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    Oberbayerischer Bibliothekstag in Bad Aibling

    29.07.13

    Wissen – Leben – Lernen: Die Bibliothek kann’s

    Rathaus Bad Aibling

    Publikum

    Prof. Dr. Klaus Maiwald,
    Augsburg

    Heike Christiane Daume,
    Villingen-Schwenningen

    Rund 70 Kolleginnen und Kollegen aus kommunalen Bibliotheken trafen sich am 15. Juli 2013 zum 4. Oberbayerischen Bibliothekstag in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim). In fünf Vorträgen wurde eine Auswahl unterschiedlicher Möglichkeiten und Chancen für die Bibliothek als lebensbegleitender Ort des Lernens vorgestellt.

    Wie bereits in den Vorjahren haben der Bibliotheksverband Oberbayern e. V. (BVO) und die BSB/Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen die Tagung veranstaltet, organisatorische Unterstützung leistete die Stadt Bad Aibling. Veranstaltungsort war die im Oktober im neuen Rathaus eröffnete Stadtbücherei (ausführliches Porträt in BFB 2013, Heft 3, Seite 196 – 199). Diese verfügt nicht zuletzt über langjährige Erfahrung in Sachen Kooperation mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. BVO-Geschäftsführer Olaf Eberhard, Leiter der Landkreisbibliothek Erding, und Felix Schwaller, Erster Bürgermeister von Bad Aibling und Vorsitzender des BVO, begrüßten die Gäste. Die Moderation des Programms lag in den Händen von Ute Palmer-Horn, Leiterin der Fachstelle München.

    Als erster Referent des Vormittags beschäftigte sich Prof. Dr. Klaus Maiwald, Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Augsburg, mit Bedeutung, Inhalten und Zielen der Leseförderung.
    Lesen lässt sich zunächst durch Maßnahmen fördern, die den technischen Leseprozess und das Leseverstehen unterstützen; darauf aufbauend durch Methoden, die zum Viellesen animieren und ein positives subjektives Bild vom Lesen schaffen; schließlich durch Aktivitäten, die Lesen als eine soziale Praxis erfahrbar machen. Dies geschieht u. a. durch den Besuch außerschulischer literarischer Lernorte wie Buchläden oder Bibliotheken, durch Autorenlesungen oder Lesenächte. Prof. Maiwald plädiert für einen „anregenden Literaturunterricht“, in dem etwas weiter und wilder gelesen werden darf, in dem Texte nicht nur analysiert, sondern auch sinnlich erfahren werden, z. B. über Vorlesen oder szenisches Gestalten. Klassiker kann man so zum Leben bringen, notwendig ist aber auch der verstärkte Einsatz guter Kinder- und Jugendliteratur.
    Leseförderung muss letztlich dafür sorgen, dass junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und sozialen Schicht einen Zugang zum Bildungsangebot Literatur bekommen.

    Anschließend ging Ute Palmer-Horn auf die im Dezember 2012 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung „Bibliothek und Schule“ zwischen dem Kultusministerium, Wissenschaftsministerium und Bayerischem Bibliotheksverband e. V. (BFB 2013; Heft 2, S. 94 – 97) sowie die Beratungstätigkeit der BSB/Landesfachstelle im Schulbibliotheksbereich ein.

    In ihrem Beitrag über „20 Jahre gelebte Kooperation“ zeigte Heike Christiane Daume, ehemalige Projektkoordinatorin der Bertelsmann Stiftung, die Entwicklung eines Modells auf, das bundesweit anerkannt und nachahmenswert ist. Sie ist im Bibliothekssystem von Villingen-Schwenningen (rund 82.000 Einwohner, Oberzentrum, Kreisstadt in Baden-Württemberg) für die Zusammenarbeit von Bibliothek und 27 allgemeinbildenden Schulen zuständig.
    Die rechtliche Grundlage bildet eine von der Kommune angeregte Partnerschaftsvereinbarung aus dem Jahr 2000. Herzstück ist ein kooperativer Arbeitskreis aus Lehrkräften sowie dem Leseförderungsteam der Stadtbibliothek. Dieser trifft sich zweimal jährlich und gibt für Partner und Interessierte einen zweimonatlichen Newsletter heraus. Den Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien werden über 30 verschiedene Leseförderungs-Bausteine angeboten: Seminarapparate und Schulpräsentationen; Klassenführungen (jährlich rund 200 mit ca. 4.700 Schülern), Bibliotheks-Rallyes und Lernbuffets für die 1. Klasse bis zur 12. Kursstufe. Die Palette reicht u.a. von der Erstklässler-Aktion „Wir lernen den Lesekönig kennen!“ über Experimente zum Thema Wasser bis zu Recherche-Einführungen unter dem Motto „OPAC? Okay!“. Besondere Aktionen waren das Literaturprojekt „Schiller? Schillert!“ und „Bienvenue á la bibliothèque!“ für französische Austauschklassen; auch der Literaturpreis des Oberbürgermeisters für Schulklassen ist erwähnenswert.
    Ergänzend zum Bildungsplan wurde gemeinsam mit Lehrkräften ein Spiralcurriculum, bestehend aus Unterrichtseinheiten für die Jahrgangsstufen 1 mit 10, entwickelt. Die Angebotsliste der aufeinander aufbauenden Leseförderungsmaßnahmen richtet sich an alle Schularten, sprachliche, geistes- und naturwissenschaftlich ausgerichtete Fächer einbezogen. Die Bandbreite umfasst dabei Klassenführungen unterschiedlichen Zuschnitts, Medienpräsentationen sowie Unterricht in der Bibliothek.
    Mit Begeisterung folgten 20 Tagungsteilnehmer der Aufforderung Frau Daumes, den Baustein "Der schönste erste Satz" in die Praxis umzusetzen.

    Bei der Mitgliederversammlung des BVO erläuterte Olaf Eberhard den Jahresbericht 2012 und machte auf Angebote wie Reorganisation von Bibliotheksbeständen und Förderung der Öffentlichkeitsarbeit aufmerksam. So kann eine Reihe von Wanderausstellungen bei der Geschäftsstelle kostenlos geordert werden. Für die Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" im Herbst werden für ca. zehn Veranstaltungen in Bibliotheken insgesamt 2.000 Euro bereitgestellt. Der Münchner Lyrikpreis (eigener Preis des BVO) wird wieder mit 250 Euro unterstützt. Darüber hinaus kommen sechs Bibliotheken in den Genuss von Autorenlesungen, die der BVO finanziert: eine erhielt die Stadtbücherei Bad Aibling als Gastgeschenk, die anderen wurden unter den Tagungsteilnehmern verlost.

    Anschließend informierte Ute Palmer-Horn anhand der Jahresstatistik 2012 über Bestands- und Ausleihzahlen, Bauprojekte und Neugründungen von Onleiheverbünden im Regierungsbezirk Oberbayern und gratulierte den Bibliotheken, die beim BIX 2013 Spitzenergebnisse erzielen.

    Nach dem Mittagsimbiss führte die Leiterin der Stadtbücherei Bad Aibling, Hiltrud Braun, durch die Räumlichkeiten der Bibliothek und demonstrierte die gelungene Umsetzung eines benutzerfreundlichen Konzepts. Auf besonderes Interesse stießen bei den Gästen die ansprechende Inneneinrichtung, die RFID-Selbstverbuchung und die neu eingeführte Klartextsystematik.

    Zum Nachmittagsprogramm leitete Anja Flicker, Leiterin der Stadtbücherei Würzburg, mit einem Praxisbericht über „10 Jahre Lernstudio und –werkstatt“ über. Auf etwa 130 m² im Dachgeschoss des Falkenhauses findet man ein attraktives Medienangebot zum Themenfeld „Lernen & Arbeiten“, ergänzt durch multmediale Arbeits- und Lernplätze. Das Konzept des EU-Projekts (Sokrates/Grundvig) mit dem Titel „Public Libraries in the Learning Society“ (PuLLS) basiert darauf, Modelle für das lebenslange Lernen zu entwickeln.
    Das in Kooperation mit der vhs angebotene Schulungsprogramm ist modular aufgebaut; Ziele sind u.a. Schlüsselkompetenzen zu verbessern, Bewerbungen und Stellensuche zu erleichtern sowie traditionelle und virtuelle Lernhilfen bereitzustellen. Die „Lernwerkstatt“ bietet jährlich - unter Beteiligung des Bibliotheksteams – ca. 40 Veranstaltungen mit 500 Teilnehmern an, darunter viele ältere Bürger. Besonders geschätzt wird auch die firmenneutrale Beratung bei der Anschaffung digitaler Geräte wie E-Book-Reader oder Smartphone.

    Anschließend präsentierte Monika Blank, Leiterin Marketing und Vertrieb der Munzinger Archiv GmbH, einige der Online-Datenbanken ihres Unternehmens wie Biographien, Länderinformationen oder Literatur-Film-Musik, die auch untereinander verlinkt sind. 1997 entstand Munzinger Online als Informationsdienst im Internet. Munzinger beschafft, bewertet und überprüft Informationen. Diese werden objektiv und zuverlässig dargestellt, zitierfähig aufbereitet, laufend aktualisiert und sind rund um die Uhr abrufbereit. Für Bibliotheken bietet Munzinger zusätzlich umfassende Serviceleistungen wie internen und externen Direktzugang, Verlinkung, kostenlose Katalogdaten und Unterstützung der Pressearbeit.

    Last but not least stellte Margareta Lindner aus der Münchner Stadtbibliothek das Projekt „Lebende Bibliothek“ vor. Mit diesem erstmals im Jahr 2000 im dänischen Roskilde umgesetzten und seither in vielen Ländern erprobten Veranstaltungsformat will man Vorurteilen und Diskriminierung entgegentreten. Zusammen mit der Initiativgruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e. V. lädt die Bibliothek zu einem halbstündigen Gespräch mit Menschen aus Randgruppen ein. Wer sich darauf einlässt, lernt den Alltag von Behinderten, Suchtkranken, Migranten oder auch von Personen in „besonderen Lebenslagen“ (z.B. Banker, Lehrer oder Polizisten) kennen; den Zugang zu diesen Leuten ermöglichen die jeweiligen Interessenvertretungen wie Ausländerbeirat oder Behindertenbeauftragte. Erfahrungsgemäß sind die Begegnungen mit diesen „lebenden Büchern“ vor allem für Schüler, aber auch Bildungsorientierte wichtig und hilfreich. Am Tag der offenen Tür im Dezember 2012 fanden im Lesesaal in der Zentralbibliothek Am Gasteig 34 Gespräche mit insgesamt 45 Personen statt.

    Fazit: Ein lohnender Tag in angenehmer Umgebung mit einer Fülle von Anregungen für die Bibliotheksarbeit vor Ort und Gelegenheit zum fachlichen Meinungs- und Erfahrungstausch. Das durchweg positive Teilnehmerecho bestätigte einmal mehr, dass die Organisatoren mit diesem Konzept der Regionalveranstaltung auf dem richtigen Weg sind.


    Von: Franz Käßl

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