• Start
  • >Fachinformation
  • >Schulbibliothek
  • >Schulbibliotheksporträts
  • >Straubing, Anton-Bruckner-Gymnasium
  • Partner


    Bayerische Staatsbibliothek
    Bibliothekarische Fortbildung in Bayern
    Bibliotheksportal Fachstellen-Server
    Leseforum Bayern
    Stadtkultur Netzwerk bayerischer Städte e.V.

    Schulbibliotheksporträts

    Anton-Bruckner-Gymnasium Straubing
    Zusammen mit der Landesfachstelle und der Stadtbibliothek entsteht ein gelungenes Schulprojekt

    Theke
    Theke
    Arbeitsplätze
    Leseecke
    Arbeitsplätze
    Lesebücherei-Podest

    Größere Bilder in der Bildergalerie
    © Dr. Albert Kitzinger <br>und Stefan Angerer

    Seit nunmehr drei Jahren besitzt das Anton-Bruckner-Gymnasium einen schönen Schulgarten. Alles wächst und gedeiht prächtig, sogar Bienenkörbe sind aufgestellt, und die Schüler vor allem der Ganztagesklassen kommen gerne und helfen mit. Hier fehlt es also dem Schulbetrieb an nichts. Doch blickte man bis vor einem Jahr in die Bibliothek, konnte man zwar einen großen Buchbestand, aufgereiht in wenig einladende Regalreihen, der bis in die verstaubte Gründerzeit des Gymnasiums als ehemalige „Lehrerbildungsanstalt“ zurückreichte, bestaunen, mehr aber auch nicht. Nur wenige Schüler nutzten die Bibliothek – sei es, um sich mit Lesestoff aus der in verschließbaren Stahlschränken verwahrten Kinder- und Jugendbücherei zu versorgen, oder sei es, um für Referate und Abschlussarbeiten zu recherchieren. Hier tat ein Zettelkasten sein Übriges, der manch älteren Lehrer nostalgisch an seine Studienzeit erinnerte, als Bibliographien noch nicht per Mouseklick abrufbar waren. Dass die Bibliothek es dem Schulgarten gleichtat und zur anregenden und kontemplativen Stätte zugleich wurde, war ein großes Anliegen der inneren Schulentwicklung des Gymnasiums.

    Der Umbau mit Radikallösung

    Ein äußerer Anlass, das Konzept „Schulbibliothek“ neu zu denken, ergab sich mit der Erneuerung des Teppichbodens im Bibliotheksraum sowie der Brandschutzüberprüfung des Gebäudeteils. Wenn schon für die Bodenerneuerung ausgeräumt werden musste, dann richtig: Mobiliar, Regale, Buchbestand, EVD-Ausstattung und vieles mehr wurden reihum einer kritischen Prüfung unterzogen, und nichts hielt ihr Stand. Folglich entschied man sich für die Radikallösung: Die Schulbibliothek des Anton-Bruckner-Gymnasiums sollte von Grund auf renoviert werden und das bisherige Konzept einer modernen Lese- und Schulbücherei weichen. In der Folge wurden die Architekturbüros Gartner Straubing und Vision Point GmbH Röckingen beauftragt, eine neue Raumlösung zu entwerfen. Gleichzeitig wurde Kontakt mit der Stadtbibliothek Straubing aufgenommen, denn es war schnell klar, dass ohne eine deutliche Bestandsreduzierung kein Neuaufbau stattfinden konnte.

    Nun begann eine spannende Zeit, bei der die "innere Schulentwicklung" sich mit den Vorschlägen der Architekten beschäftigte und vor allem die einzelnen Fachschaften der Schule selbst mit ins Boot holen musste, um den Istbestand von knapp 17.000 auf einen Zielbestand von knapp 5.000 Medien zu reduzieren. Viel Überzeugungsarbeit im Schulkollegium war hier nötig. Auch die Vorgabe, dass zu einer attraktiven und leserfreundlichen Präsentation der Medien die Regalhöhe nicht mehr als zwei Meter betragen dürfe, musste im Konzept berücksichtigt werden. Doch gelang beides dank der tatkräftigen Unterstützung der Stadtbibliothek Straubing und der Bayerischen Staatsbibliothek mit ihrer Außenstelle in Regensburg. Ortstermine mit den Fachkräften der Bibliotheken und viele Beratungsgespräche halfen der Schule, ein Konzept zu entwickeln, das die Schulbibliothek zu einem zweiten Garten im Schulhaus - um an Cicero anzuknüpfen - machte.

    Das Raumkonzept

    Bei der Neukonzeption des Raums war es von Anfang an wichtig, für die jüngsten Leser einen Platz zu schaffen, der alleine für sie reserviert ist. Ein abgegrenzter Bereich mit Sitzlümmeln und gemütlichen Sofas lädt nun ein, im Medienbestand der Kinder- und Jugendliteratur zu stöbern und beim Lesen zu entspannen. Davon abgetrennt wurde der Bereich für die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe. Die Regale mit dem verbliebenen Bestand an Fachbüchern fungieren als Spanische Wand und schirmen den Ruhe- und Arbeitsbereich entlang der Fenstergalerie ab. Computerarbeitsplätze sowie die Ausleih- und Servicetheke sind zur rotleuchtenden Wendeltreppe gerückt, die den Zugang zum Ruhe- und Arbeitsbereich für die Lehrkräfte im Ersten Stock bildet. Didaktisches Material und den Unterricht betreffende Medien sind hierher ausgelagert.

    Da das Anton-Bruckner-Gymnasium mit seiner musischen Ausrichtung das Ziel verfolgt, die kreativen Ideen seiner Schülerinnen und Schüler zu fördern und ihren ästhetisch-musischen Begabungen Raum zu bieten, bildet die kleine Bühne im Zentrum der Bibliothek einen wesentlichen Bestandteil des Raumkonzepts. Lesungen, kleine Theaterstücke, Poetryslams haben nun ihren festen Aufführungsort in ansprechendem Ambiente. Da die Regale, die im Raum platziert sind, fahrbare Rollen haben und die Bühne mobil ist, lässt sich der Raum auch schnell zu einer Ausstellungsfläche umfunktionieren. Mehr lässt sich nicht aus 160 Quadratmeter Fläche herausholen!

    Die Bibliothek als "Lehrer der anderen Art" : Methodenschule

    Neben der Ausstattung galt es auch, die Bibliothek als Lernraum neu zu denken. Dazu mussten zunächst die Öffnungszeiten an die Bedürfnisse eines Gymnasiums mit vermehrtem Nachmittagsunterricht und Ganztagesklassen angepasst werden: Ausleih- und Aufenthaltszeiten bis in den Nachmittag hinein und ein Sichtfenster sowie eine Verbindungstür zum fest eingerichteten Hausaufgabenzimmer der Schule tragen dem Rechnung. Wer für eine Hausaufgabe etwas zu recherchieren hat oder einfach nur einmal schnell etwas nachschlagen möchte, kann auf kurzem Weg in die Bibliothek hinübergehen. Der Hausaufgabencoach ermutigt dazu, denn Lesekompetenz ist zugleich auch Methodensicherheit im Umgang mit Informationsquellen.

    Damit sich ein Schüler schnell und problemlos in der Bibliothek zurechtfindet und vor allem Eigenständigkeit gewinnt, wurde ein doppelter Weg beschritten: Zum einen wurde der gesamte Medienbestand neu katalogisiert und ist nun auf der Schulhomepage leicht über eine entsprechende Schlagwortsuche zu recherchieren. Zum anderen wurde beschlossen, die bisherige Mediensignatur durch Klartextbeschriftung zu ersetzen, damit die Schüler mit einem Blick auf den Buchrücken sich Themengebiete direkt am Regal erschließen können. Auch hier erwiesen sich die Stadtbibliothek Straubing, die dieses Signaturmodell in ihren Räumen pflegt, und die Landesfachstelle als unerlässliche Projektpartner mit Ermutigung für diesen Weg und Hilfestellung bei der Umsetzung.

    Kooperation mit der Stadtbibliothek Straubing

    Doch mit schön gestalteten und gut ausgestatteten Räumen ist es wie mit einem Garten, dessen Beete neu angelegt und Rabatten neu bepflanzt sind. Ohne Pflege ist der Zauber des Neuen schnell verfolgen, und ohne kundigen Gärtner liegt der Garten innerhalb kürzester Zeit brach. Das Know-How der bibliothekarischen Fachkräfte vor Ort und deren Möglichkeiten in einer Kooperation mitzunutzen, ließ die Idee eines gemeinsamen Leseausweises entstehen. Mit Beginn des Schuljahres 2015/16 bieten die Stadtbibliothek Straubing und das Anton-Bruckner-Gymnasium eine gemeinsame Lesekarte an, die für die jüngeren Schüler die Auswahl immens erweitert und den älteren Schülern vor allem die Möglichkeit gibt, das breite Angebot digitaler Medien zu nutzen. Munzinger Archiv und Onleihe sind für sie unter anderem kostenfrei zugänglich. In der Kooperation sind zudem für die 6., 8., 10. und 11. Jahrgangsstufe obligatorische thematische Bibliotheksrallyes und –workshops vereinbart. Denn ein Schlüssel für das Zurechtfinden in der vernetzten Welt der I-Phones und Tablet-Pcs ist die Lesekompetenz, die jedoch dem Leser viel mehr abverlangt als genussvolles Satz-für-Satz-Entschlüsseln. Querlesen, schnelle Informationsentnahme, das Einschätzenkönnen von Internetquellen und kluge Recherche gehören zum kompetenten Lesen genauso dazu wie das selbstvergessene „Seitenfuttern“. Die Kooperation von Stadtbibliothek und Gymnasium möchte für beides werben.

    Ausblick

    Vieles wurde durch den Umbau auf den Weg gebracht, doch beendet ist der Prozess noch lange nicht. Jetzt, nach der Radikalkur, geht es um die Bestandspflege und den Bestandsneuaufbau der Medien. Kreative Ideen brachten ein kleines Investitionspolster für Neuanschaffungen: Ein Teil der Einnahmen des Weihnachtsbasars sowie des Spendenlaufs an der Schule ist für die Bibliothek reserviert, damit die Kinder- und Jugendbücherei, aber auch die Fachbereiche auf den neuesten Stand gebracht werden können. Doch auch hier gilt es, das Alter der Leser und die intendierte Nutzung mitzubedenken. Ein neuer Fachwälzer mag einer Lehrkraft an der Schule Freude bereiten, doch das Gros der jugendlichen Bibliotheksnutzer wird nicht danach greifen. Das ist eine Gratwanderung, die genauso schwer ist, wie das Umdenken bezüglich des Profils: Die Schulbibliothek ist ein Lernort und kein absoluter Silentiumraum. Unterrichtsstunden, die hierher verlagert sind, tragen dem Zug um Zug in Kraft tretenden Lehrplan Plus Rechnung. Dieser definiert Kompetenzen - und eine der zentralen Kompetenzen ist die des Lesens. Eine funktionierende Bibliothek ist ein geeigneter Ort dafür, und somit ein Auftrag für den „Gärtner“.

    Andrea Astner

     

    Weiter zu den  Kenndaten

    Weiter zur Bildergalerie (PDF; © Dr. Albert Kitzinger und Stefan Angerer)

    Materialien

    Bildergalerie Anton-Bruckner-Gymnasium Straubing (PDF; © Dr. Albert Kitzinger und Stefan Angerer)

    Kenndaten

     

     

    © Bayerische Staatsbibliothek