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    Medientipps

    Cover Der letzte Pfeil

    Mordsache Ötzi Schlößer, Frank: Der letzte Pfeil

    Frank Schlößer erzählt hier die Geschichte von Ötzi und warum er ermordet wurde. Oder besser: Er erzählt eine Geschichte, wie es vielleicht gewesen war. Die Menschen stehen an der Schwelle von der Stein- zur Kupferzeit. Noch lebt die Sippe im abgeschiedenen Tal mit Steinpfeilen und Fellen als Jäger und Sammler. Doch der Schmied, der Fremde, den sie vor den Wölfen gerettet haben, kennt das Geheimnis, wie man aus den Frühlingssteinen Sonnensteine macht.

    Der Schmied ist unehrlich. Er sagt etwas anderes, als er denkt. Er zeigt sich der Zauberin unterwürfig, obwohl er sie insgeheim verlacht. Der Ich-Erzähler (der namenlos bleibt) durchschaut ihn langsam. Frank Schlößer versteht es wunderbar, die Gedankengänge aufzuzeigen - gerade so, als würde diese Art reflektierenden Denkens das erste Mal überhaupt gedacht werden.

    Diese Freude über das Neue, das das Leben leichter macht. Aber gleichzeitig auch der Irrsinn, der damit einhergeht: Bislang waren die Bewohner des Tales mit ihrem Leben zufrieden, hatten Zeit für einander. Aber als der Schmied das neue Material zu ihnen brachte, waren plötzlich alle fest eingebunden in die Herstellung. Alle waren beschäftigt. Niemand hatte mehr Zeit für anderes - war aber auch nicht nötig, da Mehl, Fisch und was eben benötigt wurde gegen Sonnensteine eingetauscht werden konnten.

    Gerade dieser Umschwung vom Miteinander und Füreinander zum Tauschen und schließlich zum Handeln des Handels willen zeigt der Autor wunderbar klar auf. Erschreckend, wie einfach es war, die natürliche Lebensweise zu zerstören, zu vergiften. Das Buch hat mich wirklich sehr berührt, tief getroffen.

    Als sich der Erzähler mit dem Schmied auf den Weg ins Warmland über die Eisriesen macht, erfährt er so nach und nach von den Machenschaften des Schmiedes. Er erkennt, dass dieser überall Unfrieden stiftet und so dafür sorgt, dass Bedarf an Waffen und somit seiner Schmiedekunst herrscht. Der Schmied geht dabei sehr subtil vor. Nie wird er selbst aktiv. Überall findet er willige Handlanger, die seinen Geschichten Glauben schenken.

    Am Ende macht sich der Erzähler auf den Weg zurück in seine Heimat, wo jedoch niemand mehr ist. Der Schmied hat zugelassen, dass die Hundesöhne alle töten und das Dorf zerstören. Immerhin haben die am Ende auch nicht überlebt. Auf dem Weg begegnet er nochmals dem Schmied. Der Erzähler lässt sich die Chance nicht entgehen, den Schmied zu töten. Ironischerweise mit der letzten Steinspitze wird der Schmied niedergestreckt. Der 5300 Jahre später als "Ötzi" wiederentdeckt und uns Rätsel aufgeben wird.

    Auch wenn ich hier den Inhalt schon grob verraten habe (wenn auch nicht alles), lohnt es sich, dieses bezaubernde Buch zu lesen. Frank Schlößer bringt Sie in eine völlig andere Welt, die einen tiefgreifenden Umbruch erfährt. Die Parallelen zur Gegenwart - oder eher dem Roten Faden, der sich durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht - sind verblüffend.

    Für alle, die gerne etwas Historisches lesen oder einen Krimi oder auch mal ganz was anderes, ist dieser Roman allerwärmstens zu empfehlen!


    (Ulrike Engelhardt, Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen)

     

    Dieser Medientipp erschien zuerst im Büchereiblog der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen.

     

    Schlößer, Frank:
    Der letzte Pfeil : ein Roman aus der Frühzeit / Frank Schlößer. - Orig.-Ausg. - [Köln] : Emons, [2016]. - 240 S. ; 23 cm
    ISBN 978-3-95451-775-6   kt. : EUR 14,95

     

     

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