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    Literaturpreis der Neuen Akademie

    23.10.18

    Maryse Condé erhält den "Ersatz-Literaturnobelpreis"

    (c) Unionsverlag

    Alternativ zum diesjährig nicht verliehenen Nobelpreis für Literatur hat die Neue Akademie in Stockholm 2018 einmalig den Literaturpreis der Neuen Akademie, quasi als Ersatz-Literaturnobelpreis, vergeben. Diese Auszeichnung erhält die Schriftstellerin Maryse Condé aus dem französischen Überseedepartement Guadeloupe. 

    "Maryse Condé ist eine große Geschichtenerzählerin, die ihren Platz in der Literaturgeschichte hat", so lobte die Jury Condés Werk als wichtigen Teil der Weltliteratur. In ihrer Arbeit beschreibe sie den Kolonialismus und das Chaos des Postkolonialismus … Mit Respekt und Humor erzähle sie davon und sei eine magische Erzählerin mit einzigartiger Sprache.

    Der Preis soll am 9. Dezember in Stockholm verliehen werden – einen Tag vor der Verleihung der Nobelpreise. 

    "Ich bin sehr glücklich über den Preis. Aber ich möchte etwas sagen – zusammen mit den Menschen aus Guadeloupe", sagte Maryse Condé in einer Videobotschaft, die bei der Preisverleihung gespielt wurde. "Guadeloupe ist ein kleines Land, das nur bei Hurricanes oder Erdbeben erwähnt wird. Und nun wird es für etwas anderes anerkannt. Das macht mich stolz und ich freue mich, den Preis dafür anzunehmen", so Condé.  

    Bekannt wurde sie vor allem durch die Familiensaga Segu, in der sie die Geschichte der westafrikanischen Familie Traoré erzählt (Segu: Mauern aus Lehm (1984). In Das verfluchte Leben (1987) schilderte sie den Weg einer karibischen Familie, die versucht, der Armut auf einer Plantage auf Guadeloupe zu entkommen.
    Neben den rund 20 Romanen hat Condé auch Kinderbücher, Erzählungen, Essays und Theaterstücke verfasst.

    Maryse Condé wurde vielfach ausgezeichnet, nebst anderen Preisen mit dem LiBeraturpreis 1988 für ihre Familiensaga Segu, mit dem Prix de l’Académie Française, dem Grand Prix Littéraire de la Femme, 1993 mit dem Prix Puterbaugh und 2009 mit der Trophée d’honneur des Arts Afro-Caribéens für ihr Gesamtwerk. 2018 erhielt sie den New Academy Prize für Literatur.  

    Maryse Condé (*1937 in Guadeloupe) studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne in Paris und lebte danach viele Jahre in Westafrika. Sie kehrte zurück nach Frankreich und konzentrierte sich dort auf das literarische Schreiben sowie wissenschaftliche Aufgaben. Sie lehrte als Universitätsdozentin in Paris, Berkeley und Maryland und wechselte 1995 an die Columbia University in New York. Seit der Gründung 1997 bis zu ihrer Emeritierung 2002 hatte sie den Vorsitz des Center for French and Francophone Studies inne.  

    Die "Neue Akademie" ist ein Zusammenschluss von knapp 130 Kulturschaffenden, die demokratisch über die Vergabe des Preises entschieden haben. Zunächst stellten schwedische Bibliothekare (!) eine Liste von 46 Autorinnen und Autoren zusammen, für die Interessenten weltweit in einer öffentlichen Onlineabstimmung ihr Votum (ca. 32 000 Stimmen) abgeben konnten; die endgültige Wahl traf die vierköpfige Fachjury dann aus vier Kandidaten. 

    Das Schluss-Trio bildeten die gebürtige Vietnamesin Kim Thúy, der britische Science-Fiction- und Fantasy-Autor Neil Gaiman sowie die Preisträgerin Maryse Condé. Haruki Murakami, der bekannteste unter den vier Finalisten – wie Condé bereits als Nobelpreiskandidat im Gespräch – zog sich aus der Konkurrenz zurück.

    Der Literaturnobelpreis wurde unter anderem aufgrund von internen Skandalen und dem Ausscheiden mehrerer Mitglieder in diesem Jahr ausgesetzt. Der neue Literaturpreis wird stattdessen einmalig, zum selben Termin, allerdings nicht mit demselben Preisgeld verliehen. Die Summe für den alternativen Literaturnobelpreis wurde über Crowdfunding im Internet und klassische Spenden gesammelt - bislang rund 100 000 Euro - und soll erst bei der Verleihung exakt feststehen. 

    Der Alternativpreis gewährleistet, dass auch 2018 ein internationaler Literaturpreis vergeben wird, er sei aber auch ein Protest gegen die Akademie.

    Der Gewinner des Literaturnobelpreises 2018 wird, so ist es geplant, erst im Oktober 2019 zusammen mit dem Literaturnobelpreis 2019 bekannt gegeben.

    Weitere Informationen:

    Biografie und Werkliste auf Wikipedia  

    Maryse Condé beim Unionsverlag


    Von: Sabine Teigelkämper

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