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    Medientipps

    "Entartete Musik"

    Eine außergewöhnliche Dokumentation Die Toten Hosen: "Entartete Musik"

    Die Toten Hosen, eine 1982 gegründete, tief im Punkrock verwurzelte deutsche  Musikgruppe, ist im Radio eher mit Liedern wie "Hier kommt Alex", "Eisgekühlter Bommerlunder" oder "Alles aus Liebe" bekannt. Viel Schlagzeug, E-Gitarre und Campinos markante, raue Stimme. Dass die mittlerweile altgedienten Rocker auch anders können, beweisen sie jedoch seit Jahren durch die Einbindung von Streich- und Blasmusik in einzelne Stücke wie z.B. geschehen bei "Drei Kreuze" und "Vogelfrei" auf ihrem Album Ballast der Republik – oder aber in sehr leisen und nachdenklichen Liedern wie "Europa" (Ballast der Republik), "Ertrinken" (In aller Stille) oder "Nur zu Besuch" (Reich & Sexy).

    Wie wandlungsfähig die fünf Autodidakten tatsächlich sind, zeigt das Projekt "Willkommen in Deutschland – entartete Musik" in Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Drei Gedenkkonzerte sollten es werden, um an die Ausstellung "Entartete Musik" im Jahre 1938 zu erinnern, an die verfemten Künstler und ihre Werke. So breitgefächert die als "entartet" stigmatisierte Musik im Dritten Reich war, so vielseitig und vielschichtig wurden die Düsseldorfer Gedenkkonzerte und ihre Darbietungen, aus denen die Doppel-CD entstand: "Die Moorsoldaten", ein 1933 im KZ Börgermoor entstandenes Lied, von Häftlingen geschrieben und aufgeführt, nur zwei Tage nach der Uraufführung bereits verboten;  "Stimmen aus dem Massengrab", ein Gedicht von Erich Kästner, nun vertont von den Toten Hosen; das von Ilse Weber komponierte Schlaflied "Wiegala", das sie ihrem Sohn und den anderen Kindern beim Gang in die Gaskammer gesungen haben soll, hier gefühlvoll vorgetragen von Linda Hergarten; aber auch ein Lied der Comedian Harmonists, "Sascha" von den Toten Hosen und Auszüge aus der Kinderoper Brundibár sind auf den beiden CDs zu finden.

    Die schiere Menge unterschiedlicher Musikstücke und beteiligter Künstler hätte durchaus eine bloße Ansammlung und Aneinanderreihung alter und neuer Lieder sein können, ganz nach dem Motto: viele Köche verderben den Brei. Stattdessen ergeben die mit Bedacht ausgewählten, abwechselnd von Thomas Leander und Campino (Andreas Frege) ein- und übergeleiteten, durch kurze Hintergrundinformationen begleiteten und mit so viel Feingespür dargebotenen Lieder ein harmonisches Ganzes, das dem Zuhörer zwar einiges an Konzentration abverlangt, ihn aber zugleich belohnt.

    Das Album ist nichts fürs Nebenher anhören beim Autofahren oder Geschirrspülen, bei vielen Liedern verspürt man eher einen Kloß im Hals und Beklemmnis im Brustkorb als das Bedürfnis, mitzusingen. Dennoch ist sie absolut hörenswert, diese ganz eigene Symbiose aus vergangenen und gegenwärtigen Komponisten, Dichtern und Musikern. Für Bibliotheken sollte sich nicht die Frage stellen, ob dieses Album gekauft wird – allerhöchstens, wo im Musikbestand es eingeordnet wird.

    Fazit: Ich bin sehr froh, dass meine Kollegin mir das Album in die Hand gedrückt hat, und kann es nur wärmstens weiterempfehlen.


    (Sabrina Pietrek, Stadtbibliothek Straubing)

     

    "Entartete Musik"
    : Willkommen in Deutschland ; ein Gedenkkonzert / Das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule & Die Toten Hosen spielen. Idee und Konzeption: Thomas Leander. [...] - [Hamburg] : Warner Music, 2015. - 2 CDs + 1 DVD-Video Willkommen in Deutschland : ein Gedenkkonzert - Die Dokumentation [FSK ab 0 freigegeben] + Booklet. - (JKP)
    EAN 0652450150202 : EUR 20,00 [freier Pr.]

     

     

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    Pietrek, Sabrina

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    Eine außergewöhnliche Dokumentation

    Die Toten Hosen "Entartete Musik"
    © Bayerische Staatsbibliothek