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    Medientipps

    Cover Martin Luther

    © Arena Verlag

    Das Feuer der Reformation Venzke, Andreas: Martin Luther

    „Viele Bücher machen nicht gelehrt, viel Lesen auch nicht, sondern gut Ding und oft Lesen” - so lautet ein Zitat Martin Luthers, das sich auf die Bibellektüre beziehen dürfte. Zu einer Zeit, als ein Großteil der Menschen noch nicht lesen und schreiben konnte, trug Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung dazu bei, dass sich selbst einfache Menschen damit befassen konnten. Flankierend sorgte die Erfindung des modernen Buchdruckes für die Verbreitung - zu Luthers Lebzeiten wurden eine Million Exemplare der Bibel hergestellt. Diese Tatsache unterstreicht die Bedeutung Luthers für Sprache und Buchwesen, auch über sein religiöses Wirken hinaus.

    Der vorliegende Band von Andreas Venzke ist zum Anlass des Reformationsjubiläums beim Arena-Verlag erschienen.
    Zunächst einmal ist es ein ästhetisches Erlebnis, dieses Buch durchzublättern und sich vom Design anregen zu lassen. Der Innenteil enthält qualitätvolle historische Abbildungen (Dokumente, Holzschnitte, farbige Kunstwerke, die Luther-Bibel), die von witzigen Zeichnungen des Illustrators Klaus Puth kontrastiert sind.

    Der Hauptstrang der Erzählung ist rasch skizziert: Martin Luther entschied sich mit 22 Jahren aufgrund ärgster Bedrohung bei einem Gewitter, sein Jurastudium aufzugeben und ins Augustinerkloster in Erfurt einzutreten. Er studierte Theologie und lehrte an den Universitäten in Wittenberg und Erfurt. In Wittenberg hatte er seine zentrale Eingebung: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben”. Seiner Kritik am Ablasshandel folgte 1517 die Verbreitung der 95 Thesen, was zum Konflikt mit dem Papst in Rom und dem Kaiser führte. 1521 wurde Luther vor dem Reichstag in Worms verhört und daraufhin wegen der Reichsacht auf der Wartburg als „Junker Jörg” versteckt. Dort begann er mit der Übersetzung des Neuen Testaments, das 1522 in deutscher Sprache erschien. 1525 wendete er sich öffentlich gegen die aufständischen Bauern, die endgültig niedergeschlagen wurden. Im selben Jahr heiratete er Katharina von Bora. 1534 erschien die Gesamtausgabe von Luthers Bibelübersetzung und am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben.

    Beim Erzählverlauf wechseln sich jeweils die Geschichte Martin Luthers, aus dessen Perspektive in Ich-Form erzählt und ein Sachkapitel ergänzend ab. Einerseits wird man so in die Gedankenwelt des Reformators versetzt und kann seine Entwicklung, seine Gedanken und sein Handeln verstehend nachempfinden; er wird als vielschichtige Persönlichkeit - auch mit Ängsten und Zweifeln - erfahrbar.
    Andererseits liest man viel Wissenswertes über das Schul- und Lehrsystem sowie den Glauben im Mittelalter, das Klosterleben, die politische Lage, Reichstage und Konzile, Luthers Persönlichkeit, die Entstehung der Luther-Bibel etc. Erklärt wird zudem der neue Glaube der Reformation, der zu einer Erneuerung der christlichen Kirche, aber letztlich auch zur Spaltung führte. Durch dieses Konzept entsteht eine gewisse Distanz, die den Leser davor bewahrt, sich zu stark mit dem Denken Martin Luthers zu identifizieren.

    Denn ungeachtet der unbestrittenen Bedeutung des Reformators, gibt es auch Schattenseiten. Mit markigen Worten rief er dazu auf, den Bauernaufstand niederzuschlagen und stellte sich dabei auf die Seite der Fürsten. Genauso kritisch sind seine Schriften gegen die Juden zu lesen. Es spricht für dieses Buch, dass das jeweils nachgeschobene Sachkapitel bei diesen heiklen Themen die historische Lage erklärt und Luther hinterfragt.

    Im letzten Kapitel „Luther - der große Reformator” - gibt der Autor Anstoß, über dessen weitergehende Bedeutung nachzudenken: „Die Menschen gewannen an gedanklicher und persönlicher Freiheit. So führte diese Entwicklung schließlich zu einer Trennung von Kirche und Staat und erlaubte alle möglichen Formen von Religion, auch den Atheismus.”

    In einem Anhang wird Luthers Leben in einer Zeittafel dokumentiert. Es folgen einige Luther-Worte, die wichtigsten Luther-Gedenkstätten sowie ein Glossar.

    Der Arena-Verlag empfiehlt, den Titel für Kinder ab 11 Jahren erst ab der 6. Klasse einzusetzen. Natürlich können selbst Erwachsene das Buch noch mit Gewinn lesen.

    Die neue Ausgabe ist hochwertiger ausgestattet als die Klappenbroschur der Vorauflage von 2007; sie wurde textlich stark überarbeitet und aktualisiert, ebenso wurde das Design erweitert.

    Der Autor steht deutschlandweit für Lesungen zur Verfügung. Andreas Venzke setzt sein Buch dabei als szenische Lesung um, indem er die Sachtexte als Autor vorträgt und für die biografische Erzählung die Rolle von Martin Luther übernimmt.
    Veranstaltungsangebot des Arena-Verlags: www.arena-verlag.de/sites/default/files/lesungsangebot_venzke_luther.pdf


    (Sabine Teigelkämper)

     

    Venzke, Andreas:
    Martin Luther : die Freiheit des Wortes und das Lauffeuer der Reformation / Andreas Venzke ; Innenillustration: Klaus Puth. - Würzburg : Arena, 2017. - 141 Seiten : Ill. ; 21 cm
    ISBN 978-3-401-60251-6 fest geb. : EUR 14,99

     

     

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    Teigelkämper, Sabine

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