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    Nobelpreis für Literatur 2018 und 2019

    10.10.19

    Überraschung: Olga Tokarczuk und Peter Handke ausgezeichnet

    Olga Tokarczuk
    (c) Łukasz Giza

    (c) Kampa Verlag

    (c) Kampa Verlag

    (c) Suhrkamp Verlag

    Gleich zwei Nobelpreise für Literatur sind am 10. Oktober 2019 bekannt gegeben worden. Bis kurz vorher waren internationale Favoriten im Rennen, um 13 Uhr kam der spannende Moment: die renommierte Auszeichnung für das Jahr 2019 geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Zugleich erhält die polnische Autorin Olga Tokarczuk den nachgeholten Literaturnobelpreis für das Jahr 2018.

    Letztere wird ausgezeichnet "für eine narrative Vorstellung, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform darstellt", Peter Handke "für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlichem Einfallsreichtum die Peripherie und die Spezifität menschlicher Erfahrung erforscht hat" – so lauten die Begründungen der Jury.

    Olga Tokarczuk, 1962 in Polen geboren, studierte Psychologie und lebt heute in Breslau. Ihr Werk (bislang neun Romane und drei Erzählbände) wurde in 25 Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschienen u.a. die Romane Ur und andere Zeiten und Taghaus, Nachthaus. Der Gesang der Fledermäuse (dt. 2011) wurde 2017 als deutsch-polnische Koproduktion unter dem Titel Die Spur verfilmt. Zuletzt erschien ihr 1100-Seiten-Werk Die Jakobsbücher (dt. 2019).
    Das Werk von Olga Tokarczuk wurde bereits vielfach ausgezeichnet. 2015 erhielt Olga Tokarczuk den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz. Für Die Jakobsbücher, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, ausgezeichnet und 2018 mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis. Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für Unrast, für den sie auch 2019 wieder nominiert war.

    Durch ihr Eintreten für Toleranz und die Konfrontation Polens mit der eigenen Geschichte schuf sich Tokarczuk auch Gegner. Nun allerdings sind diese Stimmen weitgehend verstummt.

    Peter Handke, der erste deutschsprachige Preisträger seit Herta Müller (2009) und nach Elfriede Jelinek (2004) wieder ein Österreicher, wurde 1942 in einem kleinen Ort im österreichischen Kärnten geboren. Nach Abbruch seines Jura-Studiums 1966, erschien sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr folgte die Inszenierung des legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann. 2011 weckte die fünfstündige Uraufführung von Immer noch Sturm über den Freiheitskampf der Kärntner Slowenen bei den Salzburger Festspielen Aufmerksamkeit, Weggefährte Peymann inszenierte zuletzt 2016 am Wiener Burgtheater Handkes Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße.
    Außerdem hat Handke mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, z.B. den später von Wim Wenders verfilmte Titel Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), der zur Oberstufenlektüre wurde, Wunschloses Unglück(1972), Die linkshändige Frau (1976). Von hier spannt sich der Bogen weiter über Die schönen Tage von Aranjuez (2012), Versuch über den Stillen Ort (2012) bis zu Die Obstdiebin – oder – Einfache Fahrt ins Landesinnere (2017).
    Für den Kulturfilm Der Himmel über Berlin unter Regie von Wim Wenders (1987) schrieb er übrigens das Drehbuch.

    Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, so 2018 mit dem österreichischen Nestroy-Preis für sein Lebenswerk, insbesondere seine Theaterstücke. Charakteristisch für ihn sind die Vielfalt der Formen, Themen sowie unterschiedlichsten Gattungen (Lyrik, Essay, Drehbuch, Regie).

    Darüber hinaus hat Peter Handke viele Werke ins Deutsche übersetzt, z.B. Stücke von Aischylos, Sophokles, Euripides aus dem Griechischen, aber auch Titel aus dem Französischen und Amerikanischen.

    Besonders die Österreicher freuen sich sehr über die diesjährige Wahl. Seine Kritiker hingegen erinnern an Handkes Haltung im Balkan-Konflikt in den 90er Jahren, als er sich auf der Seite Serbiens positionierte. Andere Stimmen halten die Auszeichnung dennoch aus literarischen Gründen für gerechtfertigt.

    Der Nobelpreis für Literatur, seit 1901 in Stockholm vergeben, gilt als wichtigste literarische Auszeichnung weltweit. Die diesjährigen Preise sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.

    Die  Auszeichnung wurde 2018 aufgrund von internen Skandalen ausgesetzt. Inzwischen wird die Akademie von einem neuen Vorsitzenden geleitet und neue Mitglieder und Statuten sollen künftig mehr Transparenz herstellen.
    Alternativ zum 2018 nicht verliehenen Nobelpreis für Literatur hatte die Neue Akademie in Stockholm einmalig den Literaturpreis der Neuen Akademie, quasi als Ersatz-Literaturnobelpreis an die Schriftstellerin Maryse Condé aus dem französischen Überseedepartement Guadeloupe vergeben. 2017 wurde der in Nagasaki geborene und in England aufgewachsene Autor Kazuo Ishiguro ausgezeichnet, 2016 war Bob Dylan ein Kandidat, der etwas aus dem Rahmen fiel.

    Weitere Informationen:
    Offizielle Seite zum Literaturnobelpreis
    Alle Preisträger

    Autoreninformationen:
    Olga Tokarczuk, siehe auch Kampa-Verlag
    Peter Handke, siehe auch Suhrkamp-Verlag
     


    Von: Sabine Teigelkämper

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