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    Leseforschung

    28.01.19

    Stavanger-Erklärung von E-READ: Zur Zukunft des Lesens

    (c) Pixabay

    Evolution of Reading in the Age of Digitisation (E-READ) ist eine europäische Forschungsinitiative, in der sich für die Bereiche  des Lesens, des Publizierens und der Lese- und Schreibfähigkeit tätige Wissenschaftler aus ganz Europa zusammengefunden haben. Deren Ziel ist es, zu erforschen, wie sich die Digitalisierung auf die Lesepraxis auswirkt. Ein großer Teil der Forschungen (2014 bis 2018) fokussierte die Frage, wie vor allem Kinder und junge Erwachsene Texte jeweils in print oder digital verarbeiten. Die von der F.A.Z. veröffentlichte Stavanger-Erklärung zur Zukunft des Lesens bildet ein Fazit der Diskussion.  

    Die Ergebnisse der mehr als 130 Forscher sind vor allem für den Bildungsbereich von Bedeutung. 

    Den zentralen Kern bildet die Aussage: "Eine Metastudie von vierundfünfzig Studien mit zusammen mehr als 170 000 Teilnehmern zeigt, dass das Verständnis langer Informationstexte beim Lesen auf Papier besser ist als beim Bildschirmlesen, insbesondere wenn die Leser unter Zeitdruck stehen. Bei narrativen Texten wurden keine Unterschiede festgestellt." 

    Außerdem würden Leser bei  digitalen Inhalten eher als bei  Print-Texten ihre Verständnisfähigkeit überschätzen. Dies kann zum unkonzentrierten Lesen führen.

    Die Forschung zeige, dass einzelne längere Texte weiterhin bevorzugt in gedruckter Form gelesen werden. Inhalte tief verstehen und behalten, dies ist vor allem für Schüler, Studierende, Wissenschaftler unerlässlich. Das konzentrierte Lesen langer Texte ist aber auch allgemein ein erstrebenswertes Kulturgut, denn laut Studie fördere es Fähigkeiten wie Konzentration, Gedächtnis und den Aufbau eines Wortschatzes.

    Allerdings ist die Digitalisierung eine kaum umkehrbare Entwicklung. Dieser Tatsache stellen sich die Forscher, wenn sie empfehlen, es müssten Bedingungen gefunden werden, die das tiefe Lesen langer Texte am Bildschirm besser ermöglichen. 

    Experten des Erziehungsbereichs sollten in gemeinsamer Abstimmung digitale Angebote entwickeln und dabei Forschungen berücksichtigen, wie digitale und gedruckte Inhalte verarbeitet werden. Insbesondere gilt dies für die embodied cognition, das sind jeweils unterschiedliche individuelle Voraussetzungen.

    Die Forscher gehen zudem auf die Bedeutung für den Schulkontext ein:

    "Man sollte Schülern und Studenten Strategien beibringen, die sie nutzen können, damit ihnen tiefes Lesen und höherwertige Leseprozesse auf digitalen Geräten gelingen. Außerdem bleibt es wichtig, dass Schulen und Schulbibliotheken die Schüler weiterhin zur Lektüre gedruckter Bücher motivieren und in den Lehrplänen entsprechend Zeit dafür vorsehen." 

    Nicht nur für Lehrer und Erzieher, sondern ebenso für Eltern und Bibliothekare, also für die Leseförderung allgemein, ist die weitere Aussage von Relevanz, "dass der rasche und wahllose Ersatz von Druckwerken, Papier und Stift durch digitale Technologien im Primarbereich nicht folgenlos bleibt". Denn wenn die stattdessen eingesetzten digitalen Lernmittel in dieser Altersphase nicht optimal angepasst sind, könne das zu "einer Verzögerung in der Entwicklung des kindlichen Leseverständnisses und der Entwicklung kritischen Denkens führen".  

    Was bedeuten die Forschungsergebnisse und die Stavanger-Erklärung für öffentliche Bibliotheken?
    Für die Leseförderung gelten ähnliche Prämissen wie für Schulbibliotheken: Kinder sollten nach wie vor Printmedien nutzen können, aber auch an eine für sie geeignete digitale Leseumgebung herangeführt werden.

    Der Befund, dass kein Unterschied beim Verständnis von narrativen Texten feststellbar war, liest sich zunächst so, dass es im Bereich der erzählenden Literatur unerheblich ist, ob öffentliche Bibliotheken Inhalte in print oder digital bereitstellen.

    Die Allensbach-Studie von 2015 (Repräsentativbefragung der Bevölkerung ab 16 Jahren) fand heraus, dass 76% der Leser ein umfangreiches Angebot an Büchern, E-Books, Zeitschriften, Musik, Filmen usw., also die gesamte Bandbreite an Medien wünschen.

    Die Empfehlung der Forscher, analoges und digitales Lesen weiterhin zu fördern, gilt demnach nicht nur für Schulbibliotheken, sondern spiegelt auch die Realität in öffentlichen Bibliotheken wider.

    Weitere Informationen:
    Stavanger-Erklärung in der F.A.Z.

     


    Von: Stavanger-Erklärung in der F.A.Z / Sabine Teigelkämper

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