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    Schulbibliotheksporträts

    Die Lesewerkstatt der Grundschule Karlstadt –
    eine Alternative zur klassischen Schulbibliothek

    Eingang
    Ausruhen und Lesen
    Gemütliches Schmökern
    Gemütliches Schmökern in der Gruppe
    Kreatives Gestalten
    Kreatives Gestalten im Team
    Ecke "Leseleicht"
    Fotos: Grundschule Karlstadt
    Größere Bilder in der Bildergalerie

    Die Idee zur Einrichtung einer Lesewerkstatt in der Grundschule Karlstadt entstand bereits 2013, als durch sinkende Schülerzahlen weniger Klassen gebildet werden konnten und ein Klassenzimmer frei wurde. Werkstätten zu verschiedenen Fächerbereichen sind in den letzten Jahren im Grundschulbereich modern geworden, weil sie alternative, entdeckende Formen des Lernens ermöglichen und einer sehr heterogenen Schülerschaft gerecht werden können. Auf die Einrichtung einer klassischen Schulbibliothek wollten wir verzichten, da zum einen die individuellen Klassenbüchereien mit Ausleihmöglichkeit erhalten werden sollten (damit Kinder auch weiterhin im Klassenzimmer die Möglichkeit zum Lesen haben, z.B. morgens vor Schulbeginn, bei Hauspausen oder freien Zeiten) und wir auch keine Konkurrenz zur ausgezeichneten Karlstadter Stadtbibliothek schaffen wollten. Darüber hinaus wäre eine Bibliothek mit Ausleihmöglichkeit sowohl von der Finanzierung wie auch von der personellen Betreuung her kaum möglich gewesen.

    Von der ersten Idee einer Lesewerkstatt bis zur Ausführung vergingen jedoch gut zwei Jahre. Erst mussten wir selbst uns klar werden, in welche Richtung der Raum gestaltet werden sollte und – nicht weniger von Bedeutung – wie das Projekt finanziert werden könnte. Dazu benötigten wir ein Konzept, um potentielle Geldgeber von unserem Vorhaben zu überzeugen.

    Zunächst wurde durch eine Umfrage im Kollegium abgeklärt, welche Wünsche die Lehrer an die neue Lernstätte hatten und welche Ideen verwirklicht werden sollten. So kristallisierte sich schnell heraus, dass die Werkstatt zwei Bereiche abdecken sollte. Zum einen wünschten sich die Lehrer einen Raum mit Wohlfühlcharakter, in dem die Kinder in angenehmer Atmosphäre Lust zum Schmökern bekommen und Leseinteresse geweckt wird. Zum anderen waren Möglichkeiten gewünscht – und das impliziert ja auch der Begriff Werkstatt – hier produktiv zu arbeiten, ohne dass der Raum allzu stark an ein Klassenzimmer erinnert. Wie selbstverständlich kamen hier auch die zwei wesentlichen Bereiche des Lehrplans zum Lesen zum Tragen: Förderung und Erweiterung der Lesefreude und der Lesekompetenz.

    Ein Glücksfall für die Schule war es, dass sich eine Mutter, die als Innenarchitektin tätig ist, zur Planung der Werkstatt bereit erklärte. Ihr Entwurf fand sofort Anklang bei uns. Bis auf eine große Bücherwand ist das gesamte Mobiliar flexibel und leicht umzustellen. Niedrige Bücherregale sind auch als Arbeitstische für die Kinder nutzbar. Ebenso zwei unten offene Bänke, auf denen Kinder arbeiten und/oder sitzen können, unter denen aber auch Bücherkisten oder Sitzwürfel Platz finden. Die Dreieckstische auf Rollen sind schnell zur Seite oder aber zu großen Gruppentischen zusammengeschoben. Und eine beträchtliche Anzahl fester Sitzwürfel bietet jedem Schüler bei Bedarf eine Sitzmöglichkeit; genauso lässt sich durch Zusammenschieben eine größere Liegefläche herstellen. Und wenn die Kinder an höher stehende Bücher im Regal herankommen wollen, lassen sich die Würfel auch als Steighilfe verwenden. Sehr beliebt bei den Kindern sind auch die zwei roten „Lümmelsofas", vor allem, weil sie hier gut zusammen in ein Buch schauen können.

    Von der Farbgestaltung her ergänzen sich die eher im dezenten Hellgrau gehaltenen Wände, der Teppichboden und die in kräftigen leuchtenden Farben gehaltenen Sitzmöbel perfekt. Als natürliche Raumteiler wurden schmale Birkenstämme verwendet, die nicht komplett abschirmen, aber dem Raum dennoch Struktur geben. Sehr gut kann man diese Stämme auch verwenden, um Arbeiten der Kinder (z.B. Plakate) anzupinnen.

    Geklärt werden musste schließlich noch, welche Medien in unserer Lesewerkstatt Einzug halten sollten. Neben einer großen Auswahl an Kinder- und Jugendliteratur, die sowohl dem Leseanfänger wie auch unseren fortgeschrittenen Lesern reizvolle Werke bieten, war es uns wichtig, auch möglichst viele Sachbücher und evtl. Kinderzeitschriften zur Verfügung zu stellen. Denn die Werkstatt sollte auch für Bereiche des Sachunterrichts wertvolle Informationsquellen bieten. Ebenfalls wesentlich erschien uns die Anschaffung von Leselernspielen, da hierbei das Lesen bei vielen Kindern nicht als „Arbeit" empfunden wird.

    Sehr gerne hätten wir auch die Einrichtung mindestens dreier Computerplätze gesehen, da wir den Kindern gerne ermöglicht hätten, das Computerprogramm Antolin in der Schule kennenzulernen und auch eigenständig damit zu arbeiten. In unserem alten Schulgebäude wären zum damaligen Zeitpunkt aber noch einmal enorme Kosten entstanden.

    Um ein einfaches Ordnungssystem für die Kinder einzurichten, wurden die verschiedenen Bücher- und Medientypen von uns lediglich mit Farbpunkten markiert. Mit denselben Farben sind auch die Regale beschriftet, sodass die Kinder sich schnell orientieren und ihre Bücher zurückstellen können.

    Finanziert wurde die Lesewerkstatt zum größten Teil durch den Träger der Grundschule, die Stadt Karlstadt. Darüber hinaus beteiligten sich erfreulicherweise auch die Sparkasse Mainfranken sowie der Lions Club v.a. bei der Anschaffung der Medien.

    Mittlerweile wird die Lesewerkstatt seit gut eineinhalb Jahren von allen gerne besucht und geschätzt. Jeder unserer 15 Klassen wurde eine feste Stunde in der Woche zugewiesen, die je nach Bedarf genutzt werden kann. Die freien Stunden können nach Absprache belegt werden, gerne üben auch ehrenamtliche Lesepaten dort mit ihren „Patenkindern" in angenehmer Atmosphäre und bei tollem Leseangebot. Zukünftig wünschen wir uns jedoch noch weitergehende Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Vorlesetage oder -wettbewerbe und vor allem in näherer Zukunft die Ausstattung mit einigen Computerplätzen.

    Barbara Weißhaar

     

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