Einführung

Bibliothekspädagogik

Immer stärker entwickeln sich Bibliotheken zu Lernorten – sowohl in der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Kindergärten und Schulen, als auch als Teil des lebenslangen Lernens. In diesem Zuge entstehen immer wieder neue und vielfältige Aufgabenfelder wie etwa Sprachförderung oder Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz. Deshalb ist der Bedarf an bibliothekspädagogischen Kenntnissen und Fähigkeiten hoch.

Die Bibliothekspädagogik umfasst alle Bildungs- und Vermittlungsaktivitäten, die auf einer pädagogisch-didaktischen Grundlage beruhen. Sie berührt fast alle Arbeitsbereiche einer Bibliothek und reicht von einer lernfördernden Umgebung bis zur methodischen Gestaltung von Veranstaltungen. Die bibliothekspädagogische Arbeit kann auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet sein - Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler, Erwachsene, Familien, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten oder Lehrerinnen und Lehrer.

Broschüre (PDF)
Leseförderung in Bibliotheken:
Unterstützung durch die Landesfachstelle

Leseförderung

Ein sehr wichtiger Bereich der Bibliothekspädagogik ist die Leseförderung, die auch bisher schon von den allermeisten Bibliotheken als Kernaufgabe gesehen wird. Als Leseförderung bezeichnet man alle Maßnahmen, die für Kinder oder Jugendliche konzipiert sind und der Förderung von Lesefertigkeit und im weiteren Sinne von Medienkompetenz dienen. Leseförderung soll Freude am Lesen wecken, die Lesekompetenz verbessern, zum regelmäßigen Lesen motivieren und das Interesse an Büchern und Literatur stärken.

Es gibt etliche Methoden, Konzepte und Initiativen zur Leseförderung. Bibliotheken können vor allem den Spaßfaktor des Lesens betonen und sind damit gegenüber der Schule, wo die Lesefähigkeit der Kinder und Jugendlichen nicht ohne Anstrengung erarbeitet werden muss, im Vorteil.

Wir haben eine Broschüre erstellt, die Sie über unsere verschiedenen Projekte und Angebote im Bereich der Leseförderung informiert (siehe Infobox). Mit diesen Angeboten werden Bibliotheken zu wichtigen Bildungs- und Kooperationspartnern von Kindergärten und Schulen. Sie tragen damit bedeutend zur Sprach- und Leseförderung bei. Lassen Sie sich von unserer Broschüre inspirieren und ergänzen Sie Ihr eigenes Veranstaltungsportfolio!

Die meisten Leseförderungsmaßnahmen sind auch ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Über solche Aktionen wird gerne berichtet, weil Leseförderung ein gesellschaftspolitisch anerkannter Auftrag der Bibliothek ist. Schließlich ist Lesefähigkeit eine Schlüsselkompetenz, die Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe erst ermöglicht.

Maßnahmen zur Leseförderung greifen vor allem dann, wenn verschiedene Partner wie Eltern, Kindergarten und Schule, Bibliotheken, Buchhandlungen und Verlage und nicht zuletzt die Politik kooperieren, sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Kindergarten oder der Schule finden Sie in der Rubrik Bibliothek, Schule, Bildungspartner.

Frühförderung und Literacy

Bereits im Baby- bzw. Kleinkindalter werden Weichen gestellt, wie kompetent man später mit Sprache und Schrift umgehen kann (Literacy). Es ist in dieser Zeit entscheidend, einem Kind möglichst viel zu erzählen, vorzulesen, gemeinsam etwas zu betrachten und über Erfahrenes zu sprechen. Längst ist es nicht mehr selbstverständlich, dass diese wichtige Aufgabe das Elternhaus übernimmt oder z.B. bei Migrantenkindern leisten kann. Deshalb hat die Bibliothek die Aufgabe, Eltern für das Vorlesen und den frühkindlichen Umgang mit Sprache und (Bilder-)Büchern zu sensibilisieren und zu unterstützen.

Geschlechtersensible Leseförderung

Die zentralen Ziele der Leseförderung sind prinzipiell gender-übergreifend. Jedes Kind sollte vielfältige und, vom Geschlecht unabhängige, attraktive Leseerfahrungen machen können. Besonders wichtig ist ein breites und differenziertes Medienangebot (Themen, Schwierigkeitsgrade, Genres). Dieses sollte möglichst verschiedene Lebensentwürfe widerspiegeln und den geschlechtsspezifischen Lesepräferenzen von Mädchen und Jungen Rechnung tragen. Klar ist, dass das Leseverhalten von Kindern nicht durch vereinzelte Veranstaltungen kollektiv umgestaltet werden kann. Vielmehr geht es darum, Impulse zu setzen, das Lesen als eine erlebbare und wertvolle Praxis darzustellen. Bibliotheken können einen Raum bieten, damit Kinder das Lesen als positive Gemeinschaftspraxis erfahren können. Außerdem besteht die Möglichkeit, negative Verknüpfungen aufzulösen (z.B. Lesen ist langweilig oder stereotype Zuordnung "Lesen ist unmännlich").

Hilfreich kann sein, die Interessen der zu fördernden Kinder zu erforschen, gemeinsam zu diskutieren und diese anschließend zielgerichtet zur Leseanimation einzusetzen. Jede Bibliothek sollte individuell entscheiden, in welcher Form sie Jungen und Mädchen gezielt oder getrennt fördern kann, ohne dass dies als ausgrenzend wahrgenommen wird. Beispielweise könnten männliche Bezugspersonen in der Lesestunde vorbildhafte Wirkung entfalten. Es geht hier weder um das Beibehalten von überkommenen Rollenvorstellungen noch um Gleichsetzung.

Barrierefreies Veranstaltungsangebot

Für Veranstaltungen gilt Ähnliches wie für Bestand und Öffentlichkeitsarbeit: Breitenwirkung kann durch gezielte Kontaktaufnahme verwirklicht werden. Außerdem durch die Berücksichtigung verschiedener Bedürfnisse und die ausdrückliche Einladung und Ansprache von Nicht-Nutzenden. Im Infokasten ist eine Orientierungshilfe verlinkt, die Hinweise zur Barrierefreiheit auch hinsichtlich Veranstaltungen in Bibliotheken enthält.

Barrierefreiheit, Inklusion und Diversität

Orientierungshilfe im Bibliotheksalltag
 

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