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    Aus der Landesfachstelle

    16.03.16

    Fortbildungsreihe "Herausforderung Flüchtlinge"

    Die Teilnehmer der Fortbildung in Nürnberg besuchen die Asylothek
    Foto: Asylothek Nürnberg

    (c) dbv

    Übergabe Medienbox an die Flüchtlinge
    Foto: Stadtbibliothek Straubing

    (c) arsEdition

    (c) Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, DIFOG-Gruppe CCN 50+

    In den letzten Wochen fand in Würzburg, München, Regensburg und Nürnberg die Fortbildungsreihe „Herausforderung Flüchtlinge“ statt. Hauptreferentin war Christina Walser, Leiterin der Gemeindebücherei Vaterstetten. Neben der allgemeinen Situation in Bayern berichtete sie von den Aktivitäten in der Gemeindebücherei Vaterstetten und der Zusammenarbeit der Bibliotheken im Landkreis Ebersberg.


    Grundsätzliches

    2015 wurden in Bayern über 67.000 Asylanträge gestellt, die meisten davon von geflüchteten Menschen aus Syrien, dem Kosovo, Albanien, Afghanistan und Irak. Frau Walser betonte, dass öffentliche Bibliotheken als kommunale Einrichtungen in der Pflicht stünden, sich zu engagieren. Dazu gehören einerseits die Angebote für die Flüchtlinge selbst und die Helferkreise. Erster Schritt hierfür sei es, die Lage vor Ort zu erkunden (wo gibt es Unterkünfte? Wie sind die Strukturen vor Ort? Wer hält sich dort auf – Männer, Frauen, Jugendliche, Familien? Welche Sprache, welche Grundkenntnisse?).
    Andererseits ist es auch die Aufgabe der Bibliothek, die bisherigen Leser zu informieren, um so zu einem gelungenen Miteinander beizutragen und der Kluft zwischen Einheimischen und Asylbewerbern entgegenzuwirken.
    Allerdings sollten Bibliotheken auch ihre Grenzen erkennen und nur anbieten, was tatsächlich durch die Mitarbeiter zu stemmen ist. Traumatische Fluchterfahrungen beispielsweise sollten unter fachlicher Obhut verarbeitet werden und gehören nicht in die Bibliothek. Außerdem empfiehlt Frau Walser, immer einen Medienbezug herzustellen und nicht ein allgemeines Beschäftigungsprogramm anzubieten.


    Raum, Technik und Medien

    Bibliotheken können Geflüchtete und Helfer vor allem durch drei Dinge unterstützen: Raum, Technik und Medien. Die Bibliothek als Ort stellt Arbeitsplätze mit entsprechender technischer Ausstattung zur Verfügung und kann als Treffpunkt dienen, beispielsweise für Sprachkurse und Sprachcafés.

    Für die Nutzung von Online- oder CD-ROM-Sprachkursen sind PCs oder zumindest der Zugang zum Internet via W-LAN notwendig. Benutzungsmodalitäten dafür sollten im Vorfeld klar festgelegt werden. Einige Bibliotheken bieten auch eigens Sprachlerncomputer an, so z.B. das BIZ Haßfurt.

    Bei den Flüchtlingen und den Helfern sind besonders Medien zum Spracherwerb beliebt (Medienliste der Landesfachstelle). Neben Wörterbüchern, Bildwörterbüchern und Sprachkursen sind hier auch Texte in leichter Sprache und Filme mit Untertiteln geeignet. Das Programm in leichter Sprache ist allerdings nicht immer ganz passend, da es oft Themen für Jugendliche aufgreift. Bei der Auswahl der Medien sind die Mutter- und Vermittlersprachen der neuen Leser zu berücksichtigen. Bei Non-Book-Medien ist zu klären, ob die benötigten (mobilen) Abspielgeräte verfügbar sind oder von der Bibliothek bereitgestellt werden können.
    Wichtig sind aber auch Medien, die den neuen Kulturkreis in Deutschland näherbringen, lokale Informationen sowie Informationen zum Asylrecht. Einige Bibliotheken berichteten, dass auch Reiseführer der Herkunftsländer und Landkarten gerne genutzt werden. Um die Medien optimal an einem Ort zu präsentieren, haben die meisten Bibliotheken ein Sonderregal zum Thema „Willkommen in Deutschland“ eingerichtet, einige kennzeichnen die Medien auch im Katalog mit einem bestimmten Schlagwort, z.B. Migration. Zur Vermittlung der Bestände bieten sich besonders Flyer in verschiedenen Sprachen, Führungen in Fremdsprachen und/oder mit Bildkarten und die Zusammenarbeit mit Helferkreisen an.

    Beispiele:
    Bücherei-interkulturell in Regensburg
    Angebote für Flüchtlinge in Nürnberg


    Benutzungsmodalitäten

    Als Identifikationspapiere, die für die Ausstellung eines Bibliotheksausweises erforderlich sind, besitzen Flüchtlinge in der Regel eine „Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender“ (white paper) oder eine Aufenthaltsgestattung. Diese können auch zur Orientierung für eine zeitliche Befristung des Ausweises dienen. Zu überlegen gilt es, ob der Ausweis kostenlos oder zu einem reduzierten Preis angeboten werden soll und ob damit der gesamte Bestand oder nur ein Sonderbestand genutzt werden kann. An einigen Orten gibt es auch „Bibliothekspaten“, die bei der Nutzung der Bibliothek unterstützen und beispielsweise bei Mahnschreiben eine Kopie erhalten.


    Fördermöglichkeiten

    • Bibliotheksförderung durch die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen
    • Lese- und Lernecken des Börsenvereins, mit Kooperationspartner aus dem Buchhandel
    • Fördermittel durch die Kirche, z.B. Erzbistum München und Freising
    • Fördermittel des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)
    • Lesen macht stark. Lesen und digitale Medien
    • Sponsoring, Sozialstiftungen, private Förderung

    Im Landkreis Ebersberg arbeiten Kreisbildungswerk sowie 17 öffentliche Bibliotheken aus dem Bereich der BSB/Landesfachstelle sowie des Sankt Michaelsbundes eng zusammen. Im Sechs-Wochen-Takt finden Arbeitskreis-Treffen statt, wobei die weitere Vorgehensweise organisiert und koordiniert wird. Beispielsweise decken verschiedene Bibliotheken unterschiedliche Schwerpunkte beim Bestandsaufbau ab und ergänzen sich so gegenseitig. Außerdem sind alle Bibliotheken mit den jeweiligen Helferkreisen vor Ort in Kontakt getreten.

    Handout zur Fortbildungsreihe

    Bei der Veranstaltungsreihe wurde in den verschiedenen Standorten der Landesfachstelle der anschließende Nachmittag durch Referenten aus den jeweiligen Regionen bestritten. In Würzburg brachten Ellen Räßler aus Kitzingen, in Regensburg Regina Herbst aus Straubing einen Erfahrungsbericht ein. In Nürnberg fand der praktische Teil der Veranstaltung vor Ort in der dortigen Asylothek statt, wo Günter Reichert das Konzept vorstellte
     
    Best-Practice-Beispiele:
    Stadtbibliothek Germering
     Gemeindebücherei Pöcking
    Stadtbibliothek Straubing

    Weitere Informationen:
    Linksammlung des Berufsverbandes Bibliothek e.V.
    Bibliotheksangebote für Flüchtlinge/Asylbewerber (Bibliotheksportal)
    Rubrik der Landesfachstelle


    Von: Julia Binder

    Weitere Meldungen zum Thema:
    Aus- und Fortbildung
    Interkulturelle Bibliotheksarbeit

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