit an Grenzen: am Gebäude nagte der Zahn der Zeit, das ehemals attraktive Ambiente des Geländekomplexes veränderte sich zu seinem Nachteil, für die Bibliothek waren keinerlei Entwicklungs- und Erweiterungsmöglichkeiten mehr vorhanden. Nicht zuletzt erwies sich der Standort als wenig geeignet, um auch Laufkundschaft anzusprechen.

    Es bestand die Notwendigkeit, einerseits die Stadtbücherei in einer besseren Lage unterzubringen und andererseits das brach liegende Gebäude des Ebracher Hofes einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Dies hatte als Ergebnis einen Architektenwettbewerb im Jahr 1999 zur Folge, den das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez für sich entscheiden konnte. Das Architekturbüro erhielt auch den Realisierungsauftrag, federführender Architekt war José Mario Marquez.

    Der Platz in der Zehntscheune des Ebracher Hofes reichte nicht aus, um alle Medieneinheiten der Stadtbücherei aufzunehmen. Die Architekten entschieden sich bewusst gegen einen oberirdischen Erweiterungsbau, um die Silhouette des Gebäudeensembles nicht zu beeinträchtigen und planten ein weitläufiges Basisgeschoss, das die Scheune unterirdisch umgibt und große Teile der Bibliothek aufnimmt. Hier findet der Besucher die Sachbuchabteilung mit Sachmedien für Jugendliche und Erwachsene, einen Lesebereich und den Zugang zum Gewölbekeller sowie Funktions- und Magazinräume. Die räumliche Zusammenführung von Jugendsachbuch und Sachliteratur für Erwachsene war einerseits aus Platzgründen notwendig, andererseits aus inhaltlichen Gründen sinnvoll, da Jugendliche sich lieber bei Erwachsenen aufhalten als bei Kindern. Erwachsene bekommen nun neben ihren Sachbüchern gleich noch die passenden Jugendsachbücher präsentiert, die ihnen den optimalen Einstieg in neue Themen bieten. Der Lesebereich geht über in einen Garten. Eine 33 m lange Glaslaterne, Oberlichter im Boden des Platzes vor dem Haupteingang und eine große Fensterfläche bringen Tageslicht in diesen unterirdischen Teil der Bücherei. Der Gewölbekeller wird als Vortragssaal genutzt, er steht auch Vereinen als Veranstaltungsraum zur Verfügung.

    Das Erdgeschoss wird über den neuen Haupteingang erschlossen. Auf dieser Ebene liegen der Eingangsbereich, die Medienausgabe und –rücknahme, der Medienmarkt zum Stöbern und Schmökern sowie die Neuheitenpräsentation. In einem Lesecafé mit umfangreichem Zeitungs- und Zeitschriftenangebot und in einem kleinen Lesegarten finden die Besucher – so sie es wünschen – die nötige Ruhe.

    Die Belletristik und der Lesebereich in der ehemaligen Kapelle mit dem gotischen Maßwerkfenster liegen im Obergeschoss. Die Jugend- und Kinderbibliothek befindet sich im Dachgeschoss. Ins Basisgeschoss führen ein Aufzug, Treppen und eine Rampe, die an der mit Bücherregalen bestückten Außenwand entlang in die Tiefe führt. Alle Räume sind behindertengerecht erschlossen.

    In einem Seitengebäude ist die Bibliotheksverwaltung untergebracht. Ein Durchbruch im Obergeschoss stellt die Verbindung zur Zehntscheune her. Im Erdgeschoss entstand mit einer neuen Öffnung zwischen Bibliotheksvorplatz und bestehendem Innenhof sowie einem Tordurchgang ein öffentliches Wegenetz, das das Gebäudeensemble verschiedenen Richtungen zugänglich macht. Die großen Fenster in den Toren der ehemaligen Zehntscheune gewähren den Passanten Einblick in die neue Stadtbücherei.

    Zwei neue Bauteile fallen besonders ins Auge, die Glaslaterne und das Sicherheitstreppenhaus. Die Laterne begrenzt räumlich den Vorplatz am Haupteingang und bietet Schutz vor dem Straßenlärm der benachbarten Ringstraße. Sie dient der Belichtung der Bücherwand im Basisgeschoss und verleiht dieser Ebene eine besondere Raumerfahrung. Die Glaslaterne ist ein charakteristisches Zeichen im öffentlichen Raum mit Tag- und Nachtwirkung. Sie zeigt den ehemaligen Verlauf der Schweinfurter Stadtmauer an und ergänzt so die neu restaurierte Stadtmauer sinnvoll. Das Sicherheitstreppenhaus abstrahiert die Form des Giebels vom Nachbargebäude in einen Guss aus Beton. Eine Baulücke am Eingang zum benachbarten Stadtteil wurde hierdurch geschlossen. Das Treppenhaus bringt die Zehntscheune auf die erforderlichen Sicherheitsstandards ohne den Innenraum zu beeinträchtigen.

    Im Gebäudekomplex „Ebracher Hof“ befindet sich eine Gaststätte mit 100 Sitzplätzen und einem großen Thekenbereich sowie ein kleines Altstadthotel mit sieben Zimmern, im Sommer bringt auch die tägliche Außenbewirtung im Hof neues Leben in die Altstadt. In einem Investorenbau neben der Zehntscheune ist die Zollverwaltung von Ober- und Unterfranken fusioniert worden. So entstanden krisensichere Arbeitsplätze in Schweinfurt. Dieses neue Gebäude spiegelt in seinen Fenstern die historische Zehntscheune der Stadtbücherei wie ein Puzzle und weist Schweinfurter Besucher schon vom Stadteingang her auf die Besonderheit des Gebäude-Ensembles hin.

    Mit dem Spatenstich im November 2004 begann die Umsetzung des Projektes „Stadtbücherei im Ebracher Hof“. Schwierige Sicherungs- und Unterfangungsarbeiten an der Zehntscheune kennzeichneten die erste Bauphase. Auch ein tiefliegendes Kellerlabyrinth musste, um einen tragfähigen Grund für das Basisgeschoss zu schaffen, verfüllt werden. Erhalten, freigelegt und in das Basisgeschoss integriert wurde der Gewölbekeller der Zehntscheune, hier musste das historische Gebäude bis auf seine Grundmauern ausgegraben und ausgefüllt werden. Ein Raumgerüst, Profilstahl, Beton- und Stahlträger sicherten vorübergehend das scheinbar in der Luft schwebende Baudenkmal. Diese Aufgabe wurde bewältigt, ohne dass das Bauwerk Risse davongetragen hätte. Mit dem Richtfest im Oktober 2005 wurde der Abschluss der Rohbauarbeiten gefeiert. Zu dieser Zeit musste auch über die Umzugsorganisation und –durchführung entschieden werden. Mit dieser schwierigen Aufgabe beauftragt wurde die Firma Arbimove aus Dresden, die die rund 55.000 Bücher und andere Medien mit einem Gesamtgewicht von 17,5 Tonnen innerhalb weniger Tage aus der alten Unterkunft in das neue Domizil transportierte.

    Die Stadtbücherei verfügt über ein kontrastreiches Innenleben, sie ist gekennzeichnet durch ihre verschiedenen Charaktere in den jeweiligen Geschossen. Im Untergeschoss begegnet man einer Welt, die von dem Kontrast der feinen Oberfläche der Eichenmöbel mit der Rauheit des Betons und des ursprünglichen Mauerwerkes lebt. Über eine Rampe bewegt man sich in den Raum, begleitet von Nischenregalen, welche wie Intarsien in den Beton eingelassen sind. Das Erdgeschoss wird gekennzeichnet durch einen starken Hell-Dunkel-Kontrast. Acht raumteilende Elemente, sogenannte Magic Boxes gliedern den Raum und bilden zusammen mit dem Gussasphaltboden die dunkle Komponente, die von dem weißen Stützenfachwerk und den weißen Wände gefasst wird. Zu den Magic Boxes, einer Art dreidimensionalem Schachbrett wurde Architekt José Marquez durch den Bildhauer Richard Serra inspiriert. Diese Elemente sollten sich durch ihre besondere Form hervorheben und die Neugier des Besuchers wecken. Die Farbe weiß setzt sich im Obergeschoss und im Dachgeschoss fort. So bilden hier die weißen Möbel zusammen mit dem weißen Raum eine Einheit. Im Bereich der Kinderbibliothek im Dachgeschoss gesellen sich in den weißen Raum hinein rote Farbkuben. Diese Spiel- und Sitzmöbel befinden sich durch die Kinder in ständiger Bewegung und erzeugen so eine immer neue Farbkomposition und Bauwerke. Die Kinder begreifen sie als große Bauklötze und lassen damit ihrer Phantasie ungehindert freien Lauf.

    Die Stadtbücherei Schweinfurt versteht sich als Portal zur Welt der Medien und Information, sie bietet ihren Benutzern ein breit gefächertes Spektrum an Medien zur Auswahl an, das von Büchern über Zeitschriften, Videos, DVDs, Tonkassetten, Musik-CDs, CD-ROMs bis hin zu Spielen reicht. In der Hauptstelle und in beiden Zweigstellen stehen insgesamt 90.000 Medien für die Bevölkerung zur Verfügung. Mit Medienausstellungen zu aktuellen Themen bereichert die Stadtbücherei das kulturelle Leben der Stadt. Für Besucher, die gerne auf der Datenautobahn surfen, stehen Internetplätze zur Verfügung.

    In der neuen Unterkunft der Stadtbücherei im Ebracher Hof sind Romanabteilung, Kinder- und Jugendbücherei, Markt und Sachliteratur auf verschiedenen Ebenen untergebracht. Diese Aufteilung sorgt für eine ruhige Atmosphäre, in der sich die unterschiedlichen Benutzergruppen wohlfühlen können. Wechselnde Medienpräsentationen im Marktbereich locken und machen den Bibliotheksbesuch immer wieder interessant und lohnenswert.

    Ein interessantes Detail sei nicht verschwiegen: das weltbekannte Gemälde „Der Bücherwurm“ von Carl Spitzweg befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Stadtbücherei, und zwar im benachbarten Museum Georg Schäfer!

    Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel, stellte in seinem Grußwort zur Eröffnung der neuen Stadtbücherei im Ebracher Hof die Sanierung des historischen Gebäudes in den Kontext der Altstadtsanierung in Schweinfurt und bezeichnete diese Maßnahme als beispielhaft und richtungsweisend für eine zeitgemäße Denkmalpflege und Stadtsanierung. Minister Goppel führte aus: „Meine Damen und Herren, der Ebracher Hof sieht nun einer lebendigen Zukunft als Stadtbibliothek auf neuestem Stand entgegen. Aus dem ehemaligen Klosterhof ist ein modernes Portal zu Wissen und Bildung geworden. Gemeinsam mit der Bibliothek Schweinfurt – Würzburg nimmt die Stadtbücherei Schweinfurt zentrale Versorgungsfunktionen im Rahmen des Landesentwicklungsprogrammes Bayern wahr. Wie erfolgreich die Schweinfurter Bibliothek dabei schon in den letzten Jahren gewesen ist, zeigt die Statistik: so konnten hier im Jahr 2005 etwa 25 Prozent neue Besucher gewonnen werden! Das reichhaltige und gut sortierte Bibliotheksangebot wird jetzt noch besser präsentiert. Insgesamt 90.000 Medien verschiedenster Art stehen zur Verfügung. Über den Online-Katalog können sie gesucht und vorbestellt werden, so dass hier ein 24-Stunden-Service geleistet wird. Schweinfurt verfügt in Zukunft über eine topmoderne Bibliothek, die allen Erfordernissen der heutigen Informationsgesellschaft entspricht. Durch die ansprechende architektonische Gestaltung lädt sie zum Besuch ein und macht neugierig auf die Schätze, die sie birgt. Zudem ist es eine Bibliothek, die den Umgang mit elektronischen Medien zur Informationsbeschaffung schult. Mit Autorenlesungen und einem Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm wird die neue Stadtbibliothek auch ein Kulturzentrum der Stadt werden“.

    Auch ohne ein spezielles Eröffnungsprogramm für die neuen Räumlichkeiten der Stadtbücherei nahmen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schweinfurt ihre neue Bibliothek im Ebracher Hof gut an. Im ersten Monat registrierte Chefin Anita Kaltenbach mit 10.000 Besuchern und 20.100 Entleihungen ein deutliches Plus von 7,5 Prozent gegenüber den Vergleichswerten des Vorjahres.

    Schweinfurt wird durch die Stadtbücherei im Ebracher Hof zu einem noch interessanteren (Kultur-)Reiseziel: so locken das Museum Georg Schäfer mit einer bedeutenden Privatsammlung der Kunst des deutschsprachigen Raumes des 19. Jahrhunderts, die Bibliothek Otto Schäfer mit wertvollen Drucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie Erstausgaben der deutschen Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus, ebenso bieten das Stadtarchiv und die wissenschaftliche Stadtbibliothek wertvolle Schätze an.

    Die Stadt Schweinfurt wirbt für sich mit dem Slogan „Zukunft findet Stadt“. Diese Aussage trifft voll auf die Schweinfurter Stadtbücherei in ihrem neuen Domizil zu.

    Ralph Deifel

     

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